1. U-Flottille
1. U-Flottille
Die 1. U-Flottille gehörte zu den traditionsreichsten Frontflottillen der deutschen Kriegsmarine. Ihre Geschichte begann mit der am 27.09.1935 in Kiel aufgestellten U-Flottille Weddigen. Mit der Neuordnung der deutschen U-Boot-Waffe zum 01.01.1940 wurden die bisherigen U-Flottillen Weddigen, Lohs und Emsmann zur 1. U-Flottille zusammengeführt. Die neue Flottille übernahm damit Boote und Aufgaben der drei bisherigen Verbände und wurde als Frontflottille weitergeführt.
Die Flottille war zunächst in Kiel stationiert und gehörte dem Führer der Unterseeboote West an. In der frühen Phase ihrer Geschichte wurden vor allem kleinere U-Boote der Typen II B, II C und II D eingesetzt. Mit der zunehmenden Verlagerung des Schwerpunktes auf den Atlantikkrieg änderte sich auch die Zusammensetzung des Bootsbestandes. Ab 1941 gehörten zunehmend Boote der Typen VII B, VII C, VII C/41, VII D und X B zur Flottille.
Während der Kieler Zeit diente die Flottille vor allem als Frontverband für die in der Ostsee ausgebildeten und anschließend zum Atlantikeinsatz herangeführten U-Boote. Nach ihrer Ausbildung und Erprobung verlegten die Boote von Kiel in die Operationsgebiete der Nordsee und des Atlantiks. Die Flottille war damit unmittelbar in die offensive Phase des deutschen U-Boot-Krieges eingebunden.
Zum 01.06.1941 wurde die 1. U-Flottille von Kiel nach Brest in Frankreich verlegt. Brest entwickelte sich zu einem der wichtigsten deutschen U-Boot-Stützpunkte an der französischen Atlantikküste. Die Flottille konnte dort auf die geschützten Einrichtungen des großen U-Boot-Bunkers zurückgreifen. Dadurch standen für die ihr unterstellten Boote umfangreiche Möglichkeiten zur Ausrüstung, Versorgung, Reparatur und Überholung nach den Feindfahrten zur Verfügung.
In Brest nahm die 1. U-Flottille eine wichtige Stellung innerhalb des deutschen Atlantik-U-Boot-Krieges ein. Die ihr unterstellten U-Boote operierten überwiegend im Nordatlantik und in den westlichen Zugängen zu den britischen Inseln. Der weitreichende Operationsradius der neueren Boote erlaubte Unternehmungen gegen die britischen Geleitzüge und deren Nachschubwege auch in weiter entfernten Seegebieten.
Im Laufe ihres Bestehens wurden der 1. U-Flottille zahlreiche U-Boote unterschiedlicher Typen zugeteilt. Die Zusammensetzung des Verbandes änderte sich ständig durch Neuindienststellungen, Verluste, Verlegungen und die Zuweisung von Booten nach erfolgter Ausbildung. Zu den der Flottille unterstellten Booten gehörten unter anderem U-Boote der Typen VII C und VII C/41 sowie einzelne Boote der Typen VII D und X B. Auch das ehemals niederländische U-Boot UD 4 wurde zeitweise dem Verband zugeordnet.
Die 1. U-Flottille war an zahlreichen Unternehmungen im Atlantik beteiligt und stellte einen bedeutenden Teil der deutschen Front-U-Boot-Waffe. Mehrere ihrer Kommandanten erhielten für ihre Einsätze das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Die Flottille gehörte insbesondere während der Jahre 1941 bis 1943 zu den wichtigen Frontverbänden des deutschen U-Boot-Krieges.
Mit der zunehmenden Verstärkung der alliierten U-Boot-Abwehr änderten sich die Einsatzbedingungen jedoch grundlegend. Die zunehmende Luftüberwachung, die Einführung leistungsfähiger Ortungs- und Geleitverfahren sowie die steigende alliierte Präsenz im Atlantik führten zu hohen Verlusten unter den U-Booten. Auch die Boote der 1. U-Flottille waren davon unmittelbar betroffen.
Nach der alliierten Landung in der Normandie am 06.06.1944 wurde die strategische Lage der deutschen Atlantikstützpunkte zunehmend unhaltbar. Brest wurde von den alliierten Truppen eingeschlossen und schließlich nach schweren Kämpfen im September 1944 erobert. Die noch einsatzfähigen U-Boote der 1. U-Flottille verlegten nach Möglichkeit aus Brest in Richtung der weiterhin von Deutschland gehaltenen Stützpunkte.
Mit dem Verlust des Stützpunktes Brest wurde auch die Fortführung der 1. U-Flottille in ihrer bisherigen Form unmöglich. Am 18.09.1944 wurde die Flottille aufgelöst. Damit endete die Geschichte des Verbandes nach fast neun Jahren, gerechnet seit der Aufstellung der ursprünglichen U-Flottille Weddigen. Ein Teil des Personals und der organisatorischen Strukturen wurde anderen U-Boot-Verbänden zugeführt.
Standorte und Führung
Die ursprüngliche U-Flottille Weddigen war ab 27.09.1935 in Kiel stationiert. Mit der Bildung der 1. U-Flottille zum 01.01.1940 blieb der Verband zunächst in Kiel. Im Juni 1941 erfolgte die Verlegung nach Brest in Frankreich. Dort blieb die Flottille bis zu ihrer Auflösung am 18.09.1944.
Flottillenchefs
01.01.1940 – 31.10.1940 Korvettenkapitän Hans Eckermann
01.11.1940 – 14.02.1942 Korvettenkapitän Hans Cohausz
15.02.1942 – 14.05.1942 Kapitänleutnant Heinz Buchholz (i. V.)
15.05.1942 – 26.07.1942 Kapitänleutnant Heinz Buchholz
27.07.1942 – 18.09.1944 Korvettenkapitän Werner Winter
Der erste Flottillenchef der neu gebildeten 1. U-Flottille war Hans Eckermann, der bereits zuvor die U-Flottille Weddigen geführt hatte. Ihm folgte Hans Cohausz. Heinz Buchholz übernahm 1942 zunächst vertretungsweise und anschließend regulär die Führung des Verbandes. Ab 27.07.1942 bis zur Auflösung am 18.09.1944 stand Korvettenkapitän Werner Winter an der Spitze der Flottille.
Die Feldpostnummer der 1. U-Flottille lautete M - 06 153.
Boote
Quellen & Literatur
Busch, Rainer/Röll, Hans Joachim: Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften - Mittler Verlag 1997.
Herzog, Bodo: Deutsche U-Boote 1906–1966. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching, 1990.
Lohmann, Walter/Hildebrand, Hans H.: "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - 3 Bände Podzun Verlag 1956.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com