U 111: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 20. April 2026, 13:34 Uhr

U 110
   U 116

Daten des deutschen Kriegsmarine Unterseebootes U 111

Bezeichnung: U 111
Typ: IX B
Bauauftrag: 08.08.1939
Bauwerft: Deschimag AG Weser Bremen
Serie: U 103 - U 111
Baunummer: 976
Kiellegung: 20.02.1940
Stapellauf: 15.09.1940
Indienststellung: 19.12.1940
Kommandant: Wilhelm Kleinschmidt
Feldpostnummer: M - 22 133

Kommandanten

19.12.1940 - 04.10.1941 Kapitänleutnant - Wilhelm Kleinschmidt

Flottillen

19.12.1940 - 30.04.1941: 2. U-Flottille, Wilhelmshaven (Ausbildungsboot)
01.05.1941 - 04.10.1941: 2. U-Flottille, Wilhelmshaven / Lorient (Frontboot)

Einsätze


1. Unternehmung

05.05.1941 - 07.07.1941: Ausgelaufen von Wilhelmshaven - Eingelaufen in Lorient


Am 05.05.1941 lief U 111 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Wilhelm Kleinschmidt von Wilhelmshaven zu seiner 1. Unternehmung aus. Die weiträumigen Operationen führten das Boot in den Nordatlantik, südöstlich von Kap Farewell, in die Davis-Straße vor Grönland sowie in die Gewässer vor Belle Isle, Kap Race und Neufundland. Während dieses Einsatzes war U 111 der U-Boot-Gruppe West zugeteilt. Zur Verlängerung der Fahrt wurde das Boot am 25.05.1941 durch den deutschen Versorger Belchen mit 99 m³ Brennstoff, Schmieröl und Proviant versorgt. Nach einer Einsatzdauer von insgesamt 64 Tagen und einer zurückgelegten Strecke von 10.522 sm über sowie 435 sm unter Wasser machte U 111 am 07.07.1941 in Lorient fest. Die Bilanz dieser Unternehmung beläuft sich auf 2 versenkte Schiffe mit zusammen 9.983 BRT sowie ein beschädigtes Schiff mit 13.037 BRT. → Erfolge U 111.

Original Kriegstagebuch U 11 - 1. Unternehmung



2. Unternehmung

14.08.1941 - 04.10.1941: Ausgelaufen von Lorient - Verlust des Bootes


Am 14.08.1941 lief U 111 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Wilhelm Kleinschmidt von Lorient zu seiner 2. Unternehmung aus. Das Boot operierte im Mittelatlantik, westlich der Azoren, vor St. Paul sowie im Seegebiet um die Kapverdischen Inseln. Weitere Einsätze führten U 111 vor Freetown, zur Insel Madeira sowie in die Gewässer südwestlich von Teneriffa. Nach einer Einsatzdauer von insgesamt 52 Tagen wurde das Boot infolge schwerer Beschädigungen durch einen britischen U-Jäger von der eigenen Besatzung selbst versenkt. Auf dieser Fahrt konnten 2 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 14.193 BRT versenkt werden. → Erfolge U 111.

Original Kriegstagebuch U 11 - 2. Unternehmung (B.d.U. op.)


Verbleib

Datum: 04.10.1941
Letzter Kommandant: Wilhelm Kleinschmidt
Ort: Mittelatlantik
Position: 27° 15' Nord - 20° 27' West
Planquadrat: DH 7952
Verlust durch: Selbstversenkung
Tote: 8
Überlebende: 44
Besatzung: Besatzungsliste U 111

Verbleib im Detail



U 111 wurde am 04.10.1941 im Mittelatlantik südwestlich von Teneriffa nach schweren Schäden durch den britischen Trawler HMS Lady Shirley unter Lieutenant Commander Arthur-Henry Callaway von der eigenen Besatzung selbst versenkt.


Zitate aus der Literatur


Busch/Röll schreiben dazu:

Am 04.10.1941 im Mittelatlantik südwestlich von Teneriffa von dem britischen Trawler entdeckt. Der Das britische Schiff lief zur Tauchstelle von U 111 und warf eine Anzahl von Wasserbomben. Das angeschlagene U-Boot tauchte auf und die Briten eröffneten sofort mit allen ihnen zu Verfügung stehenden Waffen das Feuer. U 111 erwiderte das Feuer, es konnte aber seine 10,5 cm Kanone wegen des Kugelhagel der Briten nicht besetzen.

LADY SHIRLEY erhielt schwere Beschädigungen. Es gab Tote und Verwundete, aber während des nur etwa 15 Minuten dauernden Kampfes erhielt U 111 einige folgenschwere Granattreffer im Turm des U-Bootes zu landen. Acht U-Boot-Soldaten, unter ihnen auch der Kommandant, fanden den Tod. Der auf U 111 als Kommandantenschüler befindliche Kapitänleutnant Heinecke befahl der Besatzung, von Bord zu gehen und die Selbstversenkung des Bootes einzuleiten. Die einzigen neun noch unverletzten Männer von LADY SHIRLEY retteten die U-Boot-Besatzung und brachten sie nach Gibraltar.

Aus Busch/Röll - "Die deutschen U-Bootsverluste" - S. 31.



Clay Blair schreibt dazu:

Von den Kapverdischen Inseln aus nahm Kleinschmidt mit U 111 Kurs auf Frankreich. Er fuhr westlich an den Kanarischen Inseln vorüber, in der Nähe der Stelle, wo die U-Boote der zweiten Gruppe zuvor den Geleitzug SL 87 angegriffen hatten, und Kernevél wies ihn an, nach dem verlassenen Wrack der Silverbelle Ausschau zu halten, den Merten mit U 68 angeschossen hatte.

