Alberich

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Alberich-Beschichtung

Die Alberich-Beschichtung war eine von der Kriegsmarine entwickelte schallabsorbierende Außenhaut für U-Boote. Sie sollte die Ortung eines getauchten U-Bootes durch das alliierte ASDIC beziehungsweise Sonar erschweren. Dazu wurden Teile der Außenhaut des U-Bootes mit besonderen Platten aus einem gummiartigen Kunststoff bedeckt. Die Beschichtung sollte einen Teil der vom gegnerischen Ortungsgerät ausgesandten Schallenergie aufnehmen und dadurch das zum Ortungsgerät zurückkehrende Echo abschwächen. Der Name Alberich bezog sich auf die Gestalt Alberich aus der Nibelungensage, der über eine Tarnkappe verfügte.

Funktionsweise


ASDIC arbeitete mit ausgesandten Schallimpulsen. Traf ein solcher Impuls auf den metallischen Rumpf eines U-Bootes, wurde ein Teil der Schallenergie zurückgeworfen und konnte vom Ortungsgerät empfangen werden. Die Alberich-Beschichtung sollte diese Rückstrahlung vermindern. Dadurch erhielt das gegnerische Ortungsgerät ein schwächeres Echo und die sichere Erfassung beziehungsweise Verfolgung des U-Bootes wurde erschwert. Die Beschichtung machte ein U-Boot jedoch nicht vollständig unsichtbar. Ihre Wirkung hing unter anderem von Frequenz, Wassertemperatur, Druck, Zustand der Beschichtung und den jeweiligen Ortungsbedingungen ab.

Aufbau


Die Beschichtung bestand aus ungefähr 4 mm starken Platten aus synthetischem Gummi beziehungsweise einem gummiartigen Kunststoff. Die Platten bestanden aus unterschiedlichen Schichten. In der inneren Schicht befanden sich zahlreiche kleine Hohlräume beziehungsweise Bohrungen. Zusammen mit der darüberliegenden geschlossenen Schicht wirkten diese als Schallabsorber. Die einzelnen Platten waren ungefähr einen Quadratmeter groß und wurden auf die Außenhaut des U-Bootes geklebt. Die Beschichtung wurde insbesondere auf den Bereichen des Rumpfes angebracht, die für die Rückstrahlung der ASDIC-Impulse von Bedeutung waren.

Erprobung


Erste Versuche mit schallabsorbierenden Beschichtungen wurden bereits 1940 durchgeführt.

U 11 erhielt zu Versuchszwecken eine frühe Ausführung der Beschichtung, die unter der Bezeichnung Fafnir erprobt wurde. 1941 wurde U 67 mit einer weiterentwickelten Gummibeschichtung versehen. Die Erprobung zeigte jedoch ein wesentliches praktisches Problem: Die Platten hafteten unter den Belastungen des Einsatzes nicht zuverlässig am Bootskörper. Teile der Beschichtung lösten sich während der Fahrt ab. Locker gewordene Platten konnten zusätzlich Wasserverwirbelungen und Geräusche erzeugen und damit die gewünschte Tarnwirkung teilweise ins Gegenteil verkehren. Auch UD 4 wurde für entsprechende Versuche herangezogen.

Haftungsprobleme


Das größte Problem der Alberich-Beschichtung war lange Zeit die zuverlässige Befestigung der Gummiplatten am Bootskörper. Die Außenhaut eines U-Bootes war während einer Unternehmung erheblichen Belastungen ausgesetzt. Wasserdruck, wechselnde Temperaturen, Seewasser und die Strömung während der Fahrt wirkten ständig auf die aufgeklebten Platten ein. Bei den frühen Versuchen lösten sich deshalb größere Teile der Beschichtung. Die Entwicklung geeigneter Klebstoffe und verbesserter Befestigungsverfahren verzögerte den praktischen Einsatz über mehrere Jahre.

Fronteinsatz


Erst in den letzten Kriegsjahren gelang es, die Alberich-Beschichtung in verbesserter Form auf einzelnen Front-U-Booten einzusetzen. Zu den U-Booten, die mit Alberich beziehungsweise entsprechenden Versuchs- und Einsatzbeschichtungen ausgerüstet wurden, gehörten unter anderem U 67, U 247, U 470, U 480, U 485, U 486, U 999, U 1105, U 1107 und UD 4. Besonders bekannt wurde U 480. Das Boot führte 1944 mit Alberich-Beschichtung eine Unternehmung in den stark überwachten britischen Küstengewässern durch. Auch U 1105 war vollständig mit einer Alberich-Beschichtung versehen. Nach der deutschen Kapitulation wurde das Boot von den Alliierten übernommen und wegen seiner besonderen Außenhaut eingehend untersucht.

