Oberleutnant (Ing.)
Oberleutnant (Ing.)
Der Rang eines Oberleutnants (Ing.) war der zweite Offiziersdienstgrad innerhalb der Ingenieuroffizierslaufbahn der Kriegsmarine und entsprach dem Rang eines Oberleutnants bei Heer und Luftwaffe. Ingenieuroffiziere dieses Dienstgrades verfügten bereits über umfangreiche praktische Erfahrungen im Borddienst und übernahmen verantwortungsvolle technische Führungsaufgaben an Bord von Kriegsschiffen und Unterseebooten. Als militärische Vorgesetzte des Maschinenpersonals waren sie für den sicheren Betrieb sämtlicher Maschinen-, Antriebs-, Elektro- und Hilfsanlagen verantwortlich und sorgten für deren ständige Einsatzbereitschaft.
Innerhalb der U-Boot-Waffe wurden Oberleutnante (Ing.) überwiegend als stellvertretende Leitende Ingenieure oder als verantwortliche Maschinenoffiziere eingesetzt. Sie überwachten den Betrieb der Diesel- und Elektromotoren, der Batterieanlagen, der Druckluft- und Pumpensysteme sowie der elektrischen Bordversorgung. Gleichzeitig führten sie das technische Unteroffizier- und Mannschaftspersonal, organisierten Wartungsarbeiten und unterstützten den Leitenden Ingenieur bei allen technischen Entscheidungen. Besonders während längerer Feindfahrten waren sie maßgeblich dafür verantwortlich, auch unter schwierigsten Bedingungen die volle Einsatzfähigkeit des Bootes sicherzustellen.
Oberleutnant (Ing.) der Reserve
Der Oberleutnant (Ing.) der Reserve war ein Ingenieuroffizier, der nicht der aktiven Berufsoffizierslaufbahn angehörte, sondern aus dem Beurlaubtenstand oder dem zivilen Berufsleben zum Wehrdienst herangezogen wurde. Viele Reserveoffiziere verfügten bereits über eine abgeschlossene technische Ausbildung oder langjährige Berufserfahrung im Maschinenbau, Schiffbau oder der Elektrotechnik und brachten dieses Fachwissen in die Kriegsmarine ein.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Oberleutnante (Ing.) der Reserve sowohl auf Frontbooten als auch in Marinewerften, Ausbildungsverbänden und technischen Dienststellen eingesetzt. Aufgrund ihrer praktischen Kenntnisse übernahmen sie häufig verantwortungsvolle Aufgaben bei der Wartung und Instandsetzung von Schiffsmaschinen sowie bei der Ausbildung des technischen Nachwuchses.
Rang- & Laufbahnabzeichen
Das Dienstgradabzeichen des Oberleutnants (Ing.) bestand aus vier nebeneinanderliegenden silbernen Plattschnüren, wobei die innere Schnur oben die charakteristische Knopflochschlinge bildete. Auf den Schulterstücken befand sich ein vergoldeter Rangstern („Pickel“) sowie als Laufbahnabzeichen ein goldenes Zahnrad, welches die Zugehörigkeit zur Ingenieuroffizierslaufbahn kennzeichnete.
Auf beiden Unterärmeln trug der Oberleutnant (Ing.) zwei 1,6 cm breite goldene Ärmelstreifen. Darüber befand sich als Laufbahnabzeichen ein goldgesticktes Zahnrad. Zur Uniform gehörte die blaue Schirmmütze der Kriegsmarine mit einem etwa 7 mm breiten goldenen, nach innen stumpf gezackten Besatz auf dem Schirm.
Ingenieuroffizierslaufbahn
Die Ingenieuroffiziere der Kriegsmarine waren die verantwortlichen Leiter des Maschinenbetriebs an Bord der Kriegsschiffe sowie militärische Führer und Erzieher der ihnen unterstellten Soldaten. Neben ihrer Tätigkeit auf See wurden sie in zahlreichen technischen und militärischen Führungsverwendungen an Land eingesetzt.
