12. U-Flottille

Aus uboot Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

12. U-Flottille


Die 12. U-Flottille wurde am 15.10.1942 in Bordeaux als Frontflottille aufgestellt. Sie war dem Führer der Unterseeboote West unterstellt und wurde als Verband für besonders reichweitenstarke U-Boote und Versorgungsboote eingerichtet.

Bordeaux war der wichtigste deutsche U-Boot-Stützpunkt an der französischen Atlantikküste für die Durchführung besonders weitreichender Unternehmungen. Der dort errichtete U-Boot-Bunker bot den Booten geschützte Liegeplätze und ermöglichte ihre Versorgung, Ausrüstung, Reparatur und Überholung. Der erste deutsche U-Boot, der den U-Boot-Stützpunkt Bordeaux erreichte, war U 178 am 09.01.1943.

Die 12. U-Flottille erhielt überwiegend U-Boote, die aufgrund ihrer großen Reichweite für den Einsatz in weit entfernten Operationsgebieten geeignet waren. Dazu gehörten insbesondere Boote der Typen IX D, X B und XIV. Außerdem wurden der Flottille drei Boote des Typs VII F zugeteilt, die für den Transport von Torpedos vorgesehen waren. Neben den eigentlichen Kampfbooten verfügte die Flottille damit auch über Boote, deren besondere Aufgabe in der Unterstützung anderer U-Boote lag.

Die U-Boote der Flottille operierten vor allem im Südatlantik und im Indischen Ozean. Die großen Reichweiten der eingesetzten Boote ermöglichten Unternehmungen weit entfernt von den europäischen Atlantikstützpunkten. Die Einsatzgebiete reichten dabei bis vor die südamerikanische Küste, in den Südatlantik und in den Indischen Ozean.

Eine besondere Bedeutung hatten die Versorgungsboote des Typs XIV. Diese sogenannten „Milchkühe“ versorgten andere U-Boote während ihrer Unternehmungen auf See mit Treibstoff, Schmieröl, Torpedos, Proviant und weiteren benötigten Materialien. Dadurch konnten die Frontboote wesentlich länger in ihren weit entfernten Operationsgebieten eingesetzt werden, ohne einen Stützpunkt anlaufen zu müssen.

Auch die großen Transport- und Fernboote der Typen IX D und X B erfüllten Aufgaben, die über den gewöhnlichen Handelskrieg hinausgingen. Neben der Bekämpfung des alliierten Schiffsverkehrs wurden einzelne Boote für Transportaufgaben eingesetzt. Insbesondere die weitreichenden Boote konnten Material, Versorgungsgüter und weitere kriegswichtige Ladungen zwischen den deutschen Stützpunkten und weit entfernten Operationsgebieten transportieren.

Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 wurden vier italienische U-Boote, die sich zu diesem Zeitpunkt in Bordeaux befanden, von der Kriegsmarine übernommen und der 12. U-Flottille zugeteilt. Die Boote wurden als UIT 22, UIT 23, UIT 24 und UIT 25 in den deutschen Dienst übernommen. Damit verfügte die Flottille neben den deutschen Langstrecken- und Versorgungsbooten auch über ehemalige italienische U-Boote.

Die besondere Aufgabe der 12. U-Flottille erforderte einen entsprechend umfangreichen technischen und logistischen Aufwand. Die langen Unternehmungen im Südatlantik und im Indischen Ozean beanspruchten Boote und Besatzungen erheblich. Nach ihrer Rückkehr nach Bordeaux wurden die Boote im U-Boot-Bunker und den angeschlossenen Werftanlagen wieder instand gesetzt, ausgerüstet und für weitere Unternehmungen vorbereitet.

Im Verlauf des Jahres 1943 und der ersten Hälfte des Jahres 1944 erschwerten sich die Einsatzbedingungen zunehmend. Die alliierte Luft- und Seeraumüberwachung wurde immer stärker und die U-Boot-Abwehr wirksamer. Auch die Versorgungsboote der Flottille erlitten empfindliche Verluste, wodurch die Möglichkeit zur Unterstützung der weit entfernt operierenden Frontboote zunehmend eingeschränkt wurde.

Nach der alliierten Landung in der Normandie am 06.06.1944 verschlechterte sich die Lage der deutschen Atlantikstützpunkte grundlegend. Bordeaux wurde zunehmend vom übrigen deutschen Besatzungsgebiet abgeschnitten. Im August 1944 begann deshalb der Abzug der noch einsatzfähigen U-Boote aus Bordeaux.

Die meisten verbliebenen Boote verließen den Stützpunkt im August 1944 und verlegten nach Norwegen oder in Richtung der noch von Deutschland gehaltenen Stützpunkte. Die letzten beiden U-Boote verließen Bordeaux am 25.08.1944. Damit endete der eigentliche U-Boot-Betrieb der 12. U-Flottille.

Nach der Aufgabe des Stützpunktes versuchte das in Bordeaux verbliebene Personal, auf dem Landweg nach Deutschland zurückzukehren. Unter Führung von Fregattenkapitän Klaus Scholtz setzte sich ein etwa 220 Mann starker Verband in Richtung Osten in Marsch. Am 11.09.1944 geriet dieser Verband in französischem Gebiet in amerikanische Gefangenschaft.

Mit der Auflösung im August 1944 endete die Geschichte der 12. U-Flottille. Der Verband hatte während seiner knapp zweijährigen Existenz eine besondere Stellung innerhalb der deutschen U-Boot-Waffe eingenommen, da er die weitreichenden Frontboote und die für deren Einsatz besonders wichtigen Versorgungsboote zusammenführte.

Standorte


Die 12. U-Flottille war während ihres gesamten Bestehens in Bordeaux in Frankreich stationiert. Der Zeitraum ihrer Existenz erstreckte sich vom 15.10.1942 bis zum 08.1944.

Flottillenchef


15.10.1942 – 08.1944 Fregattenkapitän Klaus Scholtz


Klaus Scholtz hatte zuvor als Kommandant von U 108 mehrere Feindfahrten durchgeführt und übernahm im Oktober 1942 die Führung der neu aufgestellten 12. U-Flottille. Er blieb bis zu ihrer Auflösung im August 1944 Flottillenchef. Nach dem Abzug aus Bordeaux führte er das verbliebene Personal auf dem Landweg nach Osten und geriet am 11.09.1944 in amerikanische Gefangenschaft.

Die Feldpostnummer der 12. U-Flottille lautete M - 47 587.

Boote

U 117 U 118 U 119 U 177 U 178 U 179 U 180 U 181 U 182 U 195
U 196 U 197 U 198 U 199 U 200 U 219 U 220 U 233 U 459 U 460
U 461 U 462 U 463 U 487 U 488 U 489 U 490 U 847 U 848 U 849
U 850 U 851 U 852 U 859 U 860 U 861 U 862 U 863 U 871 U 1059
U 1061 U 1062 UIT 22 UIT 23 UIT 24 UIT 25

Quellen & Literatur


Busch, Rainer/Röll, Hans Joachim: Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften - Mittler Verlag 1997.

Herzog, Bodo: Deutsche U-Boote 1906–1966. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching, 1990.

Lohmann, Walter/Hildebrand, Hans H.: "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - 3 Bände Podzun Verlag 1956.

Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB


Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com