Praktische Bordausbildung

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Die praktische Bordausbildung schloss sich an die infanteristische Grundausbildung sowie die ersten theoretischen Lehrgänge an. Sie vermittelte den angehenden Marinesoldaten die für den Dienst an Bord erforderlichen praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten. Ziel war es, den Umgang mit dem Schiff, die Abläufe des Borddienstes sowie das Zusammenwirken innerhalb einer Besatzung unter den Bedingungen des Seebetriebes zu erlernen.

In Friedenszeiten begann die Bordausbildung der Offizieranwärter in der Regel auf den Segelschulschiffen Gorch Fock, Horst Wessel oder Albert-Leo Schlageter. Dort wurden Grundlagen der Seemannschaft, Navigation, Knotenkunde, Wachdienst und das Verhalten an Bord vermittelt. Daran schloss sich häufig eine mehrmonatige Ausbildungsreise auf einem Leichten Kreuzer, insbesondere der Emden, an. Diese Reisen dienten neben der seemännischen Ausbildung auch der Repräsentation der Kriegsmarine im Ausland.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 änderte sich der Ausbildungsablauf grundlegend. Die langen Ausbildungsreisen entfielen, und die praktische Bordausbildung wurde zunehmend auf einsatzbereiten Kriegsschiffen durchgeführt. Offizieranwärter, Unteroffiziere und Mannschaften sammelten ihre ersten Erfahrungen auf Minensuchbooten, Vorpostenbooten, Torpedobooten, Zerstörern oder anderen Einheiten der Kriegsmarine. Dadurch sollten sie möglichst früh mit den Anforderungen des Kriegsdienstes auf See vertraut gemacht werden.

Für die Freiwilligen der U-Boot-Waffe schloss sich nach den theoretischen Fachlehrgängen die praktische Ausbildung auf Schulbooten an. Hier wurden die Besonderheiten des Borddienstes auf einem U-Boot vermittelt. Dazu gehörten das Verhalten während des Tauchens und Auftauchens, das Trimmen des Bootes, Wachdienst, Sicherheitsmaßnahmen sowie die Zusammenarbeit der einzelnen Besatzungsmitglieder. Ausbildungsfahrten mit Übungstorpedos und Gefechtsübungen dienten dazu, die theoretischen Kenntnisse unter realitätsnahen Bedingungen anzuwenden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Bordausbildung war das Lernen in der praktischen Verwendung. Erfahrene Unteroffiziere und Offiziere vermittelten ihr Wissen unmittelbar im Bordbetrieb. Dieses Prinzip ermöglichte den angehenden U-Boot-Fahrern, Routine in den täglichen Arbeitsabläufen zu entwickeln und sich mit den räumlichen Verhältnissen sowie den technischen Einrichtungen eines Bootes vertraut zu machen.

Die praktische Bordausbildung war fester Bestandteil der Ausbildung aller seemännischen Laufbahnen der Kriegsmarine. Sie diente dem Erwerb praktischer Erfahrungen im Borddienst und bereitete auf die nachfolgenden Ausbildungsabschnitte vor. Für Offizieranwärter folgten anschließend unter anderem die Fähnrichslehrgänge und die Offiziershauptprüfung, während Mannschaften und Unteroffiziere ihre Ausbildung entsprechend ihrer vorgesehenen Verwendung in den jeweiligen Fachrichtungen fortsetzten.