Deutsche Werke AG Gotenhafen

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U-Boot-Bau


Das Deutsche Werke AG Werk Gotenhafen war keine selbständige Neubauwerft wie die Stammwerft in Kiel, sondern ein 1940/41 eingerichteter Zweigbetrieb der Deutschen Werke AG, der vor allem der Instandsetzung, Ausrüstung und später der Sektionsfertigung für den U-Boot-Bau diente. Seine Entstehung hing unmittelbar mit der Besetzung Polens und der Entwicklung Gotenhafens (heute Gdynia) zu einem der wichtigsten Marinestützpunkte der Kriegsmarine in der Ostsee zusammen.

Nach der Besetzung Gdynias im September 1939 beschlagnahmte die deutsche Marine Anfang 1940 Teile der modernen polnischen Hafen- und Werftanlagen im Hafenbecken II und übergab sie den Deutschen Werken Kiel. Ziel war zunächst nicht der Neubau von Kriegsschiffen, sondern die Schaffung einer leistungsfähigen Reparatur- und Ausrüstungswerft für die in der Ostsee konzentrierten Einheiten der Kriegsmarine. Insbesondere Großkampfschiffe wie Bismarck, Gneisenau oder der Flugzeugträger „Graf Zeppelin“ nutzten den geschützten Hafen von Gotenhafen zeitweise als Liege- und Ausrüstungsplatz.

Für die Geschichte des deutschen U-Boot-Baus gewann das Werk vor allem ab 1944 an Bedeutung. Im Zuge des sogenannten Typ XXI-Sofortprogramms wurde das Werk Gotenhafen in die neue industrielle Sektionsbauweise eingebunden. Während die Stammwerft in Kiel unter anderem Bugsektionen fertigte, übernahm Gotenhafen die Herstellung und Ausrüstung der Sektionen 6 und 7 des neuen Elektrobootes Typ XXI. Diese vorgefertigten Großsektionen wurden anschließend zu den Endmontagewerften transportiert, wo sie mit den übrigen Baugruppen zu vollständigen U-Booten zusammengesetzt wurden. Das Werk war damit Teil des hochgradig arbeitsteiligen Fertigungssystems, das Albert Speer und Karl Dönitz eingeführt hatten, um die Produktionszahlen trotz alliierter Luftangriffe zu steigern.

Anders als die Deutsche Werke AG Kiel wurden in Gotenhafen keine vollständigen U-Boote auf Kiel gelegt oder abgeliefert. Seine Aufgabe bestand vielmehr in der Fertigung von Baugruppen, der Instandsetzung und Ausrüstung von Kriegsschiffen sowie der Unterstützung der U-Boot-Produktion durch Zulieferleistungen. Gerade diese Funktion machte die Werft zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den eigentlichen Bauwerften und den Frontverbänden der Kriegsmarine.

Mit dem Heranrücken der Roten Armee wurde der Betrieb im März 1945 aufgegeben. Ein Teil der Belegschaft und der technischen Ausrüstung wurde auf dem Seeweg nach Westen evakuiert. Auf Befehl der deutschen Dienststellen sollten wesentliche Anlagen vor dem Rückzug zerstört werden, um sie nicht unversehrt in sowjetische Hände fallen zu lassen. Nach der Einnahme Gotenhafens durch sowjetische Truppen gingen die verbliebenen Werftanlagen an Polen über und wurden in die Nachkriegsentwicklung der Werften von Gdynia integriert.

Aus U-Boothistorischer Sicht ist das Deutsche Werke AG Werk Gotenhafen daher weniger als klassische U-Boot-Werft denn als Spezialbetrieb für Instandsetzung und Typ XXI-Sektionsfertigung zu bewerten. Seine Hauptaufgabe bestand darin, den industriellen Modulbau des Elektrobootes zu unterstützen und damit den Übergang vom herkömmlichen Werftbau zur arbeitsteiligen Großserienproduktion mitzutragen. Gerade diese Rolle macht das Werk Gotenhafen zu einem interessanten, oft übersehenen Baustein des deutschen U-Boot-Rüstungsprogramms der letzten Kriegsjahre.


Literaturverweise


Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.

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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com