Fu.M.B.

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Funkmeßbeobachtung (Fu.M.B.)


Fu.M.B. beziehungsweise FuMB war die bei der Kriegsmarine verwendete Abkürzung für Funkmeßbeobachtung. Die entsprechenden Funkmeßbeobachtungsgeräte dienten auf U-Booten als passive Radarwarnempfänger.

Sie sendeten selbst keine Radarimpulse aus, sondern sollten die von gegnerischen Flugzeugen und Schiffen ausgestrahlten Radarwellen möglichst früh auffangen. Dadurch erhielt ein an der Oberfläche fahrendes U-Boot die Möglichkeit, vor der Annäherung eines Gegners abzutauchen.

Besondere Bedeutung erhielt die Funkmeßbeobachtung ab 1942, als alliierte Flugzeuge mit Radar deutsche U-Boote auch bei Nacht und schlechter Sicht aufspüren konnten.

Entwicklung


Die Kriegsmarine erkannte während des Krieges zunehmend die Gefahr der alliierten Radarortung.

Die Untersuchung erbeuteter britischer Radartechnik lieferte zusätzliche Erkenntnisse über die von der Royal Air Force eingesetzten ASV-Geräte zur Ortung von Schiffen und U-Booten.

Für die U-Boot-Waffe wurde daraufhin ein Radarwarnempfänger benötigt, der die ausgestrahlten Radarimpulse bereits auf größere Entfernung feststellen konnte.

Als erstes in größerem Umfang verwendetes Gerät wurde im Sommer 1942 das FuMB 1 „Metox“ eingeführt.

FuMB 1 „Metox“


Das FuMB 1 „Metox“ war der erste verbreitete Radarwarnempfänger deutscher U-Boote.

Das Gerät wurde nach dem französischen Hersteller Metox benannt und verwendete den Empfänger Metox R 600 beziehungsweise R 600 A.

Einführung auf U-Booten: August 1942

Empfangsbereich: etwa 130 bis 260 cm Wellenlänge

Hauptaufgabe: Erfassung alliierter Radargeräte im Meterwellenbereich

Das Gerät konnte insbesondere die damals verwendeten britischen ASV-Radargeräte erfassen.

Funktionsweise


Das FuMB war ein passiver Empfänger.

Wurde eine Radarstrahlung innerhalb seines Empfangsbereiches festgestellt, erhielt der Funker beziehungsweise die Brückenwache eine Warnung.

Die Stärke und Art des empfangenen Signals konnten Hinweise auf ein arbeitendes Radargerät geben. Eine sichere Identifizierung von Flugzeugtyp, Entfernung oder Herkunft des Signals war damit jedoch nicht möglich.

Die Ortungsreichweite hing unter anderem von:

  • Leistung des gegnerischen Radargerätes,
  • Flughöhe beziehungsweise Höhe der Radarantenne,
  • Entfernung,
  • Ausrichtung der eigenen Antenne sowie
  • Ausbreitungsbedingungen

ab.

Unter günstigen Bedingungen konnten die Radarimpulse eines Flugzeuges aufgefangen werden, bevor dessen Radargerät das U-Boot sicher erfasst hatte.

Biskayakreuz


Das FuMB 1 wurde zunächst mit der FuMB-Antenne 2 „Honduras“ verwendet, die allgemein als „Biskayakreuz“ bekannt wurde.

Die Antenne bestand aus einer einfachen kreuzförmigen Holzkonstruktion mit daran befestigten Antennenelementen.

Sie wurde auf der Brücke beziehungsweise am Sehrohrbock angebracht und von Hand gedreht. Dadurch konnte auch eine grobe Richtung festgestellt werden, aus der die Radarstrahlung eintraf.

Die Konstruktion besaß jedoch erhebliche Nachteile.

Vor jedem Tauchvorgang musste die Antenne abgenommen und in das U-Boot gebracht werden. Das Antennenkabel wurde durch das Turmluk geführt.

Bei Alarmtauchmanövern bedeutete dies zusätzlichen Arbeitsaufwand. Außerdem war die Konstruktion empfindlich gegen Seegang und mechanische Beschädigungen.

Einsatz ab 1942


Die Einführung des FuMB 1 verbesserte zunächst die Überlebenschancen der an der Oberfläche fahrenden U-Boote.

Besonders beim Durchqueren der Biskaya konnten Flugzeuge des RAF Coastal Command häufig frühzeitig erkannt werden.

Nach einer FuMB-Warnung wurde gewöhnlich versucht, möglichst schnell abzutauchen und sich damit einem Radar- beziehungsweise anschließenden Sichtangriff zu entziehen.

Damit entwickelte sich das Radarwarngerät zu einem wichtigen Bestandteil der Brückenwache.

