Infanteristische Grundausbildung
Die infanteristische Grundausbildung (GA) war für alle Angehörigen der Kriegsmarine und damit auch für die Freiwilligen der U-Boot-Waffe der erste Ausbildungsabschnitt nach der Einberufung. Sie vermittelte die grundlegenden soldatischen Kenntnisse und Fertigkeiten und schuf die Voraussetzungen für jede weitere Spezialausbildung innerhalb der Marine. Ziel war es, den Rekruten an das militärische Leben heranzuführen, Disziplin zu vermitteln und ihn körperlich wie geistig auf die Anforderungen des Kriegsdienstes vorzubereiten.
Die Ausbildung begann unmittelbar nach der Einberufung bei einer Schiffsstammabteilung (S.S.A.) oder einer Marine-Ersatzabteilung. Dort erhielten die Rekruten ihre Uniformen und Ausrüstung, wurden in den militärischen Alltag eingewiesen und durchliefen die ersten Ausbildungswochen. Nach erfolgreichem Abschluss der Grundausbildung erfolgte die Versetzung zu den jeweiligen Fach- oder Speziallehrgängen. Für angehende U-Boot-Fahrer spielte insbesondere die 4. U-Bootlehrdivision in Memel eine bedeutende Rolle, da dort ein großer Teil der weiteren Ausbildung stattfand. Die eigentliche Grundausbildung wurde jedoch an zahlreichen Schiffsstammabteilungen und Lehrdivisionen der Kriegsmarine durchgeführt.
Während der Friedenszeit dauerte die infanteristische Grundausbildung in der Regel etwa drei Monate. Mit zunehmender Kriegsdauer und dem steigenden Bedarf an ausgebildetem Personal wurde sie schrittweise auf sechs bis acht Wochen verkürzt, wobei die wesentlichen Ausbildungsinhalte erhalten blieben.
Den Schwerpunkt bildeten der Formaldienst mit Exerzieren, Marschieren, Grußformen sowie das Erlernen militärischer Ordnung und Disziplin. Hinzu kamen die Ausbildung am Karabiner 98k, an der Pistole 08 und im Umgang mit Handgranaten. Obwohl die spätere Verwendung der U-Boot-Besatzungen überwiegend auf See erfolgte, gehörte die Beherrschung der persönlichen Bewaffnung zur soldatischen Grundausbildung jedes Marinesoldaten.
Im Geländedienst wurden Tarnung, Bewegungsarten im Gelände, Schützenlochbau und Verhalten unter Gefechtsbedingungen vermittelt. Ergänzend erfolgte theoretischer Unterricht in Wehrrecht, Disziplinarstrafordnung, Dienstgradkunde, militärischer Organisation sowie Grundlagen der Marinegeschichte.
Einen weiteren wichtigen Bestandteil bildeten die Schwimm- und Rettungsausbildung sowie umfangreiche Sport- und Marschübungen. Das Schwimmtraining sollte die Sicherheit im Wasser erhöhen und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. Übungen mit der Gasmaske dienten der Gewöhnung an erschwerte Atembedingungen und sollten die Belastbarkeit unter körperlicher Anstrengung steigern.
Bereits während der Grundausbildung wurden die körperliche Leistungsfähigkeit, die psychische Belastbarkeit und das Verhalten der Rekruten beurteilt. Soldaten, die den Anforderungen des späteren U-Boot-Dienstes nicht entsprachen, konnten bereits in dieser frühen Ausbildungsphase anderen Verwendungen innerhalb der Kriegsmarine zugewiesen werden.
Besonderes Gewicht legte die Kriegsmarine auf Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und kameradschaftliches Verhalten. Der Dienst an Bord eines U-Bootes erforderte ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und zuverlässiger Zusammenarbeit, da jeder Besatzungsangehörige unmittelbar zum sicheren Betrieb des Bootes beitrug.
Die infanteristische Grundausbildung bildete damit das Fundament der gesamten militärischen Laufbahn eines U-Boot-Fahrers. In den Stammrollen der Kriegsmarine stellt sie regelmäßig den ersten dokumentierten Ausbildungsabschnitt dar und markiert den Beginn der weiteren spezialisierten Ausbildung bis hin zur späteren Verwendung auf einem Frontboot.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com