Oberleutnant zur See
Dienstgrad Oberleutnant zur See
Der Rang eines Oberleutnants zur See war in der Kriegsmarine des Dritten Reiches der zweite Dienstgrad der Subalternoffiziere und entsprach dem Rang eines Oberleutnants im Heer und in der Luftwaffe. Er stand zwischen dem Leutnant zur See und dem Kapitänleutnant und wurde Offizieren verliehen, die sich nach erfolgreicher Verwendung als Leutnant zur See in Bord- und Landkommandos bewährt hatten. Während des Zweiten Weltkrieges bildeten Oberleutnante zur See das Rückgrat des Offizierskorps und übernahmen auf nahezu allen Schiffen und U-Booten verantwortungsvolle Führungsaufgaben. Besonders in der U-Boot-Waffe stellte dieser Dienstgrad eine Schlüsselposition dar, da er häufig unmittelbar an der taktischen Führung und Einsatzdurchführung beteiligt war.
Auf U-Booten waren Oberleutnante zur See überwiegend als I. Wachoffiziere eingesetzt und damit die engsten Mitarbeiter des Kommandanten. Sie verantworteten den inneren Dienst, die Ausbildung der Besatzung sowie die Durchführung des Wachbetriebes und vertraten den Kommandanten während dessen Abwesenheit. Erfahrene Offiziere konnten bereits in diesem Dienstgrad kleinere Unterseeboote oder Ausbildungsboote führen oder als Kommandanten eingesetzt werden. Darüber hinaus fanden Oberleutnante zur See Verwendung in Unterseeboots-Lehrdivisionen, Erprobungsstellen und Ausbildungsverbänden, wo sie ihre Fronterfahrungen an den Offiziersnachwuchs weitergaben und an der Einführung neuer U-Boot-Typen sowie moderner Ortungs- und Waffensysteme mitwirkten.
Oberleutnant zur See der Reserve
Der Oberleutnant zur See der Reserve (Oberleutnant zur See d. R.) gehörte den Reserveoffizieren der Kriegsmarine an und hatte sich durch Reserveübungen oder aktiven Wehrdienst bis zu diesem Dienstgrad emporgearbeitet. Viele dieser Offiziere verfügten bereits vor ihrer Einberufung über umfangreiche Erfahrungen in der Handelsmarine, der Hochseefischerei oder anderen seemännischen Berufen und brachten diese Kenntnisse in den Kriegsdienst ein. Gemeinsam mit den aktiven Offizieren trugen sie wesentlich zur personellen Verstärkung der Kriegsmarine während des Zweiten Weltkrieges bei.
Oberleutnante zur See der Reserve wurden sowohl auf Überwasserstreitkräften als auch in der U-Boot-Waffe eingesetzt. Sie dienten als Wachoffiziere, Navigationsoffiziere oder Ausbilder und übernahmen darüber hinaus Aufgaben in Ausbildungsverbänden, Werften und Kommandobehörden. Einzelne Reserveoffiziere erhielten aufgrund ihrer fachlichen Eignung auch das Kommando über U-Boote oder wurden mit der Ausbildung neuer Besatzungen betraut. Besonders ihre nautischen Kenntnisse und ihre praktische Erfahrung aus der zivilen Schifffahrt erwiesen sich dabei als wertvolle Ergänzung.
Oberleutnant zur See (Kriegsoffizier)
Der Oberleutnant zur See (Kriegsoffizier), häufig mit der Abkürzung „Kr.O.“ bezeichnet, gehörte einer besonderen Offizierslaufbahn an, die während des Zweiten Weltkrieges geschaffen wurde, um besonders bewährten Unteroffizieren mit Portepee den Aufstieg in das Offizierskorps zu ermöglichen. Diese Offiziere verfügten meist über langjährige praktische Erfahrung an Bord und kannten sowohl die technischen Einrichtungen als auch den Bordbetrieb aus eigener Anschauung. Durch ihre militärische und fachliche Erfahrung genossen sie bei Vorgesetzten und Mannschaften gleichermaßen hohes Ansehen.
In der U-Boot-Waffe wurden Kriegsoffiziere vor allem in technischen und organisatorischen Schlüsselstellungen eingesetzt. Sie dienten als Wachoffiziere, Leitende Ingenieure oder Ausbilder und waren aufgrund ihrer umfassenden Kenntnisse häufig an der Einführung neuer Ausrüstungen, der Ausbildung von Besatzungen sowie der Erprobung neuer Verfahren beteiligt. Ihre langjährige Bordpraxis machte sie zu wichtigen Bindegliedern zwischen den erfahrenen Unteroffizieren und dem Offizierskorps.
Oberleutnant (Sonderführer)
Der Oberleutnant (Sonderführer) war kein Berufsoffizier der Kriegsmarine, sondern ein ziviler Fachmann, der aufgrund besonderer wissenschaftlicher, technischer oder organisatorischer Kenntnisse für die Dauer seiner Verwendung in den militärischen Dienst übernommen wurde. Er erhielt den Rang eines Oberleutnants, ohne die reguläre Offizierslaufbahn durchlaufen zu haben, und wurde dort eingesetzt, wo spezielles Fachwissen für den Kriegseinsatz erforderlich war.
Innerhalb der Kriegsmarine fanden Oberleutnante (Sonderführer) insbesondere in technischen Erprobungsstellen, Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen sowie bei der Einführung neuer Waffen- und Ortungssysteme Verwendung. Sie unterstützten die Ausbildung der Besatzungen, begleiteten die Erprobung neuer Geräte und wirkten als Verbindung zwischen der Marine, der Rüstungsindustrie und wissenschaftlichen Einrichtungen. Ihr Fachwissen leistete insbesondere bei der Weiterentwicklung moderner Nachrichten-, Radar- und Ortungstechnik einen wichtigen Beitrag.
Rang- & Laufbahnabzeichen
In der Kriegsmarine wurde der Oberleutnant zur See durch die Rangabzeichen des zweiten Subalternoffiziersdienstgrades kenntlich gemacht. Die Schulterstücke bestanden aus vier nebeneinanderliegenden silberfarbenen Plattschnüren, wobei die innere Schnur die charakteristische Knopflochschlinge bildete. Auf den Schulterstücken befand sich ein vergoldeter Rangstern („Pickel“). Die Ärmelabzeichen bestanden aus zwei 1,6 cm breiten goldenen Rangstreifen. Darüber wurde bei der Seeoffizierslaufbahn der goldene fünfzackige Stern als Laufbahnabzeichen getragen, während Angehörige anderer Offizierslaufbahnen das jeweils vorgeschriebene Laufbahnabzeichen führten.
Zur Uniform gehörte die dunkelblaue Schirmmütze mit vergoldetem Hoheitsabzeichen und Kokarde. Als Kommandanten oder Wachoffiziere führten Oberleutnante zur See während der Sommermonate oder in südlichen Einsatzgebieten häufig den weißen Mützenüberzug. Der Schirm war mit einem etwa 7 mm breiten goldenen, nach innen stumpf gezackten Besatz versehen. Schulterstücke, Ärmelabzeichen und Schirmverzierung kennzeichneten den Oberleutnant zur See eindeutig als erfahrenen Offizier der Leutnantsgruppe und hoben seine Stellung innerhalb der Kriegsmarine deutlich hervor.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com