Fehlanzeigen


Das Metox-Gerät besaß jedoch nur eine begrenzte Selektivität.

Es reagierte nicht ausschließlich auf gegnerische Radaranlagen. Auch andere Funk- und Hochfrequenzsender innerhalb des Empfangsbereiches konnten Anzeigen beziehungsweise Warnungen verursachen.

Dadurch kam es zu Fehlalarmen und teilweise unnötigen Tauchmanövern.

Im weiteren Verlauf wurden Empfänger und Auswertung verbessert, ohne die grundsätzlichen technischen Grenzen des Systems vollständig beseitigen zu können.

Einführung des 10-cm-Radars


Die entscheidende Schwäche des Metox zeigte sich 1943.

Das britische Coastal Command führte das neue ASV Mk. III ein. Dieses arbeitete mit einer Wellenlänge von ungefähr 10 cm und damit weit außerhalb des Empfangsbereiches des Metox.

Ein Flugzeug mit ASV Mk. III konnte deshalb ein aufgetauchtes U-Boot orten, ohne dass dessen FuMB 1 eine Warnung ausgab.

Seit dem Frühjahr 1943 meldeten U-Boote daher zunehmend überraschende nächtliche Flugzeugangriffe, denen keine vorherige FuMB-Warnung vorausgegangen war.

Für die U-Boot-Führung war zunächst nicht eindeutig erkennbar, wodurch diese Angriffe ermöglicht wurden.

Verdacht auf Eigenstrahlung


Im Sommer 1943 entstand auf deutscher Seite der Verdacht, dass die Alliierten die geringe Eigenstrahlung des Metox-Empfängers selbst orten könnten.

Wie viele Überlagerungsempfänger erzeugte auch das Metox eine schwache Hochfrequenzabstrahlung.

Deutsche Versuche zeigten, dass diese Eigenstrahlung unter bestimmten Versuchsbedingungen tatsächlich auf größere Entfernung nachweisbar sein konnte.

Hinzu kamen Aussagen von Kriegsgefangenen, die den Verdacht verstärkten, alliierte Flugzeuge würden diese Strahlung zur Ortung von U-Booten verwenden.

Die U-Boot-Führung ging deshalb im August 1943 davon aus, dass die Verwendung des Metox die Position eines U-Bootes verraten könne.

Einstellung der Metox-Verwendung


Im August 1943 wurde die Benutzung der Metox- und Grandin-Geräte auf den U-Booten untersagt.

Die Annahme, alliierte U-Jagd-Flugzeuge hätten die Eigenstrahlung des Metox planmäßig zur Ortung deutscher U-Boote verwendet, bestätigte sich jedoch nicht.

Die überraschenden Angriffe waren vor allem auf die Einführung des britischen Zentimeterwellenradars ASV Mk. III zurückzuführen, dessen Signale das Metox aufgrund seines Empfangsbereiches nicht erfassen konnte.

Die zeitweilige Konzentration auf die vermutete Eigenstrahlung erschwerte damit die richtige Beurteilung der tatsächlichen technischen Entwicklung auf alliierter Seite.

FuMB 8 „Wanze“


Als Ersatz für das Metox wurde im August 1943 unter anderem das FuMB 8 „Wanze“ beziehungsweise „Zypern I“ eingeführt.

Das Gerät arbeitete im Bereich von ungefähr 120 bis 180 cm und verfügte über eine automatische Suchfunktion.

Auch dieses Gerät konnte jedoch das neue britische 10-cm-Radar nicht erfassen.

Aufgrund technischer Probleme und der weiterhin bestehenden Sorge vor Eigenstrahlung wurde es bereits nach kurzer Zeit durch verbesserte Ausführungen ersetzt.

FuMB 9 „Wanze“


Das FuMB 9 „Wanze“ beziehungsweise „Zypern II“ war eine verbesserte Ausführung.

Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf eine Verringerung beziehungsweise Vermeidung der störenden Eigenstrahlung des Empfängers gelegt.

Das Gerät blieb jedoch weiterhin auf den Meterwellenbereich beschränkt.

FuMB 10 „Borkum“


Das ab November 1943 verwendete FuMB 10 „Borkum“ besaß einen wesentlich größeren Empfangsbereich.

Empfangsbereich: etwa 20 bis 300 cm Wellenlänge

Es diente als breitbandiger Radarwarnempfänger und konnte unterschiedliche gegnerische Radargeräte im Meter- und Dezimeterbereich erfassen.

Für das britische 10-cm-ASV-Radar wurde jedoch ein spezieller Empfänger benötigt.

FuMB 7 „Naxos“


Das FuMB 7 „Naxos“ wurde zur Erfassung des neuen alliierten Zentimeterwellenradars entwickelt.