Am Morgen des 4. Oktober entdeckte Kleinschmidt auf der Suche nach dem Wrack Rauch am Horizont. In der Meinung, er habe einen großen Frachter aufgespürt, wendete er U 111 zum Angriff. Der Rauch kam jedoch von dem mit Kohle beheizten, bewaffneten Trawler Lady Shirley, der in Gibraltar ausgelaufen war, um die Silverbelle zu bergen oder vielleicht auch um U 111 auf Grund von Erkenntnissen aus der Funkentzifferung (Ultra) abzufangen (die Akten sind in diesem Punkt nicht eindeutig). Als das Boot etwa 18 Kilometer entfernt war, sichtete der Ausguck der Lady Shirley den Kommandoturm des Bootes. Er hielt ihn für den Schornstein eines Handelsschiffes, doch der Kommandant des Trawlers, A.H. Callaway, nahm für den "unwahrscheinlichen Fall", daß es sich um ein U-Boot handelte, Kurs auf das Objekt. Kleinschmidt, der den Trawler immer noch für einen großen Frachter hielt, tauchte zum Unterwasserangriff. Sein Horcher fing das Schraubengeräusch der Lady Shirley auf und warnte ihn, daß ein kleines Schiff dem Boot gefährlich nahe komme. Doch der Kommandant blieb hartnäckig bei seiner Überzeugung, das Schiff sei groß und weit entfernt.

Die Lady Shirley hielt weiter auf das Boot zu und bekam in etwa 1500 Metern Entfernung einen guten Asdic-Kontakt. Sie griff mit vier Wasserbomben an, von denen zwei auf 45 Meter und zwei auf 75 Meter eingestellt waren. Sie explodierten, als U 111 noch auf Sehrohrtiefe war - 15 Meter - und richteten kaum Schaden an. Als Reaktion auf diese überraschende und gefährliche Entwicklung befahl Kleinschmidt einen Artillerieangriff. Er tauchte nicht weit von der Lady Shirley auf, aber beide Dieselmotoren streikten und der Maschinenraum füllte sich mit dichtem, erstickendem Qualm, was eine Reparatur erschwerte und einen zweiten Tauchversuch wenig ratsam erscheinen ließ.

Wegen dieses Defekts versuchte Kleinschmidt, den Artillerieangriff fortzusetzen. Doch die Lady Shirley hielt direkt auf das Boot zu und feuerte mit dem 4-Zoll-Geschütz und kleineren Waffen. Kleinschmidt schaffte es, das 2-cm-Geschütz auf der Brücke zu bemannen, doch das nahe, gut gezielte Dauerfeuer der Lady Shirley hinderte die Deutschen daran, den Turm zu verlassen und die große 19,5-cm-Deckkanone zu bemannen.

Wie zwei Segelschiffe in alter Zeit lagen die Lady Shirley und U 111 längsseits und lieferten sich aus kürzester Entfernung ein Feuergefecht. Callaway ließ sich die Initiative nicht mehr nehmen, und die Deutschen konnten ihr Deckgeschütz nicht einsetzen. Bei dem Schußwechsel wurden auf der Lady Shirley vier Mann verletzt und einer getötet, doch sie töteten sieben Deutsche, einschließlich des Mannes am 2-cm-Geschütz und aller drei Offiziere des Bootes: Kleinschmidt, den Ersten Wachoffizier Helmut Fuchs und den Zweiten Wachoffizier Friedrich-Wilhelm Rösing, den jüngeren Bruder des Ritterkreuzträgers Hans-Rudolf Rösing, der inzwischen die 3. U-Flottille in La Pallice kommandierte.

Nach dem Tod der drei Offiziere übernahm der Offiziersanwärter Hans-Joachim Heinecke, der bei der Reparatur der Dieselmotoren mitgeholfen hatte, das Kommando über U 111 und befahl, das Boot zu verlassen und zu versenken. Der Leitende Ingenieur öffnete die Flutventile und die 45 Überlebenden, darunter fünf Verwundete, sprangen über Bord. Neunzehn Minuten nach Beginn des Feuergefechts tauchte U 111 zum letzten Mal.

Die siegreiche Lady Shirley fischte die Überlebenden aus dem Wasser und nahm Kurs auf Gibraltar. Einer der verletzten Deutschen, der ein Bein verloren hatte, starb unterwegs und wurde auf See bestattet; damit blieben noch 44 Mann von der 52 köpfigen Besatzung. Sie waren schockiert und deprimiert, weil der alte Handelsoffiziersoffizier Kleinschmidt einen Trawler irrtümlich für einen große Frachter gehalten hatte und ihr großes und mächtiges Boot von einem winzigen britischen Heringsfänger mit nur 14 Mann Besatzung besiegt worden war.

Aus Clay Blair - Band 1 - Die Jäger - S. 457-458)


Quellen & Literatur


Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB

Clay Blair "Der U-Boot-Krieg - Die Jäger 1939 - 1942" - Heyne Verlag 1998 - S. 457, 458.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Kommandanten" - Mittler Verlag 1996 - S. 124.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997 - S. 37, 211.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Verluste" - Mittler Verlag 2008 - S. 31.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Erfolge" - Mittler Verlag 2008 - S. 100.

Axel Niestlé: "German U-Boot Losses During World War II" - Verlag Frontline Books 2022 - S. 116, 268.

Herbert Ritschel: "Kurzfassung Kriegstagebücher Deutscher U-Boote 1939 - 1945 - KTB U 100 - U 124" - Eigenverlag - S. 209 -213.

Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990 - S. 106.


Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com

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