Zu ihren Aufgaben gehörten Verwendungen als Kompanieoffiziere, Kompaniechefs und Abteilungskommandeure, als Ausbildungsoffiziere und Lehrer an Marineschulen, als Leiter von Marinelehrwerkstätten und Kraftfahrlehrabteilungen, als Kraftfahroffiziere, Adjutanten und technische Sachbearbeiter in Stäben sowie als Marineattaché-Gehilfen. Darüber hinaus konnten Ingenieuroffiziere als Ressort- und Betriebsdirektoren auf Kriegsmarinewerften, als Chef des Stabes, Amtsgruppen- oder Abteilungschef im Oberkommando der Kriegsmarine sowie als Inspekteure der Schiffsmaschinen-, Schiffsstamm- oder Wehrwirtschaftsinspektion verwendet werden.
Entsprechend ihrer umfangreichen praktischen und wissenschaftlichen Ausbildung wirkten Ingenieuroffiziere maßgeblich an der Weiterentwicklung der Schiffsmaschinenanlagen mit. Besonders geeignete Offiziere wurden zum Studium an die Technische Hochschule Berlin kommandiert, das mit der Diplomprüfung abschloss. Ergänzend erfolgten Kommandierungen zu bedeutenden Industrieunternehmen, Werften und technischen Fachausstellungen, um neueste Entwicklungen auf den Gebieten des allgemeinen Maschinenbaus, des Schiffsmaschinenbaus, der Motorentechnik, der Elektrotechnik und der Wärmewirtschaft kennenzulernen. Weitere Speziallehrgänge vermittelten aktuelle technische Erkenntnisse, während sprachbegabte Ingenieuroffiziere zusätzlich Dolmetscherlehrgänge absolvieren konnten.
Ingenieuroffiziersausbildung
Die Ausbildung der Ingenieuroffiziere verband militärische, seemännische und technische Ausbildungsabschnitte und dauerte bis zur Ernennung zum Leutnant (Ing.) etwa zwei Jahre.
Die Ausbildung gliederte sich in folgende Abschnitte:
- 3 Monate militärische Grundausbildung (1939: 4 Monate).
- 2 Monate erste Werkstättenausbildung (1939: 4 Monate).
- 5 Monate Bordausbildung auf einem Schulschiff oder anderen Überwassereinheiten der Kriegsmarine; während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten (Ing.) (1939: 9 Monate).
- 5 Monate Ausbildung an der Marineschule mit Abschluss durch die Ingenieuroffiziershauptprüfung; während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich (Ing.) (1939: 7 Monate).
- 2 Monate zweite Werkstättenausbildung (1939: 5 Monate).
- Zugführerlehrgang (1939: 1 Monat).
- 8 Monate Frontdienst in der Flotte; während dieser Zeit Beförderung zum Oberfähnrich (Ing.) (1939: 6 Monate).
Nach insgesamt etwa zwei Jahren Ernennung zum Leutnant (Ing.).
Nach der Ernennung zum Leutnant (Ing.) folgten weitere Bordverwendungen und technische Fachausbildungen. Besonders geeignete Ingenieuroffiziere konnten zu weiterführenden Studiengängen, Speziallehrgängen oder wissenschaftlichen Einrichtungen kommandiert werden, um sich auf höhere technische Führungsaufgaben innerhalb der Kriegsmarine vorzubereiten. Insbesondere mit der Einführung neuer Kriegsschiff- und U-Boot-Typen wirkten sie an der Entwicklung, Erprobung und Verbesserung moderner Maschinen- und Antriebssysteme mit und leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zur technischen Weiterentwicklung der Kriegsmarine.
Literatur
U. Hoefer/F. Brennecke: "Die Laufbahnen in der Handels- und Kriegsmarine" - Wilhelm Köhler Verlag Minden 1936.
Oberkommando der Kriegsmarine: "Wie werde ich Offizier der Kriegsmarine ? (Kriegsausgabe)" 1940.
Adolf Schlicht/John R. Angolia: "Deutsche Wehrmacht-Uniformierung und Ausrüstung 1933 - 1945- Band 2 Die Kriegsmarine" - Motorbuchverlag 1995. S. 122, 123, 199, 200, 201.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com