10. U-Flottille
10. U-Flottille
Die 10. U-Flottille wurde am 15.01.1942 in Lorient als Frontflottille aufgestellt. Sie war dem Führer der Unterseeboote West unterstellt und wurde als Verband für den Einsatz besonders reichweitenstarker U-Boote eingerichtet. Flottillenchef war während ihres gesamten Bestehens Korvettenkapitän Günter Kuhnke.
Die Aufstellung der Flottille erfolgte zu einer Zeit, in der Lorient bereits zu einem der wichtigsten deutschen U-Boot-Stützpunkte an der französischen Atlantikküste ausgebaut worden war. Die dortigen U-Boot-Bunker und Werftanlagen boten günstige Voraussetzungen für die Versorgung, Ausrüstung, Reparatur und Überholung der weitreichenden U-Boote. Die 10. U-Flottille war dabei von Beginn an als Frontverband vorgesehen und hatte keine Ausbildungsfunktion.
Der Flottille wurden vor allem große U-Boote der Typen IX C und IX C/40 zugeteilt. Hinzu kamen einzelne Boote der Typen X B und XIV. Diese U-Boote besaßen eine wesentlich größere Reichweite als die Boote der Typen VII und waren daher besonders für weit entfernte Operationsgebiete geeignet. Die 10. U-Flottille bildete damit einen wichtigen Verband für den Einsatz deutscher U-Boote außerhalb der unmittelbaren Operationsgebiete vor Westeuropa.
Die Boote der Flottille führten Unternehmungen im Westatlantik, in der Karibik und im Südatlantik durch. Dabei wurden insbesondere die amerikanischen und karibischen Seewege sowie der alliierte Schiffsverkehr in weit entfernten Seegebieten angegriffen. Die große Reichweite der eingesetzten U-Boote ermöglichte es, auch Operationsgebiete zu erreichen, die von den europäischen Atlantikstützpunkten aus nur von besonders ausdauernden Booten erreicht werden konnten.
Neben den eigentlichen Kampfbooten gehörten auch Versorgungs- und Transportaufgaben zum Einsatzspektrum einzelner der Flottille zugeteilter Boote. Insbesondere die U-Boote des Typs XIV dienten zur Versorgung anderer U-Boote auf See mit Treibstoff, Schmieröl und weiteren benötigten Materialien. Dadurch konnten die Einsatzreichweiten der Frontboote erheblich erweitert werden.
Die 10. U-Flottille nahm damit eine besondere Stellung innerhalb der deutschen U-Boot-Waffe ein. Während andere Frontflottillen überwiegend mit Typ-VII-Booten operierten, lag der Schwerpunkt dieses Verbandes auf den großen Fernbooten. Zu den bekannten Booten der Flottille gehörten unter anderem U 160, U 170, U 176, U 508, U 510, U 516, U 525, U 539 und U 543.
Die Boote kehrten nach ihren langen Unternehmungen nach Lorient zurück. Dort wurden sie für weitere Feindfahrten ausgerüstet und, soweit erforderlich, im geschützten Bunkersystem und den angeschlossenen Werftanlagen repariert und überholt. Lorient war aufgrund seiner umfangreichen U-Boot-Infrastruktur besonders geeignet, die langen Einsatzzyklen der Fernboote zu unterstützen.
Während des Jahres 1943 blieb die 10. U-Flottille ein wichtiger Bestandteil des deutschen U-Boot-Krieges im Atlantik. Die zunehmende Verbesserung der alliierten U-Boot-Abwehr, die stärkere Luftüberwachung und die zunehmende Sicherung der Seewege erschwerten jedoch auch den Einsatz der großen Fernboote. Die Verluste der U-Boot-Waffe stiegen, während die Erfolgsaussichten zunehmend zurückgingen.
Im Verlauf des Jahres 1944 verschlechterte sich die strategische Lage der deutschen Atlantikstützpunkte weiter. Nach der alliierten Landung in der Normandie am 06.06.1944 rückten die alliierten Truppen zunehmend in Richtung der französischen Westküste vor. Lorient wurde zur Festung erklärt und vom alliierten Vormarsch eingeschlossen.
Die meisten noch einsatzfähigen U-Boote der 10. U-Flottille verließen Lorient im August 1944 und verlegten nach Norwegen oder in Richtung deutscher Ostseehäfen. Die Flottille selbst wurde im August 1944 aufgelöst. Damit endete ihre Tätigkeit als selbstständiger Frontverband.
Günter Kuhnke verließ Lorient am 27.08.1944 als Kommandant des U-Bootes U 853. Das Boot erreichte Flensburg im Oktober 1944. Anschließend übernahm Kuhnke die Führung der neu aufgestellten 33. U-Flottille. Mit seinem Abzug endete auch die persönliche Verbindung des letzten Flottillenchefs mit Lorient.
Standorte
Die 10. U-Flottille war während ihres gesamten Bestehens in Lorient stationiert. Der Zeitraum ihrer Existenz erstreckte sich vom 15.01.1942 bis zum 08.1944.
Flottillenchef
15.01.1942 – 08.1944 Korvettenkapitän Günter Kuhnke
Die Feldpostnummer der 10. U-Flottille lautete M - 47 499.
Boote
Quellen & Literatur
Busch, Rainer/Röll, Hans Joachim: Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften - Mittler Verlag 1997.
Herzog, Bodo: Deutsche U-Boote 1906–1966. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching, 1990.
Lohmann, Walter/Hildebrand, Hans H.: "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - 3 Bände Podzun Verlag 1956.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com