Kapitänleutnant (Ing.)
Kapitänleutnant (Ing.)
Der Rang eines Kapitänleutnants (Ing.) war der höchste Dienstgrad der Leutnantsgruppe innerhalb der Ingenieuroffizierslaufbahn der Kriegsmarine und entsprach dem Rang eines Hauptmanns bei Heer und Luftwaffe. Ingenieuroffiziere dieses Dienstgrades bildeten das technische Rückgrat der Kriegsmarine und waren für den sicheren und zuverlässigen Betrieb sämtlicher Maschinen-, Antriebs-, Elektro- und Hilfsanlagen an Bord verantwortlich. Als Leitende Ingenieure oder Maschinenoffiziere trugen sie die unmittelbare Verantwortung für die technische Einsatzbereitschaft ihrer Schiffe und waren zugleich militärische Vorgesetzte des gesamten Maschinenpersonals.
Innerhalb der U-Boot-Waffe war der Kapitänleutnant (Ing.) in der Regel als Leitender Ingenieur (L.I.) eingesetzt und nach dem Kommandanten der wichtigste Offizier an Bord. Er verantwortete den Betrieb der Diesel- und Elektromotoren, der Batterieanlagen, der Druckluftsysteme, der Tauch- und Trimmzellen sowie sämtlicher technischer Einrichtungen. Besonders auf den Booten vom Typ VII C und später vom Typ XXI war seine fachliche Kompetenz entscheidend für die Einsatzfähigkeit des Bootes während oft wochenlanger Unternehmungen. Er überwachte Wartungsarbeiten, koordinierte Reparaturen unter Einsatzbedingungen und leitete die Ausbildung des Maschinenpersonals.
Kapitänleutnant (Ing.) der Reserve
Der Kapitänleutnant (Ing.) der Reserve war ein Ingenieuroffizier, der nicht der aktiven Berufsoffizierslaufbahn angehörte, sondern aus dem Beurlaubtenstand oder dem zivilen Berufsleben in den Wehrdienst einberufen wurde. Viele Reserveoffiziere verfügten bereits vor Kriegsbeginn über umfangreiche technische Erfahrungen als Schiffbauingenieure, Maschinenbauingenieure oder leitende Angestellte großer Werften und Industrieunternehmen.
Gerade während des Zweiten Weltkrieges gewannen Kapitänleutnante (Ing.) der Reserve erheblich an Bedeutung. Sie wurden sowohl als Leitende Ingenieure auf Frontbooten als auch in Marinewerften, Ausbildungsverbänden und Kriegsschiffbaulehrabteilungen eingesetzt. Aufgrund ihrer umfangreichen zivilen Berufserfahrung leisteten sie einen wichtigen Beitrag bei der Einführung neuer Antriebstechniken sowie bei der Ausbildung des technischen Nachwuchses der Kriegsmarine.
Rang- & Laufbahnabzeichen
Das Dienstgradabzeichen des Kapitänleutnants (Ing.) bestand aus vier nebeneinanderliegenden silbernen Plattschnüren, wobei die innere Schnur oben die charakteristische Knopflochschlinge bildete. Auf den Schulterstücken befanden sich zwei vergoldete Rangsterne („Pickel“), zwischen denen als Laufbahnabzeichen ein goldenes Zahnrad angebracht war.
Auf beiden Unterärmeln trug der Kapitänleutnant (Ing.) zwei 1,6 cm breite goldene Ärmelstreifen mit einem dazwischenliegenden 0,9 cm breiten Zwischenstreifen. Darüber befand sich als Laufbahnabzeichen ein goldgesticktes Zahnrad. Zur Uniform gehörte die blaue Schirmmütze der Kriegsmarine mit einem etwa 7 mm breiten goldenen, nach innen stumpf gezackten Besatz auf dem Schirm.
Ingenieuroffizierslaufbahn
Die Ingenieuroffiziere der Kriegsmarine waren die verantwortlichen Leiter des Maschinenbetriebs an Bord der Kriegsschiffe sowie militärische Führer und Erzieher der ihnen unterstellten Soldaten. Neben ihrer Tätigkeit auf See wurden sie in zahlreichen technischen und militärischen Führungsverwendungen an Land eingesetzt.
