I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung
I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung
Die I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung (I. M.U.L.A.) war eine Ausbildungseinheit der Kriegsmarine zur Vorbereitung geeigneter Mannschaftsdienstgrade auf ihre spätere Verwendung als Unteroffiziere. Sie vermittelte neben der militärischen Ausbildung die fachlichen und führungsbezogenen Kenntnisse, die für die Verwendung als Maat oder in höheren Unteroffiziersdienstgraden erforderlich waren.
Die Abteilung wurde am 01. Oktober 1934 aufgestellt und hatte ihren Hauptstandort in Kiel-Friedrichsort. Dort standen Kasernen, Unterrichtsräume sowie Übungsanlagen für die theoretische und praktische Ausbildung zur Verfügung. Mit dem Ausbau der Kriegsmarine und dem steigenden Personalbedarf wurden zeitweise weitere Ausbildungskapazitäten genutzt. Hierzu gehörten unter anderem Einrichtungen in Plön, die der Entlastung der Kieler Ausbildungsstätten dienten.
Im Jahr 1943 wurde die I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung nach Aarhus (Dänemark) verlegt. Dort wurde der Ausbildungsbetrieb bis in die letzten Kriegsmonate fortgeführt. Nach den Beständen des Bundesarchivs (BArch RM 121/162) waren Kiel-Friedrichsort und später Aarhus die regulären Stationierungsorte der Abteilung.
Gelegentlich wird auch Glücksburg als Standort der I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung genannt. Hierbei handelt es sich jedoch wahrscheinlich um eine Verwechslung. In den letzten Kriegsmonaten wurden einzelne Marineeinrichtungen aufgrund der schweren Luftangriffe auf Kiel vorübergehend in den Raum Flensburg/Glücksburg ausgelagert. Außerdem befand sich in Glücksburg-Meierwik die Marinenachrichtenschule, an der ebenfalls Unteroffiziere ausgebildet wurden. Ein regulärer Standort der I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung in Glücksburg ist jedoch nicht nachgewiesen.
Die Ausbildung umfasste militärische Führung, Dienstaufsicht, Innendienst, Ausbildungsmethodik sowie die Vertiefung der jeweiligen Fachausbildung. Hinzu kamen praktische Übungen, unter anderem in der Schadensabwehr an Bord mit Brandbekämpfung und Leckabwehr. Ziel war die Vorbereitung der Lehrgangsteilnehmer auf ihre Aufgaben als militärische Vorgesetzte innerhalb der Mannschaften.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Dauer der Lehrgänge verkürzt, um den wachsenden Bedarf an qualifizierten Unteroffizieren für die expandierende Kriegsmarine zu decken.
Für die U-Boot-Waffe stellte die I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung eine wichtige Ausbildungsstation dar. Zahlreiche spätere Unteroffiziere der U-Boot-Waffe, insbesondere aus den technischen und seemännischen Laufbahnen, erhielten hier ihre militärische Führerausbildung, bevor sie zu U-Boot-Ausbildungsverbänden oder Frontbooten versetzt wurden. Die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang der Marine-Unteroffizierslehrabteilung bildete häufig die Voraussetzung für die Beförderung zum Maat und die Übernahme von Führungsverantwortung an Bord.
Art der Einrichtung
- I. Marine-Unteroffizierslehrabteilung (I. M.U.L.A.) – Marine-Ausbildungsverband
- Kiel-Friedrichsort – Marineausbildungsstandort
- Plön – Marineausbildungsstandort (zeitweise genutzt)
- Aarhus (Dänemark) – Marineausbildungsstandort ab 1943
- Glücksburg-Meierwik – Standort der Marinenachrichtenschule (keine reguläre Stationierung der I. M.U.L.A.)
- Marinenachrichtenschule – Marinefachschule
Quellen Bundesarchiv
BArch RM 121 / 162: Dienstvorschriften zur Einrichtung und zum Lehrbetrieb der Marine-Unteroffizierslehrabteilungen.
BArch RM 121 / 642: Stammrollen und Stellenbesetzungslisten der I. M.U.L.A. (Kiel-Friedrichsort).
BArch RM 20 / 1215: Unterlagen der Inspektion des Unterseebootwesens zu Qualitätsanforderungen an den Nachwuchs.
Literatur
Lohmann / Hildebrand: "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Organisation der Dienststellen an Land).
Tessin, Georg: "Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht" (Band 14, Marine-Lehrabteilungen).
Hildebrand, Hans H.: "Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien" (Entwicklung des Standortes Friedrichsort).
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com