Kapitän zur See (W): Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 27. August 2026, 12:51 Uhr
Kapitän zur See (W)
Der Rang eines Kapitäns zur See (W) war der höchste Stabsoffiziersdienstgrad innerhalb der Waffenoffizierslaufbahn der Kriegsmarine und entsprach dem Rang eines Obersten bei Heer und Luftwaffe. Waffenoffiziere gehörten zum Marineoffizierkorps und waren auf die waffentechnischen Aufgaben der Kriegsmarine spezialisiert. Die Waffenoffizierslaufbahn gliederte sich insbesondere in die Fachrichtungen Artillerie und Sperrwaffe.
Kapitän zur See (W) konnten aufgrund ihrer fachlichen und militärischen Erfahrung besonders verantwortungsvolle Führungs- und Leitungsaufgaben im Waffenwesen der Kriegsmarine übernehmen. Dazu gehörten insbesondere leitende Verwendungen bei Waffenzeugämtern, Inspektionen, technischen Dienststellen, Werften, Entwicklungs- und Versuchseinrichtungen sowie im Oberkommando der Kriegsmarine.
Rang- & Laufbahnabzeichen
Das Dienstgradabzeichen des Kapitäns zur See (W) bestand aus einem Geflecht von zwei nebeneinanderliegenden Plattschnüren, das seitlich jeweils fünf Bogen, unten zwei Bogen sowie oben eine die Unterlage überragende Knopflochschlinge bildete. Auf dem Schulterstück wurden zwei goldene Rangsterne („Pickel“) getragen. Als Laufbahnabzeichen befand sich in der Mitte des Schulterstücks bei der Artillerielaufbahn das Abzeichen der Artillerie und bei der Sperrwaffenlaufbahn das Abzeichen der Sperrwaffe.
Der Kapitän zur See (W) trug auf beiden Unterärmeln vier goldene Ärmelstreifen von 1,6 cm Breite. Darüber befand sich das jeweilige Laufbahnabzeichen der Waffenoffizierslaufbahn. Bei der Artillerielaufbahn wurden zwei gekreuzte goldene Kanonenrohre, bei der Sperrwaffenlaufbahn eine goldene Mine als Laufbahnabzeichen getragen.
Zur Uniform gehörte die blaue Schirmmütze der Kriegsmarine. Auf dem Schirm befand sich eine 1,8 cm breite goldene Eichenlaubstickerei.
Waffenoffizierslaufbahn
Die Waffenoffizierslaufbahn der Kriegsmarine diente der Ausbildung und Verwendung von Offizieren für die waffentechnischen Aufgaben der Marine. Sie war in die Fachrichtungen Artillerie und Sperrwaffe gegliedert. Die Ausbildung verband militärische, seemännische und technische Kenntnisse und war auf die besonderen fachlichen Erfordernisse der jeweiligen Laufbahn ausgerichtet.
Waffenoffiziere wurden sowohl an Bord von Kriegsschiffen als auch bei technischen Dienststellen, Waffenzeugämtern, Werften, Schulen, Entwicklungs- und Versuchseinrichtungen sowie in Stäben und Kommandobehörden eingesetzt. Mit zunehmendem Dienstgrad übernahmen sie umfangreichere Führungs- und Leitungsaufgaben.
Waffenoffizierslaufbahn – Artillerie
Die Waffenoffiziere der Artillerielaufbahn waren für die waffentechnischen Aufgaben des Marineartilleriewesens zuständig. Zu ihren Aufgaben gehörten die Bereitstellung, der Einbau, die Verwaltung und die Erhaltung der Artilleriewaffen sowie die Mitwirkung bei deren Entwicklung und Erprobung.
Zum Tätigkeitsbereich gehörten unter anderem Geschütze verschiedener Kaliber mit ihren maschinellen und elektrischen Einrichtungen, Maschinen- und Handwaffen, Waffenleitgeräte, Entfernungsmessgeräte, Scheinwerfer, Horchgeräte, Gasschutzgeräte und Munition. Hinzu kamen die artilleristische Vermessung sowie die Beratung und Unterstützung der Frontstellen in waffentechnischen Fragen.