Zu ihren Aufgaben gehörten Verwendungen als Kompanieoffiziere, Kompaniechefs und Abteilungskommandeure, als Ausbildungsoffiziere und Lehrer an Marineschulen, als Leiter von Marinelehrwerkstätten und Kraftfahrlehrabteilungen, als Kraftfahroffiziere, Adjutanten und technische Sachbearbeiter in Stäben sowie als Marineattaché-Gehilfen. Darüber hinaus konnten Ingenieuroffiziere als Ressort- und Betriebsdirektoren auf Kriegsmarinewerften, als Chef des Stabes, Amtsgruppen- oder Abteilungschef im Oberkommando der Kriegsmarine sowie als Inspekteure der Schiffsmaschinen-, Schiffsstamm- oder Wehrwirtschaftsinspektion verwendet werden.
Entsprechend ihrer umfangreichen praktischen und wissenschaftlichen Ausbildung wirkten Ingenieuroffiziere maßgeblich an der Weiterentwicklung der Schiffsmaschinenanlagen mit. Besonders geeignete Offiziere wurden zum Studium an die Technische Hochschule Berlin kommandiert, das mit der Diplomprüfung abschloss. Ergänzend erfolgten Kommandierungen zu bedeutenden Industrieunternehmen, Werften und technischen Fachausstellungen, um neueste Entwicklungen auf den Gebieten des allgemeinen Maschinenbaus, des Schiffsmaschinenbaus, der Motorentechnik, der Elektrotechnik und der Wärmewirtschaft kennenzulernen. Weitere Speziallehrgänge vermittelten aktuelle technische Erkenntnisse, während sprachbegabte Ingenieuroffiziere zusätzlich Dolmetscherlehrgänge absolvieren konnten.
Ingenieuroffiziersausbildung
Die Ausbildung der Ingenieuroffiziere verband militärische, seemännische und technische Ausbildungsabschnitte und dauerte bis zur Ernennung zum Leutnant (Ing.) etwa zwei Jahre.
Die Ausbildung gliederte sich in folgende Abschnitte:
- 3 Monate militärische Grundausbildung (1939: 4 Monate).
- 2 Monate erste Werkstättenausbildung (1939: 4 Monate).
- 5 Monate Bordausbildung auf einem Schulschiff oder anderen Überwassereinheiten der Kriegsmarine; während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten (Ing.) (1939: 9 Monate).
- 5 Monate Ausbildung an der Marineschule mit Abschluss durch die Ingenieuroffiziershauptprüfung; während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich (Ing.) (1939: 7 Monate).
- 2 Monate zweite Werkstättenausbildung (1939: 5 Monate).
- Zugführerlehrgang (1939: 1 Monat).
- 8 Monate Frontdienst in der Flotte; während dieser Zeit Beförderung zum Oberfähnrich (Ing.) (1939: 6 Monate).
Nach insgesamt etwa zwei Jahren Ernennung zum Leutnant (Ing.).
Nach der Ernennung zum Leutnant (Ing.) folgten weitere Bordverwendungen und technische Fachausbildungen. Besonders geeignete Ingenieuroffiziere konnten zu weiterführenden Studiengängen, Speziallehrgängen oder wissenschaftlichen Einrichtungen kommandiert werden, um sich auf höhere technische Führungsaufgaben innerhalb der Kriegsmarine vorzubereiten. Insbesondere mit der Einführung neuer Kriegsschiff- und U-Boot-Typen wirkten sie an der Entwicklung, Erprobung und Verbesserung moderner Maschinen- und Antriebssysteme mit und leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zur technischen Weiterentwicklung der Kriegsmarine.
Literatur
U. Hoefer/F. Brennecke: "Die Laufbahnen in der Handels- und Kriegsmarine" - Wilhelm Köhler Verlag Minden 1936.
Oberkommando der Kriegsmarine: "Wie werde ich Offizier der Kriegsmarine ? (Kriegsausgabe)" 1940.
Adolf Schlicht/John R. Angolia: "Deutsche Wehrmacht-Uniformierung und Ausrüstung 1933 - 1945- Band 2 Die Kriegsmarine" - Motorbuchverlag 1995. S. 122, 123, 199, 200, 201.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com