Mark 24 Fido
Mark 24 Mine (Fido)
Die Mark 24 Mine, auch Fido genannt, war ein von den Alliierten während des Zweiten Weltkrieges entwickelter luftabgeworfener akustischer Torpedo zur Bekämpfung getauchter U-Boote. Die Bezeichnung „Mine“ war eine Tarnbezeichnung zur Geheimhaltung der tatsächlichen Funktion. Tatsächlich handelte es sich um einen elektrisch angetriebenen Torpedo mit passiver akustischer Zielsuche. Die Mark 24 wurde ab 1943 vor allem von amerikanischen, britischen und kanadischen Flugzeugen gegen deutsche U-Boote eingesetzt.
Technische Daten
Die Mark 24 war etwa 2,13 m lang und besaß einen Durchmesser von ungefähr 48,3 cm. Das Gesamtgewicht betrug etwa 308 kg. Davon entfielen rund 42 kg auf den Sprengkopf. Die Laufgeschwindigkeit lag bei ungefähr 12 kn. Damit war die Waffe deutlich langsamer als ein gewöhnlicher Torpedo, für die Verfolgung eines getauchten deutschen U-Bootes jedoch ausreichend. Die maximale Laufstrecke betrug ungefähr 3.660 m beziehungsweise etwa zehn Minuten Laufzeit.
Funktionsweise
Nach dem Abwurf aus einem Flugzeug sank die Mark 24 zunächst auf eine voreingestellte Suchtiefe. Anschließend begann sie ein kreisförmiges Suchmuster. Über mehrere Hydrophone horchte die Waffe nach den Geräuschen eines getauchten U-Bootes. Wurde ein ausreichend starkes Zielgeräusch erkannt, übernahm die passive akustische Steuerung. Der Torpedo folgte anschließend der Richtung des Geräusches. Hauptziel waren die Propeller- und Maschinengeräusche des U-Bootes. Die Mark 24 sendete selbst keine Schallimpulse aus. Sie arbeitete ausschließlich passiv und konnte daher vom Ziel nicht anhand eigener Ortungssignale erkannt werden.
Suchmuster
Nach dem Eintritt ins Wasser begann die Mark 24 zunächst mit einer kreisförmigen Suche. Bei den frühen Waffen lag die vorgesehene Suchtiefe bei etwa 15 m. Später wurde sie auf ungefähr 45 m erhöht. Erkannte die Waffe ein geeignetes Geräusch, verließ sie das Suchmuster und steuerte auf das Ziel zu. Um zu verhindern, dass die Mark 24 versehentlich eigene oder gegnerische Überwasserschiffe angriff, war ihre Steuerung so eingerichtet, dass sie in geringer Wassertiefe wieder in das kreisförmige Suchmuster überging.
Einsatz durch Flugzeuge
Die Mark 24 wurde ausschließlich aus Flugzeugen abgeworfen. Ein besonders günstiges Ziel war ein U-Boot, das nach der Entdeckung durch ein Flugzeug gerade abtauchte. Das Flugzeug konnte den Torpedo in der Nähe der vermuteten Tauchstelle abwerfen. Nach dem Eintauchen begann Fido selbständig mit der Suche nach den Geräuschen des getauchten Bootes. Bei Flugzeugen von Geleitflugzeugträgern konnten Jagdflugzeuge ein U-Boot zunächst mit Bordwaffen angreifen und zum Tauchen zwingen. Anschließend konnte ein mit der Mark 24 ausgerüstetes Flugzeug die akustische Waffe gegen das nun getauchte Boot einsetzen. Auch landgestützte Langstreckenflugzeuge führten die Mark 24 mit.
Erster Einsatz
Die ersten Mark-24-Torpedos gelangten im Frühjahr 1943 zum Fronteinsatz. Am 12.05.1943 wurde U 456 von einer Liberator des britischen RAF Coastal Command mit einer Mark 24 angegriffen und schwer beschädigt. Das bereits beschädigte Boot ging anschließend während des Versuches verloren, einer herannahenden britischen Einheit durch Tauchen zu entkommen. Am 14.05.1943 erzielte die US Navy einen frühen erfolgreichen Einsatz gegen U 640. Das Boot wurde von einer Catalina angegriffen und ging mit der gesamten Besatzung verloren. Die genaue Zuordnung einzelner sehr früher Fido-Erfolge wurde in der Nachkriegsauswertung teilweise unterschiedlich beurteilt.
Geheimhaltung
Die Mark 24 unterlag zunächst einer besonders strengen Geheimhaltung. Bereits die Bezeichnung als „Mine“ sollte verschleiern, dass die Alliierten über einen selbständig nach U-Boot-Geräuschen suchenden Torpedo verfügten. Auch Einsatzbeschränkungen sollten verhindern, dass eine unbeschädigte oder nicht detonierte Waffe in deutsche Hände gelangte und untersucht werden konnte. Die geringe Geschwindigkeit der Waffe wurde ebenfalls geheim gehalten. Ein aufgetauchtes U-Boot hätte mit seiner höheren Überwassergeschwindigkeit grundsätzlich die Möglichkeit gehabt, der Mark 24 davonzufahren. Gegen ein getauchtes U-Boot war die Geschwindigkeit von etwa 12 kn dagegen ausreichend.
