Seeoffiziersanwärter

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Der Weg zum Seeoffizier


Die Ausbildung eines Seeoffiziers der Kriegsmarine gehörte zu den umfangreichsten Offiziersausbildungen der Wehrmacht und verband militärische Grundausbildung, seemännische Praxis, wissenschaftlichen Unterricht und den Einsatz in der Flotte. Ziel war es, Offiziere auszubilden, die sowohl über nautische und technische Kenntnisse als auch über die Fähigkeit zur Führung von Mannschaften verfügten.

Infanteristische Grundausbildung (3 Monate)


Die Ausbildung begann mit einer militärischen Grundausbildung, in der die Offiziersanwärter die Grundlagen des Soldatenberufes erlernten. Neben Exerzierdienst, Gefechtsausbildung und Waffenunterricht wurden körperliche Ertüchtigung, militärische Disziplin sowie erste Führungsgrundsätze vermittelt. Gleichzeitig erfolgte die Eingewöhnung in den militärischen Alltag der Kriegsmarine.

Praktische Bordausbildung (5 Monate)

Im Anschluss folgte eine mehrmonatige Bordausbildung auf einem Segelschulschiff oder einem größeren Kriegsschiff der Kriegsmarine. Während dieser Zeit wurden die Anwärter mit Navigation, Seemannschaft, Wachdienst, Schiffsorganisation und dem täglichen Bordbetrieb vertraut gemacht. Die praktische Ausbildung sollte das Verständnis für das Leben an Bord fördern und die Grundlagen für spätere Führungsaufgaben schaffen. Während dieser Ausbildungsphase erfolgte die Ernennung zum Seekadetten.

Marineschule (5 Monate)


An der Marineschule erhielten die Offiziersanwärter eine umfassende theoretische Ausbildung. Unterrichtet wurden unter anderem Navigation, Mathematik, Physik, Wehrrecht, Marinegeschichte, Artillerie, Torpedowesen, Nachrichtenwesen, Taktik und militärische Führung. Den Abschluss bildete die Seeoffiziershauptprüfung. Nach erfolgreichem Bestehen erfolgte die Ernennung zum Fähnrich zur See.

Waffen- und Fachlehrgänge (2 Monate)


Nach der Marineschule schlossen sich verschiedene Waffen- und Speziallehrgänge an. Hier wurden die Anwärter in den Grundlagen der Artillerie, Torpedowaffe, Nachrichtenmittel, Funktechnik sowie weiterer Fachgebiete unterrichtet. Je nach späterer Verwendung konnten zusätzliche Lehrgänge, beispielsweise für Navigation oder Ortungstechnik, folgen.

Bordkommando in der Flotte (8 Monate)


Während eines längeren Bordkommandos auf Kriegsschiffen der Flotte sammelten die Offiziersanwärter praktische Erfahrungen unter Einsatzbedingungen. Sie übernahmen zunehmend Verantwortung im Wachdienst und wurden schrittweise auf ihre spätere Tätigkeit als Wachoffizier vorbereitet. In dieser Ausbildungsphase erfolgte in der Regel die Ernennung zum Oberfähnrich zur See.

Ernennung zum Leutnant zur See


Nach einer gesamten Ausbildungsdauer von etwa zwei Jahren und erfolgreichem Abschluss aller vorgeschriebenen Ausbildungsabschnitte erfolgte die Ernennung zum Leutnant zur See. Erst mit dieser Beförderung war die Offiziersausbildung abgeschlossen und der Offizier gehörte vollständig dem Offizierskorps der Kriegsmarine an.

Spezialisierung

Nach der Ernennung zum Leutnant zur See begann die eigentliche Spezialisierung innerhalb der Kriegsmarine. Je nach Eignung und Bedarf erfolgte die Verwendung beispielsweise

  • bei der Überwasserflotte,
  • der U-Boot-Waffe,
  • den Seefliegerverbänden,
  • der Nachrichtenorganisation,
  • der Torpedo- und Minenwaffe,
  • oder in technischen Sonderverwendungen.

Für angehende U-Boot-Offiziere schlossen sich zusätzlich Lehrgänge an den Unterseeboots-Lehrdivisionen, Kommandanten- und Wachoffizierslehrgänge sowie praktische Ausbildungsfahrten auf Schul- und Frontbooten an.

Verwendung bei den Seefliegern


Ein kleiner Teil der Seeoffiziersanwärter wurde für eine mehrjährige Verwendung bei den Seefliegerverbänden der Luftwaffe ausgewählt. Die Auswahl erfolgte überwiegend auf freiwilliger Grundlage und diente der Ausbildung zukünftiger Beobachter oder Flugzeugführer im maritimen Einsatz. Während dieser Kommandierung blieben Rangdienstalter, Beförderungen und die Zugehörigkeit zur Kriegsmarine unverändert bestehen. Nach Abschluss der fliegerischen Ausbildung erfolgte in der Regel die weitere Verwendung innerhalb der Seefliegerverbände oder die Rückkehr zur Kriegsmarine.

Übergang zur U-Boot-Waffe

Nicht jeder Seeoffizier wurde automatisch U-Boot-Offizier. Erst nach der Ernennung zum Leutnant zur See beziehungsweise nach ersten Bordverwendungen konnten geeignete Offiziere zur U-Boot-Ausbildung kommandiert werden. Dort folgten unter anderem die Ausbildung an den Unterseeboots-Lehrdivisionen, Wachoffizierslehrgänge, technische Speziallehrgänge sowie praktische Ausbildungsfahrten auf Schul- und Frontbooten. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Ausbildung war eine Verwendung als Wachoffizier oder später als Kommandant eines Unterseebootes möglich.



Alle Angaben ohne Gewähr

Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com