Empfangsbereich: etwa 8 bis 12 cm Wellenlänge

Einführung auf U-Booten: Herbst 1943

Damit konnten insbesondere die Signale des britischen ASV Mk. III erfasst werden.

Die ersten Naxos-Anlagen verwendeten kleine, von Hand zu bedienende Antennen. Später kamen verbesserte Antennen wie die FuMB-Antenne 24 „Fliege“ hinzu.

Das Naxos stellte damit eine wichtige Anpassung an die neue Generation alliierter Radargeräte dar.

Weitere Entwicklung


Die rasche Weiterentwicklung alliierter Radartechnik zwang die Kriegsmarine zur Einführung immer neuer Funkmeßbeobachtungsgeräte.

Zu den späteren Anlagen gehörten unter anderem:

  • FuMB 10 „Borkum“,
  • FuMB 7 „Naxos“,
  • FuMB 26 „Tunis“ sowie
  • FuMB 35 „Athos“.

Das FuMB 26 „Tunis“ kombinierte Empfangsmöglichkeiten für verschiedene Zentimeterwellenbereiche und wurde ab 1944 auf U-Booten verwendet.

Damit entwickelte sich die Funkmeßbeobachtung von den einfachen Metox-Anlagen zu immer breitbandigeren und leistungsfähigeren Radarwarnsystemen.

FuMB-Antennen


Neben den Empfängern wurden auch die Antennen ständig weiterentwickelt.

Zu den auf U-Booten verwendeten FuMB-Antennen gehörten unter anderem:

  • FuMB-Antenne 2 „Honduras“ – Biskayakreuz,
  • FuMB-Antenne 3 „Bali“,
  • FuMB-Antenne 11 „Finger“,
  • FuMB-Antenne 24 „Fliege“ sowie
  • FuMB-Antenne 25 „Mücke“.

Spätere Antennen konnten teilweise fest am Turm angebracht werden und ersetzten damit die umständlich zu handhabende Konstruktion des Biskayakreuzes.

Bedeutung für die U-Boot-Waffe


Die Funkmeßbeobachtung wurde ab 1942 zu einem wichtigen Bestandteil der elektronischen Selbstverteidigung deutscher U-Boote.

Sie sollte vor allem verhindern, dass ein an der Oberfläche fahrendes Boot überraschend durch ein radargestütztes Flugzeug angegriffen wurde.

Die Wirksamkeit hing jedoch unmittelbar davon ab, ob der FuMB-Empfänger den Frequenzbereich des gegnerischen Radargerätes abdeckte.

Der technische Wettlauf zwischen alliiertem Radar und deutscher Funkmeßbeobachtung führte deshalb während des gesamten weiteren Krieges zur Entwicklung neuer Geräte und Antennen.

Besonders die Einführung des britischen 10-cm-Radars 1943 zeigte, wie schnell ein vorhandenes Radarwarnsystem durch einen Wechsel des gegnerischen Frequenzbereiches weitgehend wirkungslos werden konnte.

Quellen im Bundesarchiv


BArch RM 6 – Marineleitung / Oberkommando der Kriegsmarine; grundsätzliche Unterlagen und Dienstvorschriften zur Funkmeßtechnik und technischen Ausrüstung der Kriegsmarine.

BArch RM 7 – Seekriegsleitung der Kriegsmarine; Kriegstagebücher und Lageunterlagen zur Entwicklung der alliierten Radarortung und den deutschen Gegenmaßnahmen.

BArch RM 25 – Hauptamt Kriegsschiffbau der Reichsmarine und Kriegsmarine; technische Unterlagen zur Funkmeß- und Funkmeßbeobachtungsausrüstung der U-Boote.

BArch RM 87 – Befehlshaber der Unterseeboote der Kriegsmarine; Befehle, Erfahrungsberichte und Auswertungen zum Einsatz der FuMB-Geräte auf Front-U-Booten.

BArch RM 98 – U-Boote der Reichsmarine und Kriegsmarine; Kriegstagebücher einzelner U-Boote mit Angaben zu FuMB-Ausrüstung und Radarwarnungen.

Literatur


Trenkle, Fritz: "Die deutschen Funkmeßverfahren bis 1945." – Motorbuch Verlag 1979.

Trenkle, Fritz: "Die deutschen Funkstörverfahren bis 1945." – AEG-Telefunken / Hüthig Verlag 1982.

Rössler, Eberhard: "Geschichte des deutschen Ubootbaus." – 2 Bände Bernard & Graefe Verlag 1986/1987.

Blair, Clay: "Der U-Boot-Krieg. Die Gejagten 1942–1945." – Wilhelm Heyne Verlag 1999.

Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB


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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com