Kriegsmarinewerft Lorient
U-Boot-Ausrüstungs- und Reparaturwerft
Die U-Boot-Reparaturwerft Lorient wurde nach der Besetzung der französischen Atlantikküste durch die deutsche Wehrmacht eingerichtet. Am 15.08.1940 nahm die Kriegsmarine in Lorient ihre erste U-Boot-Reparaturwerft im besetzten Frankreich in Betrieb. Sie war als Außenstelle der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven organisiert. Der Hafen von Lorient wurde gleichzeitig zu einem der wichtigsten deutschen U-Boot-Stützpunkte an der französischen Atlantikküste ausgebaut.
Die Werft war keine U-Boot-Neubauwerft, sondern diente vor allem der Ausrüstung, Reparatur, Überholung und Instandsetzung der in Lorient stationierten U-Boote. Bereits vorhandene französische Werft- und Hafenanlagen wurden hierfür von der Kriegsmarine übernommen und entsprechend ausgebaut. Neben deutschen Fachkräften wurden auch zahlreiche einheimische französische Arbeitskräfte für die verschiedenen Arbeiten eingesetzt.
Mit der Einrichtung und dem Ausbau des U-Boot-Stützpunktes gewann Lorient eine herausragende Bedeutung für den deutschen U-Boot-Krieg. Die 2. U-Flottille wurde 1940 nach Lorient verlegt und blieb dort bis zur Aufgabe des Stützpunktes im August 1944 stationiert. Ab Januar 1942 kam außerdem die 10. U-Flottille hinzu. Die U-Boote wurden in den geschützten Bunkeranlagen ausgerüstet, gewartet und nach ihren Feindfahrten wieder instand gesetzt.
Für die Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten entstanden auf der Halbinsel Keroman umfangreiche geschützte Anlagen. Der dort errichtete U-Boot-Bunker gehörte zu den größten deutschen U-Boot-Schutzanlagen und war speziell darauf ausgelegt, U-Boote vor alliierten Luftangriffen geschützt zu warten und zu reparieren. Die Anlagen wurden zwischen 1940 und 1944 unter Leitung der Organisation Todt errichtet und schrittweise erweitert.
Die Größe des Standortes erforderte erhebliche zusätzliche Arbeitskräfte. Neben französischen Beschäftigten wurden deutsche Werftarbeiter nach Lorient versetzt. Unter anderem entsandte der Bremer Vulkan Fachkräfte, die in den Reparatur- und Ausrüstungsbetrieb des Stützpunktes eingebunden wurden. Die Arbeitskräfte waren teilweise in eigens eingerichteten Lagern oder in beschlagnahmten beziehungsweise zur Verfügung gestellten Gebäuden untergebracht.
Die Werft führte vor allem Reparaturen und Überholungen an U-Booten durch, die nach Feindfahrten oder aufgrund technischer Schäden einen Werftaufenthalt benötigten. Hinzu kamen Ausrüstungsarbeiten, Nachrüstungen und die Vorbereitung der Boote auf weitere Unternehmungen. Der geschützte Standort ermöglichte es, auch während verstärkter alliierter Luftangriffe einen großen Teil der Arbeiten fortzuführen.
Die Bedeutung Lorients nahm bis 1944 weiter zu. Der Standort gehörte schließlich zu den wichtigsten deutschen U-Boot-Basen im Atlantik. Die geschützten Bunkeranlagen boten den U-Booten eine vergleichsweise sichere Möglichkeit zur Wartung und Reparatur, während die Hafenanlagen gleichzeitig der Ausrüstung und Versorgung der Boote dienten.
Nach der alliierten Landung in der Normandie am 06.06.1944 geriet Lorient zunehmend in die isolierte Lage einer eingeschlossenen deutschen Festung. Die U-Boot-Flottillen wurden im August 1944 aufgelöst beziehungsweise verlegt; die verbliebenen U-Boote verlegten in andere Stützpunkte, insbesondere nach Norwegen. Damit endete die Funktion Lorients als deutscher U-Boot-Stützpunkt und Reparaturstandort.
Die U-Boot-Reparaturwerft Lorient war damit eine der wichtigsten Ausrüstungs- und Instandsetzungsanlagen der deutschen U-Boot-Waffe im Atlantik. Ihre besondere Bedeutung lag nicht im Neubau von U-Booten, sondern in der geschützten Ausrüstung, Versorgung, Reparatur und Überholung der im Atlantik eingesetzten Boote.
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com