Deutsche Werft AG Nikolaev
U-Boot-Bau
Die Werft in Nikolajew (heute Mykolajiw) am Unterlauf des Inhul kurz vor dessen Mündung in den Südlichen Bug gehörte zu den ältesten und bedeutendsten Schiffbaubetrieben der Stadt. Die traditionsreiche Werft trug im Laufe ihrer Geschichte verschiedene Bezeichnungen, darunter Russische Schiffbaugesellschaft „Russud“, Werft Mykolajiw-Nord und Schiffbauwerft Nr. 61 „Kommunara“. Der Standort war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein bedeutendes Zentrum des sowjetischen Kriegsschiffbaus und hatte unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote für die sowjetische Marine gebaut.
Nach dem deutschen Vormarsch und der Besetzung Nikolajews wurde die Werft in die deutsche Besatzungs- und Rüstungswirtschaft einbezogen. Die deutschen Planungen sahen vor, vorhandene Werftkapazitäten auch für den Aufbau einer dezentralisierten U-Boot-Produktion zu nutzen. Dabei wurde der Werftstandort unter deutscher Führung in das Produktionssystem der Deutsche Werft AG einbezogen. Die geplante Fertigung sollte unter deutscher Aufsicht erfolgen und insbesondere die Produktion des neuen Kleinküsten-U-Bootes Typ XXIII umfassen.
Im Rahmen dieses Programms waren für Nikolajew zunächst die Boote U 2446 bis U 2460 vorgesehen. Insgesamt handelte es sich um 15 Bauaufträge. Die Fertigung war Teil des weitreichenden Plans, den Bau des Typs XXIII auf zahlreiche Standorte im Deutschen Reich, in Frankreich, Italien und den besetzten Gebieten zu verteilen. Die Sektionen sollten arbeitsteilig hergestellt und anschließend an geeigneten Standorten montiert werden. Nikolajew war dabei als einer der östlichsten vorgesehenen Fertigungsstandorte eingeplant.
Die militärische Entwicklung verhinderte jedoch die Verwirklichung dieses Vorhabens. Bereits am 01.05.1944 wurden die für Nikolajew vorgesehenen Bauaufträge U 2446 bis U 2460 auf die Schiffswerft Linz übertragen. Auch dort konnte der Bau nicht mehr aufgenommen werden. Sämtliche 15 Boote wurden schließlich annulliert; kein einziges wurde auf Kiel gelegt oder fertiggestellt.
Damit blieb die Beteiligung der Werft in Nikolajew am deutschen U-Boot-Bau auf die Planung und Vorbereitung eines vorgesehenen Bauprogramms beschränkt. Der Standort konnte seine vorgesehene Funktion als Fertigungswerft für den Typ XXIII nicht mehr erfüllen. Die Aufgabe zeigt jedoch, wie weit die deutschen Planungen zur Dezentralisierung und Verlagerung der U-Boot-Produktion in den letzten Kriegsjahren reichten.
Nach dem Rückzug der deutschen Truppen aus dem Raum Nikolajew endete die deutsche Nutzung des Werftstandortes. Die Werft wurde nach dem Krieg wieder in den sowjetischen Schiffbau einbezogen und setzte ihre lange industrielle Tradition unter veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen fort.
Bauaufträge
Typ XXIII (alle an die Schiffswerft Linz abgegeben)
| U 2446 | U 2447 | U 2448 | U 2449 | U 2450 | U 2451 | U 2452 | U 2453 | U 2454 | U 2455 | |
| U 2456 | U 2457 | U 2458 | U 2459 | U 2460 |
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com