Unternehmen Weserübung
Unternehmen Weserübung
Das Unternehmen Weserübung war der deutsche Deckname für die Besetzung Dänemarks und Norwegens im April 1940. Die deutsche Operation begann am 9. April 1940 und wurde als gemeinsames Unternehmen von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine durchgeführt. Ziel war die Besetzung der beiden Länder und die Sicherung der deutschen strategischen Interessen in Skandinavien.
Strategische Ziele
Zu den wesentlichen deutschen Zielen gehörten die Sicherung der schwedischen Erzversorgung über den norwegischen Hafen Narvik sowie die Verhinderung einer alliierten Besetzung Norwegens.
Die deutsche Führung wollte mit der Besetzung Norwegens zugleich die strategische Lage der Kriegsmarine gegenüber Großbritannien verbessern. Die norwegische Küste bot zahlreiche geschützte Fjorde und Häfen, die später für die deutsche Kriegsmarine und insbesondere für die U-Boot-Waffe von großer Bedeutung wurden.
Die deutsche Planung berücksichtigte außerdem die Möglichkeit eines britischen beziehungsweise französischen Eingreifens in Skandinavien. Die Weisung zum "Fall Weserübung" sah daher unter anderem vor, die deutschen Erzbasis in Schweden zu sichern und die Ausgangslage der Kriegsmarine und Luftwaffe gegenüber Großbritannien zu verbessern.
Verlauf
Die Besetzung Dänemarks begann am 9. April 1940 und wurde innerhalb kurzer Zeit durchgesetzt. In Norwegen stießen die deutschen Truppen dagegen auf stärkeren Widerstand. Norwegische Streitkräfte sowie britische und französische Verbände griffen in die Kämpfe ein.
Besonders schwere Kämpfe fanden im Raum Narvik statt. Die deutschen Seestreitkräfte erlitten während des Unternehmens erhebliche Verluste. Dazu gehörten der Untergang des Schweren Kreuzers "Blücher" im Oslofjord sowie der Verlust zahlreicher Zerstörer während der Kämpfe um Narvik.
Die Kämpfe in Norwegen endeten im Juni 1940 mit dem Abzug der alliierten Truppen. Die norwegischen Streitkräfte kapitulierten anschließend.
Überwasserverbände
Für die Besetzung Norwegens wurden mehrere deutsche Marinekampfgruppen gebildet, die gleichzeitig verschiedene norwegische Häfen und Küstenabschnitte anliefen.
Zu den bedeutendsten Kampfgruppen gehörten:
Gruppe 1 – Narvik: Schlachtschiffe "Scharnhorst" und "Gneisenau" als Fernsicherung sowie zehn Zerstörer der 2. Zerstörer-Flottille unter Kommodore Friedrich Bonte.
Gruppe 2 – Trondheim: Schwerer Kreuzer "Admiral Hipper" und vier Zerstörer.
Gruppe 3 – Bergen: Leichte Kreuzer "Köln" und "Königsberg" sowie weitere kleinere Einheiten.
Gruppe 4 – Kristiansand: Leichter Kreuzer "Karlsruhe" und weitere Sicherungs- und Torpedoboote.
Gruppe 5 – Oslo: Schwere Kreuzer "Blücher" und "Lützow" sowie der Leichte Kreuzer "Emden" und weitere kleinere Einheiten.
Gruppe 6 – Egersund: Mehrere Minensuchboote zur Sicherung des Seeweges und des Landungsraumes.
Die genaue Zusammensetzung der Kampfgruppen unterschied sich nach Einsatzabschnitt und Zeitpunkt.
Einsatz der U-Boot-Waffe
Die U-Boot-Waffe wurde im Rahmen des Befehls "Hartmut" eingesetzt. Die Boote sollten insbesondere die deutschen Überwasserkräfte gegen Eingriffe der britischen Flotte sichern und im Bereich der erwarteten britischen Seeoperationen eingesetzt werden.
Die U-Boot-Gruppen wurden dabei nicht wie gewöhnliche Flottillen geführt. Die einzelnen Gruppen unterstanden unmittelbar dem Befehlshaber der U-Boote (B.d.U.) und erhielten jeweils bestimmte Operationsräume und Aufgaben.
U-Boot-Gruppen
U-Bootgruppe 1 – Westfjord / Narvik:
U 25, U 46, U 51, U 64 und U 65. Die Boote wurden im Raum Narvik eingesetzt und sollten insbesondere das Eingreifen britischer Seestreitkräfte verhindern.
U-Bootgruppe 2 – Trondheim: U 30 und U 34.
U-Bootgruppe 3 – Bergen: U 9, U 14, U 56, U 60 und U 62.
U-Bootgruppe 4 – Stavanger: U 1 und U 4.
U-Bootgruppe 5 – östlich der Shetland-Inseln: U 47, U 48, U 49, U 50 und U 52. Später kam U 37 aus einer Sonderunternehmung hinzu.
U-Bootgruppe 6 – Pentland Firth: U 13, U 19, U 57, U 58 und U 59.
U-Bootgruppe 8 – Lindesnes: U 2, U 3, U 5 und U 6. Diese Boote sollten den Küstenbereich bei Lindesnes und Egersund überwachen.
Eine U-Bootgruppe 7 war im Befehl "Hartmut" nicht vorgesehen. Die Bezeichnungen der Gruppen waren nummerisch nicht lückenlos, da einzelne Gruppennummern nicht verwendet wurden.
