Operation Deadlight
Operation Deadlight
Die Operation Deadlight war eine von der britischen Royal Navy durchgeführte Aktion zur Versenkung der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in britische Hand gelangten deutschen U-Boote, die nicht von den Alliierten für eigene Zwecke übernommen wurden.
Zwischen dem 27.11.1945 und dem 12.02.1946 wurden insgesamt 116 deutsche U-Boote versenkt. Die Boote lagen zuvor hauptsächlich in Loch Ryan in Schottland und Lisahally am Lough Foyle in Nordirland.
An der Durchführung waren neben der Royal Navy auch Einheiten der polnischen Marine sowie Flugzeuge der Royal Air Force und des Fleet Air Arm beteiligt.
Hintergrund
Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 ergaben sich zahlreiche noch vorhandene U-Boote den alliierten Streitkräften.
Die in britische Hand gelangten Boote wurden entwaffnet und im Rahmen der Operation Pledge zu britischen Sammelplätzen überführt.
Die wichtigsten Liegeplätze waren:
- Loch Ryan in Südwestschottland,
- Lisahally bei Londonderry am Lough Foyle in Nordirland.
Loch Eriboll und andere britische Häfen dienten zuvor teilweise der Aufnahme, Kontrolle und Weiterleitung der sich ergebenden U-Boote.
Über das endgültige Schicksal der deutschen U-Boot-Flotte entschieden die Alliierten nach Kriegsende gemeinsam.
Entscheidung zur Versenkung
Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion vereinbarten, nur eine begrenzte Zahl deutscher U-Boote für technische Untersuchungen, Erprobungen und eigene Zwecke zu übernehmen.
Die übrigen einsatzfähigen beziehungsweise noch vorhandenen Boote sollten vernichtet werden.
Mit der Durchführung der Versenkung der in britischer Hand befindlichen Boote wurde die Royal Navy beauftragt.
Am 05.11.1945 fand eine Planungsbesprechung statt. Der formelle Operationsbefehl für Deadlight wurde am 14.11.1945 herausgegeben.
Anzahl der U-Boote
Insgesamt wurden 116 U-Boote für die Operation Deadlight bestimmt.
Davon befanden sich:
- 86 U-Boote in Loch Ryan,
- 30 U-Boote in Lisahally.
In frühen Planungsunterlagen wurden zunächst nur 110 Boote aufgeführt. Sechs weitere in Lisahally liegende U-Boote wurden später in die Versenkungsaktion einbezogen.
Damit betrug die tatsächlich während der Operation Deadlight versenkte Gesamtzahl 116 U-Boote.
Beginn der Operation
Die Operation begann am 25.11.1945 mit dem Auslaufen der ersten Schleppzüge aus Loch Ryan.
Da der Transport in das vorgesehene Versenkungsgebiet etwa zwei Tage dauerte, fanden die ersten Versenkungen am 27.11.1945 statt.
An diesem Tag wurden:
versenkt.
Versenkungsgebiet
Die U-Boote sollten in tiefem Wasser nordwestlich von Irland versenkt werden.
Das vorgesehene Hauptgebiet lag etwa 130 Seemeilen nordwestlich des Lough Foyle. Von Loch Ryan aus betrug die Schleppstrecke ungefähr 180 Seemeilen.
Die Versenkungsgebiete lagen damit weit außerhalb der nordirischen Küste im Nordatlantik.
Nicht alle U-Boote erreichten jedoch die vorgesehenen Positionen.
Schleppvorgänge
Die U-Boote sollten überwiegend unbemannt von britischen Schleppern und Kriegsschiffen in die Versenkungsgebiete gebracht werden.
Besonders die winterlichen Wetterverhältnisse erschwerten die Operation erheblich.
Starker Seegang führte wiederholt dazu, dass:
- Schlepptrossen brachen,
- U-Boote leckschlugen,
- Boote im Schlepp kenterten,
- Schleppverbindungen aufgegeben werden mussten oder
- beschädigte U-Boote vorzeitig versenkt wurden.
Ein erheblicher Teil der Boote erreichte deshalb das ursprünglich vorgesehene Versenkungsgebiet nicht.
Lisahally und Moville
Die in Lisahally liegenden U-Boote wurden zunächst aus dem Lough Foyle in Richtung Moville gebracht.
Moville liegt nahe der Mündung des Lough Foyle und diente während der zweiten Phase der Operation als Ausgangs- beziehungsweise Sammelpunkt für die Schleppzüge in den Nordatlantik.
Die Typ-XXI-Boote mussten aufgrund ihres technischen Zustandes teilweise bereits innerhalb des Lough Foyle geschleppt werden.
Versenkungsverfahren
Für die Vernichtung der U-Boote waren verschiedene Verfahren vorgesehen.
Hierzu gehörten:
- vorbereitete Sprengladungen,
- Artilleriebeschuss durch Überwasserkriegsschiffe,
- Torpedoangriffe durch britische U-Boote,
- Angriffe durch Flugzeuge der Royal Air Force und des Fleet Air Arm.