Wirkung gegen deutsche U-Boote
Die Mark 24 war besonders gefährlich, weil das Abtauchen eines U-Bootes einen Luftangriff nicht mehr automatisch beendete. Bei normalen Wasserbomben musste das angreifende Flugzeug die zukünftige Position und Tauchtiefe des Bootes möglichst genau abschätzen. Fido konnte dagegen nach dem Eintritt ins Wasser selbständig nach den Geräuschen des getauchten U-Bootes suchen und anschließend auf das Ziel zulaufen. Damit verfügten alliierte Flugzeuge erstmals über eine Waffe, die ein bereits unter die Wasseroberfläche abgetauchtes U-Boot selbständig verfolgen konnte.
Einsatzbilanz
Nach einer amerikanischen Nachkriegsauswertung wurden während des Zweiten Weltkrieges insgesamt etwa 340 Mark-24-Torpedos eingesetzt. Davon wurden 204 Waffen unmittelbar gegen U-Boote abgeworfen. Der Waffe wurden insgesamt 37 versenkte und 18 beschädigte U-Boote beziehungsweise Unterseeboote zugerechnet. Darunter befanden sich sowohl deutsche als auch japanische Boote. Allein gegen deutsche U-Boote wurden der Mark 24 in der amerikanischen Auswertung 31 Versenkungen und 15 Beschädigungen zugeschrieben. Damit gehörte Fido zu den erfolgreichsten frühen akustisch gesteuerten Unterwasserwaffen des Zweiten Weltkrieges.
I 52
Auch das japanische U-Boot I 52 wurde mit Mark-24-Torpedos angegriffen. I 52 befand sich 1944 auf einer Fahrt zwischen Japan und dem deutsch besetzten Frankreich und hatte kurz zuvor U 530 getroffen. In der Nacht vom 23. auf den 24.06.1944 wurde das japanische U-Boot von Avenger-Flugzeugen des amerikanischen Geleitflugzeugträgers USS Bogue entdeckt. Nach dem Abtauchen wurden Sonarbojen abgeworfen, mit deren Hilfe das U-Boot unter Wasser weiter verfolgt wurde. Anschließend kamen Mark-24-Torpedos zum Einsatz. I 52 wurde versenkt und ging mit seiner Besatzung und den an Bord befindlichen Passagieren verloren.
Vergleich mit Zaunkönig
Das deutsche Gegenstück mit ähnlichem Grundprinzip war der Zaunkönig. Beide Waffen verwendeten eine passive akustische Zielsuche, waren jedoch für unterschiedliche Aufgaben entwickelt worden. Die Mark 24 sollte hauptsächlich langsam fahrende getauchte U-Boote bekämpfen und erreichte deshalb nur etwa 12 kn. Der deutsche Zaunkönig war dagegen für den Abschuß aus einem U-Boot gegen schnelle Überwasserschiffe, insbesondere Geleitfahrzeuge, vorgesehen und erreichte ungefähr 24 kn. Die Mark 24 wurde aus Flugzeugen gegen U-Boote eingesetzt, während der Zaunkönig aus den Torpedorohren deutscher U-Boote gegen Überwasserziele abgeschossen wurde.
Bedeutung für die U-Boot-Waffe
Mit der Einführung der Mark 24 entstand für deutsche U-Boote ab 1943 eine neue Bedrohung. Bis dahin bot das schnelle Abtauchen häufig eine Möglichkeit, einem angreifenden Flugzeug zu entkommen oder zumindest dessen Angriffsmöglichkeiten erheblich einzuschränken. Fido konnte dagegen nach dem Abtauchen in das Wasser geworfen werden und das U-Boot anhand seiner eigenen Geräusche suchen. Die Mark 24 ergänzte damit Radar, Sonarbojen, Asdic, Wasserbomben und die zunehmende alliierte Luftüberwachung zu einem immer wirkungsvolleren System der U-Boot-Abwehr.
Quellen in internationalen Archiven
U.S. Navy Operations Evaluation Group:
Study No. 289 – Evaluation of the Mark 24 Mine. 12.08.1946.
U.S. Navy Bureau of Ordnance: Unterlagen zur Entwicklung und Verwendung des Mark 24 Acoustic Homing Torpedo.
Naval History and Heritage Command: Unterlagen zur Entwicklung und zum Einsatz des Mark 24 „Fido“ gegen U-Boote.
Literatur
Campbell, John:
Naval Weapons of World War Two. Conway Maritime Press, London, 1985.
Morison, Samuel Eliot: History of United States Naval Operations in World War II. Little, Brown and Company, Boston.
Blair, Clay: Der U-Boot-Krieg. Die Jäger 1939–1942 / Die Gejagten 1942–1945.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverzeichnis: → Literaturverzeichnis und Buchkauf
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com