Kriegsmarinewerft Brest
U-Boot-Ausrüstungs- und Reparaturwerft
Die U-Boot-Reparaturwerft Brest wurde nach der Besetzung der französischen Atlantikküste durch die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 von der Kriegsmarine eingerichtet. Der Hafen von Brest wurde zu einem wichtigen deutschen Marinestützpunkt am Atlantik ausgebaut und diente neben der Versorgung und Instandhaltung von Überwassereinheiten vor allem als Stützpunkt für deutsche U-Boote.
Die Werft war keine U-Boot-Neubauwerft, sondern diente hauptsächlich der Reparatur, Überholung, Ausrüstung und Instandsetzung der im U-Boot-Stützpunkt Brest stationierten Boote. Für die Arbeiten wurden vorhandene französische Werfteinrichtungen genutzt und durch deutsche Einrichtungen und Fachpersonal ergänzt. Das benötigte Material und Fachpersonal wurde zunächst von der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven bereitgestellt. Gleichzeitig wurde auch französisches Personal in den Werkstätten eingesetzt. Damit war die Werft von Anfang an auf eine enge Zusammenarbeit zwischen deutschen Dienststellen und einheimischen Arbeitskräften angewiesen.
Mit dem Ausbau des U-Boot-Stützpunktes entstand ab 1941 eine umfangreiche geschützte Reparaturanlage. Der U-Boot-Bunker verfügte über zehn Trockendocks für jeweils ein U-Boot sowie über fünf Nassboxen mit Platz für jeweils bis zu drei U-Boote. Die Bunkeranlage war rund 330 m breit, 190 m lang und 17 m hoch. Die Decke wurde im Verlauf des Krieges von zunächst etwa vier auf bis zu sechs Meter verstärkt. Die geschützte Bauweise ermöglichte es, U-Boote auch während alliierter Luftangriffe zu überholen und auszurüsten.
In Brest waren vor allem U-Boote der 1. U-Flottille und der 9. U-Flottille stationiert. Den Schwerpunkt bildeten Boote der Typen VII C. Bei Bedarf wurden jedoch auch U-Boote anderer Verbände in Brest repariert und überholt. Die Werft führte dabei sowohl routinemäßige Werftliegezeiten als auch umfangreichere Reparaturen nach Feindfahrten, technische Instandsetzungen sowie Ausrüstungs- und Umbauarbeiten durch.
Im Jahr 1943 änderte sich die organisatorische Zuständigkeit für die technische Betreuung der U-Boot-Reparaturen. Die Kriegsmarine übertrug die technische Betreuung von der Ausrüstung bis zu den Instandsetzungsarbeiten auf den deutschen Deschimag-Konzern. Dieser übertrug die Aufgaben wiederum an seine Werft AG Weser in Bremen, die über umfangreiche Erfahrungen im Bau und in der Reparatur von U-Booten verfügte. Die AG Weser entsandte daraufhin rund 1.000 Mitarbeiter nach Brest. Sie wurden vor Ort untergebracht und arbeiteten gemeinsam mit dem vorhandenen französischen Personal.
Die Lage des Stützpunktes wurde im Verlauf des Krieges zunehmend schwieriger. Die alliierten Luftangriffe richteten sich wiederholt gegen die Hafen- und Werftanlagen, während die U-Boote innerhalb des Bunkers vor den direkten Auswirkungen der Bombardierungen weitgehend geschützt waren. Die Reparaturkapazität des Standortes blieb deshalb bis 1944 von erheblicher Bedeutung für die im Atlantik eingesetzten U-Boote.
Mit der alliierten Landung in der Normandie am 06.06.1944 und dem anschließenden Vormarsch der alliierten Truppen verschlechterte sich die strategische Lage des Stützpunktes grundlegend. Brest wurde zur Festung erklärt und nach schweren Kämpfen von den alliierten Truppen eingeschlossen. Am 18.09.1944 kapitulierte die deutsche Besatzung. Damit endete auch der Betrieb der deutschen U-Boot-Reparaturwerft in Brest.
Die U-Boot-Reparaturwerft Brest gehörte damit zu den wichtigsten deutschen Instandsetzungsstandorten im Atlantik. Ihre Bedeutung beruhte nicht auf dem Neubau von U-Booten, sondern auf der geschützten Reparatur, Überholung und Ausrüstung einer großen Zahl von Booten. Die Verbindung aus dem französischen Werftpersonal, den zunächst von der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven bereitgestellten Fachkräften und später den Mitarbeitern der AG Weser machte Brest zu einem wichtigen Beispiel für die arbeitsteilige Organisation der deutschen U-Boot-Instandsetzung in den besetzten Gebieten.
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com