Die ursprüngliche Planung sah vor, einen Teil der Boote durch vorbereitete Sprengladungen zu versenken.
Aufgrund der schwierigen Wetter- und Schleppbedingungen wurde jedoch häufig Schiffsartillerie eingesetzt. Auch Boote, deren Schleppverbindung unterwegs brach, wurden vielfach an Ort und Stelle durch Geschützfeuer versenkt.
Beteiligte Kriegsschiffe
An der Operation beteiligten sich zahlreiche britische Schlepper, Zerstörer, Geleitzerstörer, Fregatten und U-Boote.
Zu den für die eigentlichen Versenkungen eingesetzten britischen Zerstörern gehörten unter anderem:
- „Obedient“,
- „Offa“,
- „Onslaught“,
- „Onslow“,
- „Orwell“,
- „Solebay“ und
- „Zealous“.
Auch Einheiten der polnischen Marine beteiligten sich an der Operation, darunter die Zerstörer:
- „Błyskawica“,
- „Garland“,
- „Krakowiak“ und
- „Piorun“.
Britische U-Boote wurden ebenfalls für Torpedoangriffe auf einzelne der ausgemusterten deutschen U-Boote eingesetzt.
Ablauf
Die Operation verlief in mehreren Abschnitten.
Die 86 in Loch Ryan liegenden U-Boote wurden zwischen dem 27.11.1945 und dem 30.12.1945 versenkt.
Anschließend folgten die U-Boote aus Lisahally. 28 dieser Boote wurden zwischen dem 29.12.1945 und dem 09.01.1946 versenkt.
Zwei Boote blieben zunächst zurück:
U 975 wurde am 10.02.1946 versenkt.
U 3514
U 3514 vom Typ XXI war das letzte noch für Deadlight vorgesehene U-Boot.
Das Boot war zunächst zurückgehalten worden und verließ schließlich am 09.02.1946 Moville im Schlepp.
Schlechtes Wetter verzögerte den Transport erheblich.
Am 12.02.1946 begann die britische Fregatte „Loch Arkaig“ mit der Versenkung des Bootes.
Nach Beschuss mit Geschützen und U-Boot-Abwehrwaffen sank U 3514 am 12.02.1946 um 10:04 Uhr auf der Position 56°00' N - 10°05' W.
Damit war die Operation Deadlight beendet.
Elektro-U-Boote
Unter den während Deadlight versenkten U-Booten befanden sich auch Boote der neuen Elektro-U-Boot-Typen XXI und XXIII.
Vier Boote des Typs XXI wurden versenkt:
Hinzu kamen 18 Boote des Typs XXIII.
Damit gehörten insgesamt 22 der 116 während Deadlight versenkten U-Boote zu den neuen Elektro-U-Boot-Typen.
Bedeutung
Mit der Operation Deadlight wurde der größte Teil der nach Kriegsende in britische Hand gelangten und nicht von den Alliierten übernommenen deutschen U-Boot-Flotte beseitigt.
Die Aktion stellte den letzten großen Abschnitt der alliierten Auflösung der deutschen U-Boot-Waffe dar.
Einzelne deutsche U-Boote wurden dagegen von Großbritannien, den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und anderen Staaten übernommen und teilweise noch mehrere Jahre für technische Untersuchungen oder im aktiven Dienst verwendet.
Die während Operation Deadlight versenkten U-Boote
Insgesamt wurden 116 deutsche U-Boote versenkt.
Quellen in britischen Archiven
The National Archives (TNA), ADM 1/18537 – Operation „Deadlight“; Unterlagen und Befehle zur Schleppung und Versenkung der deutschen U-Boote.
The National Archives (TNA), ADM 1/18568 – Operation „Deadlight“; Unterlagen zur Versenkung erbeuteter deutscher U-Boote vor der nordirischen Küste.
The National Archives (TNA), ADM 1/19342 – Operation „Deadlight“; Berichte über die Versenkung der in Lisahally liegenden deutschen U-Boote.
The National Archives (TNA), ADM 1/19376 – Operation „Deadlight“; Abschluss- und Durchführungsberichte zur Beseitigung deutscher U-Boote.
The National Archives (TNA), ADM 116/5569 – Unterlagen zur Vernichtung der in britischer Hand befindlichen deutschen U-Boote 1945–1946.
Literatur
Madsen, Chris:
"The Royal Navy and German Naval Disarmament 1942–1947." – Frank Cass Publishers 1998.
Sharpe, Peter: "U-Boat Fact File. Detailed Service Histories of the Submarines Operated by the Kriegsmarine 1935–1945." – Midland Publishing 1988.
Roskill, Stephen W.: "The War at Sea 1939–1945. Volume III, Part II." – Her Majesty's Stationery Office 1961.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
Alle Angaben ohne Gewähr
Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com