Waffenoffiziere wurden als artillerietechnische Offiziere auf Kriegsschiffen, als Betriebs- und Betriebsleiter bei Kriegsmarinewerften und Artilleriezeugämtern, als Referenten und Sachbearbeiter in Stäben und im Oberkommando der Kriegsmarine sowie in Abnahme-, Ausbildungs- und Versuchsdienststellen eingesetzt.
Kapitän zur See (W) konnten insbesondere als Leiter umfangreicher technischer Betriebe und Zeugämter, als Referenten und Abteilungschefs im Oberkommando der Kriegsmarine und bei höheren Stäben sowie in leitenden Funktionen bei Inspektionen und Abnahmestellen verwendet werden.
Waffenoffizierslaufbahn – Sperrwaffe
Die Waffenoffiziere der Sperrwaffenlaufbahn waren auf die technischen und militärischen Aufgaben des Sperrwaffenwesens spezialisiert. Zu ihrem Aufgabenbereich gehörten insbesondere Minen, Minenabwehrmittel sowie weitere Sperr- und Sprengwaffen.
Zu ihren Aufgaben gehörten die Bereitstellung, Verwaltung und Erhaltung der Sperrwaffen sowie die Mitwirkung bei ihrer Entwicklung und Erprobung. Darüber hinaus berieten und unterstützten sie die Frontstellen in waffentechnischen Fragen.
Waffenoffiziere der Sperrwaffe wurden unter anderem bei Sperrzeugämtern, technischen Dienststellen, Entwicklungs- und Versuchskommandos sowie in Stäben und im Oberkommando der Kriegsmarine eingesetzt. Weitere Verwendungen bestanden als Spezialisten der Sperrwaffe an Bord von Minenschiffen sowie bei Minensuch-, Minenräum- und Geleitverbänden und als Ausbilder und Lehrer an den entsprechenden Schulen.
Kapitän zur See (W) konnten insbesondere leitende Funktionen bei mittleren und großen Sperrzeugämtern, bei Waffenentwicklungs- und Versuchskommandos sowie als Referenten und Abteilungschefs im Oberkommando der Kriegsmarine und bei höheren Stäben übernehmen.
Waffenoffiziersausbildung
Die Ausbildung der Waffenoffiziere verband militärische Grundausbildung, Werkstättenausbildung, Borddienst, Ausbildung an der Marineschule, fachbezogene Sonderlehrgänge und praktischen Dienst in der Flotte. Die zeitgenössische Darstellung des Oberkommandos der Kriegsmarine beschreibt einen Ausbildungsgang von insgesamt etwa 23 Monaten bis zur Ernennung zum Leutnant (W).
Die Ausbildung gliederte sich in folgende Abschnitte:
- 3 Monate militärische Grundausbildung.
- 2 Monate Werkstättenausbildung.
- 5 Monate Bordausbildung auf einem Schulschiff oder einer anderen Überwassereinheit der Kriegsmarine; während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten (W).
- 5 Monate Ausbildung an der Marineschule mit Abschluss durch die Waffenoffiziershauptprüfung; während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich (W).
- 4 Monate Sonderlehrgänge entsprechend der eingeschlagenen Fachrichtung, insbesondere Artillerie oder Sperrwaffe.
- 6 Monate Frontdienst in der Flotte.
Nach einer Gesamtausbildungszeit von etwa 23 Monaten erfolgte die Ernennung zum Leutnant (W). Anschließend folgten weitere fachliche und praktische Verwendungen sowie die Waffenoffiziersberufsprüfung.
Literatur
U. Hoefer/F. Brennecke: "Die Laufbahnen in der Handels- und Kriegsmarine" - Wilhelm Köhler Verlag Minden 1936.
Oberkommando der Kriegsmarine: "Wie werde ich Offizier der Kriegsmarine? (Kriegsausgabe)" - Kriegsmarine 1939.
Adolf Schlicht/John R. Angolia: "Deutsche Wehrmacht-Uniformierung und Ausrüstung 1933–1945 - Band 2: Die Kriegsmarine" - Motorbuch Verlag 1995.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
Alle Angaben ohne Gewähr
Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com