Aufgaben der U-Boote
Die U-Boote sollten in ihren zugewiesenen Operationsräumen feindliche Seestreitkräfte beobachten und bekämpfen. Im Vordergrund stand der Schutz der deutschen Seestreitkräfte gegen ein Eingreifen britischer Überwasserverbände.
Die Aufgabe unterschied sich damit teilweise erheblich von den späteren Handelskriegsunternehmungen. Die Boote wurden in bestimmten Gebieten konzentriert und erhielten Einsatzaufträge, die sich auf die erwarteten britischen Flottenbewegungen bezogen.
Die Torpedokrise
Während der Unternehmung zeigte sich die erhebliche Unzuverlässigkeit der deutschen Torpedos. Zahlreiche Angriffe auf britische und alliierte Kriegsschiffe blieben trotz günstiger Schussgelegenheiten erfolglos.
Als Ursachen erwiesen sich insbesondere Probleme mit der Magnetzündung und der Tiefensteuerung der Torpedos. Dadurch konnten mehrere günstige Angriffe nicht erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Torpedokrise wurde zu einem der wichtigsten technischen Probleme der ersten Kriegsjahre und hatte erhebliche Auswirkungen auf die Einsatzmöglichkeiten der U-Boot-Waffe.
U-Boot-Erfolge während Weserübung
Trotz der Torpedoprobleme erzielten einzelne deutsche U-Boote Erfolge.
U 4 versenkte am 10. April 1940 das britische U-Boot HMS "Thistle". U 13 versenkte im weiteren Verlauf der Unternehmung mehrere Handelsschiffe. U 59 erzielte bereits auf dem Anmarsch einen Erfolg gegen den norwegischen Dampfer "Novara".
Die Unternehmung zeigte damit einerseits die taktischen Möglichkeiten der U-Boote, andererseits aber auch die erheblichen technischen Schwächen der Torpedobewaffnung.
Bedeutung für die U-Boot-Waffe
Das Unternehmen Weserübung war für die U-Boot-Waffe von besonderer Bedeutung, weil die Boote erstmals in größerem Umfang als zusammengefasste Kräfte zur Sicherung einer kombinierten deutschen Großoperation eingesetzt wurden.
Die Einsätze zeigten die Bedeutung der U-Boote für die Sicherung eigener Überwasserkräfte, aber auch die Grenzen der damals verfügbaren Boote und Waffen. Besonders die Torpedoversager beeinflussten die Bewertung der bisherigen Einsatzverfahren und führten zu einer eingehenden Untersuchung der Torpedotechnik.
Nach der deutschen Besetzung Norwegens entstanden dort neue Marine- und U-Boot-Stützpunkte. Insbesondere Trondheim und Bergen entwickelten sich in den folgenden Jahren zu wichtigen Standorten der deutschen U-Boot-Waffe.
Bedeutung für die Kriegsmarine
Die Operation führte zur dauerhaften deutschen Besetzung Norwegens. Die norwegische Küste bot der Kriegsmarine zahlreiche geschützte Ankerplätze, Häfen und Fjorde und wurde dadurch zu einem wichtigen Operationsraum der deutschen Marine.
Die schweren Verluste der Kriegsmarine während der Unternehmung zeigten zugleich, dass die deutsche Flotte trotz erfolgreicher Landung erhebliche Schwierigkeiten beim Kampf gegen überlegene britische Seestreitkräfte hatte.
Art des Ereignisses
- Unternehmen Weserübung – deutsche Besetzung Dänemarks und Norwegens
- Fall Weserübung – deutscher Operationsplan
- Unternehmen Hartmut – Einsatz der U-Boot-Waffe im Rahmen von Weserübung
- U-Bootgruppen – taktische Zusammenfassung der eingesetzten U-Boote
- Kriegsmarine – deutscher Teil der kombinierten Operation
- U-Boot-Waffe – Einsatz zur Sicherung der deutschen Seestreitkräfte
Quellen im Bundesarchiv
BArch RM 7:
Unterlagen der Seekriegsleitung über Planung und Durchführung des Unternehmens Weserübung.
BArch RM 98: Kriegstagebücher der eingesetzten U-Boote und Unterlagen zu den einzelnen U-Bootgruppen. Das Bundesarchiv weist die entsprechenden KTB beispielsweise für U 30, U 34, U 9, U 14, U 56, U 60, U 62, U 1, U 4, U 47, U 48, U 49, U 50, U 52, U 13, U 19, U 57, U 58, U 59, U 2, U 3, U 5 und U 6 nach.
BArch-Bestände zur U-Boot-Führung: Unterlagen des B.d.U. über die Einsatzplanung und Führung der U-Boote im Rahmen des Befehls "Hartmut".
Literatur
Hubatsch, Walther:
Weserübung: Die deutsche Besetzung von Dänemark und Norwegen 1940. - Helios Verlag 2011.
Rohwer, Jürgen: Der Krieg zur See 1939-1945 - Flechsig Verlag 2004.
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. 3 Bände. Podzun Verlag, 1956.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Alle Angaben ohne Gewähr
Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com
[1]: https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/nach-themen/unternehmen-weseruebung-der-deutsche-ueberfall-auf-daenemark-und-norwegen/?utm_source=chatgpt.com "Unternehmen Weserübung – Der deutsche Überfall auf Dänemark und Norwegen - Bundesarchiv"