Danziger Werft AG Danzig
U-Boot-Bau
Die Danziger Werft AG Danzig ging auf die 1854 gegründete Königliche Werft Danzig zurück, die nach der Reichsgründung 1871 als Kaiserliche Werft Danzig eine der bedeutenden Marinewerften des Deutschen Reiches wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland infolge des Versailler Vertrages auf seine staatlichen Marinewerften in Danzig verzichten. Aus den Anlagen entstand 1919 die zivile Danziger Werft und Eisenbahnwerkstätten AG, die in den Jahren der Freien Stadt Danzig vor allem Handels- und Spezialschiffe sowie Eisenbahnmaterial herstellte. Wirtschaftliche Schwierigkeiten während der Weltwirtschaftskrise führten zu einer zeitweise geringen Auslastung, ehe ab Mitte der 1930er Jahre umfangreiche Modernisierungen vorgenommen wurden.
Mit der Eingliederung der Freien Stadt Danzig in das Deutsche Reich am 01.09.1939 wurde die Werft schrittweise in die deutsche Rüstungswirtschaft eingegliedert. Am 30.08.1940 erfolgte die Umwandlung in die Danziger Werft AG, die sich vollständig im Eigentum des Deutschen Reiches befand und fortan dem U-Boot-Bau für die Kriegsmarine diente. Die Werft wurde zu einem wichtigen Bestandteil des deutschen Schiffbauprogramms und gehörte neben den Schichau-Werken sowie den großen Werften in Hamburg und Bremen zu den bedeutendsten Produktionsstätten für Unterseeboote.
Nach der Übernahme durch das Deutsche Reich wurde die Werft zunächst für den Serienbau des Typs VII C ausgebaut. Die hierfür notwendigen Hellingen, Werkstätten und Ausrüstungsanlagen wurden ab 1940 erheblich erweitert. Der Bau erfolgte nach dem für die Kriegsmarine typischen Fließprinzip: Während auf einer Helling bereits der Druckkörper eines Bootes zusammengesetzt wurde, befanden sich weitere Boote in der Ausrüstung oder Enderprobung. Die Danziger Werft war dabei auf eine möglichst hohe Standardisierung ausgerichtet, um den steigenden Bedarf der U-Boot-Waffe zu decken.
Der erste Bauauftrag umfasste die Boote U 329 bis U 340 (Baunummern 111–122). Es folgten die Serien U 367 bis U 370 (Baunummern 123–126) sowie U 673 bis U 682 (Baunummern 127–136). Ab 1943 erhielt die Werft schließlich Aufträge für die verbesserte Ausführung Typ VII C/41, darunter die Boote U 1161 bis U 1190 (Baunummern 137–166). Insgesamt wurden auf der Danziger Werft AG 42 U-Boote fertiggestellt und an die Kriegsmarine abgeliefert, während weitere geplante Einheiten wegen der Umstellung auf den Typ XXI nicht mehr vollendet wurden.
Eine Besonderheit der Danziger Werft war die enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Schichau-Werft Danzig. Beide Betriebe bildeten faktisch einen U-Boot-Industriekomplex. Während die Danziger Werft überwiegend Typ-VII-Boote fertigte, wurde Schichau zunehmend in die Entwicklung und Endmontage der neuen Elektroboote eingebunden. Zulieferungen von Maschinen, Batterien, Turmsektionen und Innenausbauten erfolgten arbeitsteilig aus zahlreichen Betrieben des Reiches.
Mit dem von Großadmiral Dönitz und dem Reichsministerium für Bewaffnung initiierten Typ-XXI-Programm kam es ab Sommer/Herbst 1943 zu einer grundlegenden Neuorganisation der Produktion. Der Bau kompletter U-Boote sollte zugunsten einer industriellen Sektionsbauweise aufgegeben werden. Die Danziger Werft AG erhielt dabei die Aufgabe, monatlich jeweils acht Sektionen der Baugruppen I, II, III und VIII für den Typ XXI zu fertigen. Diese vorgefertigten Großbauteile wurden anschließend zur Endmontage an die dafür bestimmten Werften geliefert, darunter insbesondere die F. Schichau Werft GmbH Danzig. Dieses System sollte die Fertigung beschleunigen und die Verwundbarkeit durch alliierte Luftangriffe verringern.