U 480


U 480 gehörte zu den bekanntesten mit Alberich ausgerüsteten Frontbooten. Das Boot operierte 1944 im Ärmelkanal und in den britischen Küstengewässern, wo die alliierte U-Boot-Abwehr besonders dicht war. Während dieser Unternehmung zeigte sich jedoch auch die Empfindlichkeit der Beschichtung. Beim Ablegen des Bootes auf dem Meeresboden bestand die Gefahr, dass die Alberich-Platten durch Grundberührung und starke Strömung beschädigt wurden. Die Erfahrungen mit U 480 zeigten damit sowohl den möglichen Nutzen als auch die praktischen Grenzen der Beschichtung.

U 1105


U 1105 war eines der vollständig mit Alberich ausgerüsteten U-Boote. Das Boot wurde 1944 in Dienst gestellt und führte im Frühjahr 1945 eine Unternehmung in britischen Gewässern durch. Nach Kriegsende gelangte U 1105 zunächst in britische und anschließend in amerikanische Hand. Wegen der noch vorhandenen Gummibeschichtung wurde das Boot von amerikanischen Stellen technisch untersucht. U 1105 gehört deshalb zu den am besten dokumentierten U-Booten mit Alberich-Beschichtung.

Wirkung


Die Alberich-Beschichtung konnte die Stärke des vom U-Boot zurückgeworfenen ASDIC-Signals deutlich vermindern. Dadurch verringerte sich unter günstigen Bedingungen die Entfernung, aus der ein U-Boot zuverlässig geortet und verfolgt werden konnte. Die Beschichtung bot jedoch keinen vollständigen Schutz. Ein U-Boot konnte weiterhin durch ASDIC, Horchgeräte, Radar bei Schnorchel- oder Überwasserfahrt sowie durch andere Ortungsmittel entdeckt werden. Für ein bereits getauchtes und mit ASDIC verfolgtes Boot konnte ein schwächeres Echo dennoch einen wichtigen Vorteil darstellen.

Beschädigung und Wartung


Die Alberich-Beschichtung musste regelmäßig kontrolliert werden. Beschädigte oder abgelöste Platten verminderten nicht nur die schallabsorbierende Wirkung. Lose Teile konnten während der Fahrt auch zusätzliche Strömungsgeräusche verursachen. Besonders Grundberührungen, Arbeiten am Bootskörper und mechanische Beschädigungen konnten die Beschichtung beeinträchtigen. Die Instandhaltung war deshalb aufwendiger als bei einem normalen U-Boot-Rumpf.

Bedeutung für den U-Boot-Krieg


Die Alberich-Beschichtung war einer der fortschrittlichsten deutschen Versuche, die Ortbarkeit eines getauchten U-Bootes zu verringern. Die Entwicklung begann bereits 1940, wurde jedoch lange durch Schwierigkeiten bei der dauerhaften Befestigung der Gummiplatten behindert. Erst gegen Ende des Krieges standen verbesserte Ausführungen für einzelne Front-U-Boote zur Verfügung. Für einen großflächigen Einbau auf der deutschen U-Boot-Flotte war es zu diesem Zeitpunkt zu spät. Die Grundidee einer schallabsorbierenden Außenhaut wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weiterentwickelt. Ähnliche schallabsorbierende Beschichtungen gehören später zur Ausrüstung zahlreicher moderner U-Boote.

Quellen im Bundesarchiv


BArch RM 25: Oberkommando der Kriegsmarine / Hauptamt Kriegsschiffbau der Reichsmarine und Kriegsmarine.

BArch RM 87: Befehlshaber der Unterseeboote der Kriegsmarine.

BArch RM 98: Unterseeboote der Kriegsmarine.

Quellen in internationalen Archiven


U.S. Naval Technical Mission in Europe: Technical Report No. 352-45 – Rubber Covering of German Submarines Anti-Asdic (German Code Name „Alberich“). 20.09.1945.

Naval History and Heritage Command: U-1105 Wreck Site – Untersuchungen zur Alberich-Beschichtung.

Literatur


Rössler, Eberhard: Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Band 1 und 2. Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1996.

Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band II: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg/Berlin/Bonn, 1997.


Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverzeichnis: → Literaturverzeichnis und Buchkauf


Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com