Clay Blair
Clay Blair

Clay Blair (* 1. Mai 1925 in Lexington, Virginia, USA; † 16. Dezember 1998 auf Washington Island, Wisconsin, USA) war ein US-amerikanischer Journalist, Sachbuchautor und Militärhistoriker. Bekannt wurde er insbesondere durch seine umfangreichen Untersuchungen zur Geschichte der U-Boot-Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg.
Während des Zweiten Weltkrieges diente Blair als Besatzungsmitglied auf dem US-amerikanischen U-Boot USS Guardfish (SS-217) im Pazifikkrieg. Nach dem Krieg arbeitete er als Journalist und war unter anderem für die Zeitschriften Time und Life tätig. Später wurde er Chefredakteur der Saturday Evening Post. Seine eigenen Erfahrungen im U-Boot-Dienst beeinflussten seine spätere Beschäftigung mit der Geschichte der U-Boot-Kriegsführung.
Werk
Blairs bedeutendstes Werk zum deutschen U-Boot-Krieg ist die zweibändige Untersuchung Hitler's U-Boat War, die in den Vereinigten Staaten 1996 und 1998 erschien. Die beiden Bände behandeln den deutschen U-Boot-Krieg während des Zweiten Weltkrieges:
- The Hunters, 1939–1942
- The Hunted, 1942–1945
Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel Der U-Boot-Krieg in zwei Bänden:
- Die Jäger 1939–1942
- Die Gejagten 1942–1945
Blair wertete für seine Darstellung eine umfangreiche Quellenbasis aus. Dazu gehörten deutsche und alliierte Operationsunterlagen, Kriegstagebücher, Funkaufklärung, nachrichtendienstliche Unterlagen sowie die nach dem Krieg zugänglich gewordenen britischen und amerikanischen Unterlagen zur Entzifferung des deutschen Funkverkehrs. Dadurch konnte er zahlreiche Operationen des U-Boot-Krieges aus deutscher und alliierter Sicht gegenüberstellen.
Bedeutung für die Geschichte des U-Boot-Krieges
Blairs Darstellung unterscheidet deutlich zwischen den taktischen und operativen Erfolgen einzelner U-Boote und dem strategischen Ergebnis des U-Boot-Krieges. Die erheblichen Versenkungserfolge der deutschen U-Boot-Waffe werden von ihm ausführlich dargestellt, zugleich untersucht er die Entwicklung der alliierten U-Boot-Abwehr, die zunehmende technische und nachrichtendienstliche Überlegenheit der Alliierten sowie die hohen Verluste der deutschen U-Boot-Waffe.
Blair kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche U-Boot-Krieg trotz erheblicher zeitweiliger Erfolge nicht in der Lage war, die britischen Seeverbindungen dauerhaft zu unterbrechen und Großbritannien dadurch zum Ausscheiden aus dem Krieg zu zwingen. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Entwicklung der alliierten Konvoisicherung, der Einsatz von Geleitflugzeugen und Langstreckenflugzeugen, die Verbesserung der Ortungs- und Waffensysteme sowie die alliierte Funk- und Nachrichtenaufklärung.
Seine Darstellung berücksichtigt dabei nicht nur die Entscheidungen der deutschen Seekriegsleitung, sondern auch die Entwicklung der alliierten U-Boot-Abwehr und deren Auswirkungen auf die Operationsführung der deutschen U-Boote.
Einordnung
Blairs Arbeiten gehören zu den umfangreichen englischsprachigen Gesamtdarstellungen des U-Boot-Krieges im Atlantik. Ihr besonderer Wert liegt in der Verbindung umfangreicher deutscher und alliierter Quellen mit der Darstellung der strategischen Gesamtentwicklung des Seekrieges.
Für die Untersuchung einzelner U-Boote, Unternehmungen, Kommandanten und Versenkungen stellt Blair eine wichtige Sekundärquelle dar. Einzelangaben sollten jedoch, soweit möglich, mit zeitgenössischen deutschen oder alliierten Primärquellen sowie mit einschlägiger Spezialliteratur verglichen werden.
Blairs Darstellung ist insbesondere deshalb von Bedeutung, weil sie die deutschen U-Boot-Erfolge nicht isoliert betrachtet, sondern in den Zusammenhang des gesamten Atlantikkrieges und der Entwicklung der alliierten U-Boot-Abwehr stellt.
Alle Angaben ohne Gewähr
Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com