Korvettenkapitän (W)

Aus uboot Wiki
Version vom 27. August 2026, 13:53 Uhr von Wikiadmin (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Korvettenkapitän (W)


Der Rang eines Korvettenkapitäns (W) war der erste Dienstgrad der Stabsoffiziere innerhalb der Waffenoffizierslaufbahn der Kriegsmarine und entsprach dem Rang eines Majors bei Heer und Luftwaffe. Waffenoffiziere gehörten zum Marineoffizierkorps und waren auf die technischen und waffentechnischen Aufgaben der Kriegsmarine spezialisiert. Die Waffenoffizierslaufbahn gliederte sich insbesondere in die Fachrichtungen Artillerie und Sperrwaffe.

Waffenoffiziere wurden sowohl an Bord von Kriegsschiffen als auch bei Dienststellen, Waffenämtern, Werften, Schulen und Kommandobehörden eingesetzt. Während jüngere Waffenoffiziere vor allem in fachbezogenen Verwendungen tätig waren, übernahmen Korvettenkapitäne (W) zunehmend verantwortungsvolle Führungs- und Leitungsaufgaben in den Waffenämtern, Inspektionen, Stäben und waffentechnischen Einrichtungen der Kriegsmarine.

Der Dienstgrad Korvettenkapitän (W) ist unter anderem für die Artillerie- und Sperrwaffenlaufbahn nachweisbar. Friedrich Matthes wurde am 1. Juli 1935 zum Korvettenkapitän (W) befördert und war anschließend unter anderem Vorstand eines Marineartilleriezeugamtes. Richard Jewinski wurde am 1. Oktober 1936 zum Korvettenkapitän (W) befördert und war anschließend als Referent und Gruppenleiter in der Sperrwaffeninspektion eingesetzt.

Rang- & Laufbahnabzeichen


Das Dienstgradabzeichen des Korvettenkapitäns (W) entsprach grundsätzlich demjenigen eines Korvettenkapitäns, wurde jedoch durch das Laufbahnabzeichen der Waffenoffizierslaufbahn ergänzt. Rangsterne („Pickel“) wurden auf den Schulterstücken des Korvettenkapitäns nicht getragen.

Die Waffenoffiziere führten besondere Laufbahnabzeichen. Bei Waffenoffizieren der Artillerielaufbahn wurde das entsprechende Artilleriewaffenabzeichen verwendet; für Waffenoffiziere der Sperrwaffenlaufbahn wurde das Abzeichen der Sperrwaffe getragen. Zeitgenössische und erhaltene Uniformeffekten weisen diese besondere Kennzeichnung der Waffenoffiziere nach.

Auf den Unterärmeln der Marineuniform trug der Korvettenkapitän (W) die für den Dienstgrad vorgeschriebenen goldenen Ärmelstreifen. Das Laufbahnabzeichen wurde oberhalb der Dienstgradstreifen getragen. Die konkrete Ausführung des Laufbahnabzeichens richtete sich nach der eingeschlagenen Fachrichtung.

Zur Uniform gehörte die blaue Schirmmütze der Kriegsmarine. Die Ausführung der Mützen- und Dienstgradabzeichen richtete sich nach den für die Marineoffiziere geltenden Uniformbestimmungen.

Waffenoffizierslaufbahn


Die Waffenoffizierslaufbahn der Kriegsmarine diente der fachlichen und militärischen Ausbildung von Offizieren für die waffentechnischen Aufgaben der Marine. Die Laufbahn war in die Fachrichtungen Artillerie und Sperrwaffe gegliedert. Die zeitgenössische Broschüre des Oberkommandos der Kriegsmarine „Wie werde ich Offizier der Kriegsmarine? (Kriegsausgabe)“ beschreibt die Waffenoffiziere als besondere Marineoffiziere mit einer auf die jeweiligen technischen und waffentechnischen Anforderungen ausgerichteten Ausbildung. Die Broschüre ist für 1939 nachweisbar und umfasst 32 Seiten.

Waffenoffizierslaufbahn – Artillerie


Die Waffenoffiziere der Artillerielaufbahn waren für die waffentechnischen Aufgaben des Marineartilleriewesens zuständig. Zu ihrem Tätigkeitsbereich gehörten insbesondere die Betreuung, Verwaltung, Erprobung und technische Weiterentwicklung von Geschützen und deren Einrichtungen sowie weiterer artilleristischer Waffen- und Messgeräte.

Darüber hinaus wurden Waffenoffiziere in technischen Dienststellen und bei den Marineartilleriezeugämtern eingesetzt. Weitere Verwendungen waren Tätigkeiten als Referenten und Sachbearbeiter in Stäben und im Oberkommando der Kriegsmarine sowie als Leiter und Mitarbeiter von Abnahmestellen, Ausbildungsstätten und technischen Einrichtungen.

