Hulk

Aus uboot Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hulk


Als Hulk wird ein außer Dienst gestellter Schiffskörper bezeichnet, der nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck verwendet wird und in der Regel nicht mehr aus eigener Kraft fahren kann. Bei einem U-Boot bedeutet dies, dass das Boot nicht mehr als einsatzfähiges U-Boot zur Verfügung stand, sondern nur noch der Bootskörper oder ein weitgehend ausgeschlachtetes Fahrzeug vorhanden war. Ein Hulk musste dabei nicht zwangsläufig ein Wrack sein. Der Rumpf konnte weiterhin schwimmfähig und äußerlich weitgehend erhalten sein. Entscheidend war, dass das Boot nicht mehr für den regulären Fahr-, Ausbildungs- oder Kampfeinsatz vorgesehen war.

Entstehung eines U-Boot-Hulks


Ein U-Boot konnte aus unterschiedlichen Gründen zum Hulk werden. Häufig waren ältere Boote technisch überholt oder für einen weiteren Fronteinsatz nicht mehr geeignet. Andere Boote waren beschädigt und sollten nicht mehr vollständig instand gesetzt werden. In solchen Fällen konnten noch verwendbare Bauteile ausgebaut werden. Dazu gehörten unter anderem Maschinen, elektrische Geräte, Funkanlagen, Waffen, optische Einrichtungen, Armaturen und Ersatzteile. Der verbliebene Bootskörper wurde anschließend nicht mehr als einsatzfähiges U-Boot betrachtet. Er konnte stationär weiterverwendet werden oder bis zu seiner späteren Verschrottung, Versenkung oder anderweitigen Beseitigung liegen bleiben.

Ausschlachtung


Besonders gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gewann die Ausschlachtung nicht mehr benötigter oder nicht mehr einsatzfähiger U-Boote an Bedeutung. Noch verwendbare Bauteile konnten für andere Boote, Werften, Ausbildungsstellen oder Marineeinrichtungen genutzt werden. Aufgrund von Material- und Ersatzteilmangel war es sinnvoll, funktionsfähige Geräte aus älteren oder beschädigten Booten auszubauen. Nach einer weitgehenden Ausschlachtung konnten nur noch der Druckkörper, Teile des äußeren Rumpfes und einzelne Einrichtungen vorhanden sein. Ein solches Boot konnte anschließend als Hulk bezeichnet werden.

Verwendung


Ein zum Hulk gewordenes U-Boot musste nicht vollständig nutzlos sein. Je nach Zustand konnte der Bootskörper noch für Ausbildungs-, Versuchs- oder Übungszwecke verwendet werden. Bestimmte Einrichtungen konnten weiterhin zur technischen Ausbildung dienen, auch wenn das Boot selbst nicht mehr fahrbereit war. Andere U-Boot-Hulks hatten keine besondere weitere Aufgabe. Sie blieben lediglich an ihrem Liegeplatz, bis über ihr weiteres Schicksal entschieden wurde. Die Bezeichnung Hulk beschreibt deshalb in erster Linie den Zustand des ehemaligen U-Bootes und nicht eine bestimmte neue Aufgabe.

Unterschied zum Wrack


Ein Hulk war nicht dasselbe wie ein Wrack. Ein Wrack ist ein durch Versenkung, Strandung, Unfall oder schwere Beschädigung verlorenes Fahrzeug. Es kann auf dem Meeresboden liegen, teilweise aus dem Wasser ragen oder so schwer beschädigt sein, dass eine weitere Verwendung nicht mehr möglich ist. Ein Hulk konnte dagegen weiterhin schwimmfähig sein und an einer Pier, in einem Hafen oder auf Reede liegen. Auch ein beschädigtes U-Boot konnte nach einer Bergung und anschließenden Außerdienststellung zu einem Hulk werden, wenn eine Wiederherstellung nicht mehr vorgesehen war.

U-Boot-Hulks gegen Kriegsende


Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden mehrere ältere, beschädigte oder nicht mehr benötigte deutsche U-Boote außer Dienst gestellt und teilweise ausgeschlachtet. Der zunehmende Mangel an Ersatzteilen, Material, Werftkapazitäten und Treibstoff führte dazu, dass die Instandsetzung älterer oder schwer beschädigter Boote nicht immer sinnvoll war. Noch verwendbare Ausrüstung konnte deshalb ausgebaut und für andere Zwecke verwendet werden. Einige dieser Boote verblieben anschließend als Hulks in deutschen Häfen oder Werftbereichen. Beim Einmarsch alliierter Truppen im Frühjahr 1945 wurden auch solche nicht mehr einsatzfähigen U-Boot-Körper vorgefunden. Je nach Zustand wurden sie untersucht, ausgeschlachtet, verschrottet oder später beseitigt.

Weiteres Schicksal


Ein U-Boot-Hulk stellte gewöhnlich die letzte Phase in der Geschichte eines Bootes dar. Wenn keine weitere Verwendung mehr vorgesehen war, wurde der Bootskörper abgewrackt. Dabei konnten noch vorhandene Metalle und andere verwertbare Teile zurückgewonnen werden. Andere Hulks wurden versenkt, gesprengt oder nach Kriegsende von den Alliierten beseitigt. Einige U-Boote gelangten nach ihrer Außerdienststellung zunächst in einen Hulk-Zustand und blieben noch für längere Zeit erhalten, bevor sie endgültig verschrottet wurden.

Bedeutung der Bezeichnung


Wenn in der Geschichte eines U-Bootes vermerkt wird, dass es „zum Hulk gemacht“ wurde, bedeutet dies nicht automatisch, dass das Boot sofort verschrottet oder versenkt wurde. Die Bezeichnung beschreibt zunächst, dass das U-Boot nicht mehr einsatzfähig beziehungsweise nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck vorgesehen war und nur noch als stationärer oder ausgeschlachteter Bootskörper existierte. Für die Beschreibung des weiteren Schicksals eines U-Bootes ist der Begriff deshalb wichtig. Er kennzeichnet den Übergang von einem aktiven oder zumindest noch verwendbaren U-Boot zu einem Fahrzeug, dessen militärische Nutzung als U-Boot beendet war.

Quellen im Bundesarchiv


BArch RM 87: Befehlshaber der Unterseeboote der Kriegsmarine.

BArch RM 98: Unterseeboote der Kriegsmarine.

BArch RM 6: Marineleitung / Oberkommando der Kriegsmarine – Oberbefehlshaber der Kriegsmarine.

Literatur


Rössler, Eberhard: Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Band 1 und 2. Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1996.

Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band II: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg/Berlin/Bonn, 1997.

Gröner, Erich / Jung, Dieter / Maass, Martin: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger. Bernard & Graefe Verlag, München, 1985.


Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverzeichnis: → Literaturverzeichnis und Buchkauf


Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com