Für den Typ XXI war die Danziger Werft als Ausrüstungswerft insbesondere für die Sektionen 1, 2, 3 und 8 vorgesehen. Dabei handelte es sich um das Heck mit Steueranlage, den E-Maschinenraum, den Dieselmaschinenraum sowie die Bugsektion mit den Torpedorohren. Die eigentlichen Rohsektionen wurden von über das gesamte Reich verteilten Stahlbauunternehmen angeliefert und in Danzig komplett ausgerüstet. Dieses hochgradig arbeitsteilige Verfahren war für den deutschen Kriegsschiffbau neu und kann als Vorläufer moderner Modulbauweisen angesehen werden.
Die angestrebten Produktionszahlen wurden jedoch nie erreicht. Materialmangel, Zulieferprobleme, Facharbeitermangel, der zunehmende Einsatz von Zwangsarbeitern sowie alliierte Luftangriffe führten dazu, dass viele Boote nur mit erheblicher Verzögerung oder überhaupt nicht fertiggestellt werden konnten. Während die Serienfertigung des Typs VII C noch relativ erfolgreich verlief, blieb das ambitionierte Typ-XXI-Programm bis Kriegsende weit hinter den Planungen zurück. Bei der Eroberung Danzigs im Frühjahr 1945 befanden sich zahlreiche Baugruppen und unvollendete U-Boote in verschiedenen Fertigungsstadien auf den Werftanlagen.
Ab 1943 war die Werft zentralen Bestandteil des revolutionären deutschen Sektionsbauprogramms für den Typ XXI wurde. Damit nahm sie innerhalb der deutschen U-Boot-Rüstungsindustrie eine Schlüsselrolle ein, die über die reine Ablieferung der 42 Typ-VII-Boote hinausging.
Wie nahezu alle größeren Rüstungsbetriebe des Deutschen Reiches setzte auch die Danziger Werft AG in erheblichem Umfang Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ein. Diese stammten überwiegend aus den von Deutschland besetzten Gebieten und wurden unter schwierigen Bedingungen im Schiffbau und in den angeschlossenen Werkstätten beschäftigt. Die Werft war deshalb nicht nur ein bedeutender militärischer Produktionsstandort, sondern auch Teil des nationalsozialistischen Zwangsarbeitssystems.
Ab 1944 führten alliierte Luftangriffe und die sich verschlechternde militärische Lage zu erheblichen Beeinträchtigungen der Produktion. Dennoch wurde der U-Boot-Bau bis Anfang 1945 fortgesetzt. Mit dem Heranrücken der Roten Armee im Frühjahr 1945 wurden Teile der Belegschaft und der technischen Einrichtungen nach Westen verlegt, während die Werftanlagen bei den Kämpfen um Danzig schwere Schäden erlitten. Nach Kriegsende fiel Danzig an Polen; die verbliebenen Anlagen der Danziger Werft AG und der benachbarten Schichau-Werft wurden zusammengeführt und bildeten die Grundlage der späteren Stocznia Gdańska, der weltbekannten Danziger Werft. Damit endete die Geschichte der Danziger Werft AG als deutsche Marine- und U-Boot-Werft, deren Bedeutung im Zweiten Weltkrieg vor allem auf ihrer Rolle als einer der wichtigsten Produktionsstandorte für U-Boote der Kriegsmarine beruhte.|-
Bauaufträge
Typ VII C
| U 401 | U 402 | U 403 | U 404 | U 405 | U 406 | U 407 | U 408 | U 409 | U 410 |
| U 411 | U 412 | U 413 | U 414 | U 415 | U 416 | U 417 | U 418 | U 419 | U 420 |
| U 421 | U 422 | U 423 | U 424 | U 425 | U 426 | U 427 | U 428 | U 429 | U 430 |
| U 1161 | U 1162 |
Typ VII C/41
Typ VII C/42
| U 1805 | U 1806 | U 1807 | U 1808 | U 1809 | U 1811 | U 1812 | U 1813 | U 1814 | U 1815 |
| U 1816 | U 1817 | U 1818 | U 1819 | U 1820 | U 1821 | U 1822 |
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com