Mit zunehmendem Dienstgrad konnten Waffenoffiziere verantwortungsvolle Führungsaufgaben übernehmen. Korvettenkapitäne (W), Fregattenkapitäne (W) und Kapitäne zur See (W) wurden unter anderem in leitenden Funktionen bei Marineartilleriezeugämtern, im Marinewaffenamt, in Inspektionen und bei technischen Dienststellen eingesetzt.

Friedrich Matthes gehörte zur Waffenoffizierslaufbahn der Artillerie. Nach seiner Reaktivierung als Waffenoffizier (W) und Kapitänleutnant (W) am 1. Juli 1934 wurde er am 1. Juli 1935 zum Korvettenkapitän (W) befördert. Er war anschließend Vorstand des Marineartilleriezeugamtes in Pillau sowie des Marineartilleriezeugamtes in Kiel-Dietrichsdorf und später Generalreferent im Marinewaffenamt des Oberkommandos der Kriegsmarine.

Waffenoffizierslaufbahn – Sperrwaffe


Die Waffenoffiziere der Sperrwaffenlaufbahn waren auf die technischen und militärischen Aufgaben des Sperrwaffenwesens spezialisiert. Hierzu gehörten insbesondere Minen- und Minenabwehrwaffen sowie weitere Sperr- und Sprengwaffen.

Waffenoffiziere der Sperrwaffe wurden unter anderem bei Sperrzeugämtern und anderen waffentechnischen Dienststellen eingesetzt. Daneben fanden Verwendungen als Referenten und Sachbearbeiter in Stäben, als Spezialisten an Bord von Minenschiffen, Minensuch- und Räumverbänden sowie als Ausbilder und Lehrer an entsprechenden Schulen statt.

Mit zunehmendem Dienstgrad konnten Waffenoffiziere verantwortungsvolle Leitungsfunktionen bei Sperrzeugämtern, in der Sperrwaffeninspektion, bei Waffenentwicklungs- und Versuchskommandos sowie im Oberkommando der Kriegsmarine übernehmen.

Richard Jewinski wurde am 1. Juli 1934 als Waffenoffizier (W) in die Reichsmarine übernommen und am 1. Oktober 1936 zum Korvettenkapitän (W) befördert. Er war anschließend Referent und Gruppenleiter in der Sperrwaffeninspektion und später Kommandeur des Sperrwaffenarsenals Swinemünde.

Waffenoffiziersausbildung


Die Ausbildung der Waffenoffiziere verband militärische Grundausbildung, Werkstättenausbildung, Borddienst, Ausbildung an der Marineschule und fachbezogene Lehrgänge miteinander. Die zeitgenössische Darstellung des Oberkommandos der Kriegsmarine gibt für den damaligen Ausbildungsgang eine Gesamtdauer von etwa 23 Monaten bis zur Ernennung zum Leutnant an.

Die Ausbildung gliederte sich grundsätzlich in folgende Abschnitte:

  • 3 Monate militärische Grundausbildung.
  • 2 Monate Werkstättenausbildung.
  • 5 Monate Bordausbildung auf einem Schulschiff oder einer anderen Überwassereinheit der Kriegsmarine; während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten (W).
  • 5 Monate Ausbildung an der Marineschule mit Abschluss durch die Waffenoffiziershauptprüfung; während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich (W).
  • 4 Monate Sonderlehrgänge entsprechend der eingeschlagenen Fachrichtung, insbesondere Artillerie oder Sperrwaffe.
  • 6 Monate Frontdienst in der Flotte.

Nach einer Gesamtausbildungszeit von etwa 23 Monaten erfolgte die Ernennung zum Leutnant (W). Die einzelnen Ausbildungsabschnitte und ihre Dauer konnten im Verlauf des Krieges verändert werden.

Nach der Ernennung zum Leutnant (W) folgten weitere fachliche und praktische Verwendungen. Die Waffenoffiziere konnten zur weiteren technischen Ausbildung, zu Speziallehrgängen sowie zu fachbezogenen Studien und Kommandierungen herangezogen werden. Besonders geeignete Waffenoffiziere konnten zur Erweiterung ihrer technischen Kenntnisse an technische Hochschulen kommandiert werden.

Die Ausbildung und Verwendung der Waffenoffiziere war darauf ausgerichtet, neben der fachlichen Tätigkeit auch militärische Führungsaufgaben wahrzunehmen. Waffenoffiziere konnten daher nicht nur in technischen Funktionen, sondern auch als militärische Vorgesetzte, Ausbilder und Leiter entsprechender Dienststellen eingesetzt werden.

Literatur


U. Hoefer/F. Brennecke: "Die Laufbahnen in der Handels- und Kriegsmarine" - Wilhelm Köhler Verlag Minden 1936.

Oberkommando der Kriegsmarine: "Wie werde ich Offizier der Kriegsmarine? (Kriegsausgabe)" - Kriegsmarine 1939.

Adolf Schlicht/John R. Angolia: "Deutsche Wehrmacht-Uniformierung und Ausrüstung 1933–1945 - Band 2: Die Kriegsmarine" - Motorbuch Verlag 1995.

Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB


Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com