Hans Hellmann

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Lebensdaten

Name: Hellmann

Hans Hellmann
Vorname: Hans
Geburtsdatum: 08.03.1921
Geburtsort: Primkenau
Geburtsort Lage - Damals: Kreis Sprottau - Regierungsbezirk Liegnitz - Preußische Provinz Niederschlesien
Geburtsort Lage - Heute: Przemków - Powiat Polkowicki - Woiwodschaft Niederschlesien - Republik Polen
Todesdatum: 03.03.1945 (23 Jahre)
Todesort: Wesermünde
Todesort - Lage: Stadtkreis Wesermünde - Regierungsbezirk Stade - Preußische Provinz Hannover
Todesursache: Tödlich verunglückt

Dienstgrade

01.02.1940 Seekadett (Ernennung)
01.07.1940 Fähnrich zur See
01.07.1941 Oberfähnrich zur See
01.03.1942 Leutnant zur See mit Rangdienstalter vom 01.03.1942 (-206-)
01.10.1943 Oberleutnant zur See mit Rangdienstalter vom 01.10.1943 (-188-)

Orden und Ehrenzeichen

00.09.1943 Dienstauszeichnung IV. Klasse
14.12.1942 Eiserne Kreuz 2. Klasse
18.02.1943 U-Bootskriegsabzeichen 1939
22.10.1944 U-Boots-Frontspange in Bronze

Militärischer Werdegang

16.09.1939 Eintritt in die Kriegsmarine als Seeoffiziersanwärter der Crew X/39.
16.09.1939 - 29.11.1939 Infanteristische Grundausbildung bei der 7. Schiffsstammabteilung, Dänholm/Stralsund.
30.11.1939 - 30.04.1940 Praktische Bordausbildung auf dem Linienschiff Schleswig-Holstein.
01.05.1940 - 23.08.1940 Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik.
24.08.1940 - 24.11.1940 Kommandiert zur Vorbereitung für das Unternehmen Seelöwe.
25.11.1940 - 31.01.1941 Torpedolehrgang für Fähnriche an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
01.02.1941 - 07.04.1941 Nicht ermittelt. (Fähnrichslehrgänge ?)
08.04.1941 - 31.05.1941 Torpedolehrgang für U-Wachoffiziere an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
01.06.1941 - 29.06.1941 Nachrichtenlehrgang für U-Wachoffiziere an der Nachrichtenschule, Flensburg-Mürwik.
30.06.1941 - 27.07.1941 Artillerielehrgang für U-Wachoffiziere an der Schiffsartillerieschule, Kiel-Wik.
28.07.1941 - 28.09.1941 U-Wachoffizierslehrgang bei der 1. U-Lehrdivision, Pillau.
29.09.1941 - 23.03.1942 Wachoffiziersschüler in der 26. U-Flottille, Pillau.
24.03.1942 - 14.04.1942 Baubelehrung für U 262 bei der 6. Kriegsschiffbaulehrabteilung, Bremen.
15.04.1942 - 15.06.1943 I. Wachoffizier auf U 262 (Typ VII C) unter Günter Schiebusch, Siegfried Atzinger und Heinz Franke. 5 Unternehmungen:
↳ 24.09.1942 - 28.09.1942 - Nordmeer.
↳ 03.10.1942 - 09.10.1942 - Nordmeer.
↳ 05.11.1942 - 09.12.1942 - Nordatlantik, nordöstlich Neufundland.
↳ 16.01.1943 - 15.02.1943 - Nordatlantik, westlich Irland.
↳ 27.03.1943 - 25.05.1943 - Nordatlantik, Cabot Straße, Neufundland, St. Lorenz Golf.
16.06.1943 - 26.07.1943 Kommandanten-Lehrgang und 50. Kommandanten-Schießlehrgang bei der 24. U-Flottille, Memel.
27.07.1943 - 03.09.1943 Baubelehrung für U 903 bei der 5. Kriegsschiffbaulehrabteilung, Rostock.
04.09.1943 - 14.12.1943 Kommandant von U 903 (Typ VII C) - (Ausbildungsboot).
15.12.1943 - 03.03.1945 Kommandant von U 733 (Typ VII C) - (Schulboot).
03.03.1945 In Wesermünde tödlich verunglückt.

Der Fall Hellmann

Brief von Ulrich Freyhoff an den Vater von Hans Hellmann, der mir zur Verfügung gestellt wurde:

Sehr geehrter Herr Hellmann!

Seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich erst jetzt von mir hören lasse. Eine längere Reise, sowie widrige Umstände verhinderten, früher zu schreiben. Außerdem hoffte ich, immer noch einmal nach Wesermünde zu kommen, um, mich um die Sachen Ihres Sohnes zu kümmern. lch hoffe, dass es in aller nächster Zeit der Fall sein wird. Haben Sie geehrter Herr Hellmann, sowie lhre werte Gemahlin recht herzlichen Dank für lhre Briefe. lch kann lhnen auch nur das mitteilen, was mir damals vom Kriegsgericht über den für uns alle an Bord so schmerzlichen Tod unseres Kommandanten mitgeteilt worden ist: Wir lagen in der Werft in Wesermunde. Oberleutnant Hellmann war an einem Sonnabendabend (03.03.1945) zu seinem Kammeraden Oberlt. Giesewetter eingeladen worden, der mit seiner Frau in einem Wesermünder Hotel wohnte. Als er fortging befahl er nur noch, dass ich für den kommenden Tag für 11 Uhr eine Kommandanten Musterung ansetzen solle. lhr Sohn hatte also die Absicht am Sonntag - wie das in der Regel jeden zweiten Sonntag geschah, -zu sprechen-. Am kommenden Morgen wunderten wir uns, dass lhr Sohn nicht an Bord war. Kurz nach 9 Uhr kam Oblt. Giesewetter und bat mich zu sich. Er war aschfahl und stark erschüttert, als er mir von dem Unfall berichtete. lhr Sohn war mit ihm und seiner Frau bis spät abends zusammen gewesen. Er wollte gegen 1 Uhr zurück an Bord gehen. Sein Kamerad Giesewetter wollte ihn aber nicht gehenlassen, da es sehr dunkel war und der Weg in die Werft lang und von Trümmern der zerbombten Häuser ubersät war. So blieb er bei ihm. Gegen 4 Uhr sei er aufgewacht und habe das Fenster öffnen wollen. Dabei sei er hinausgestürzt. Die Fensterbank war verhältnismäßig niedrig und lag im 2. Stock. Es lag offenkundig ein ganz tragischer Unglücksfall vor. lch persönlich bin von diesem Ereignis damals schwer erschüttert worden, umso mehr als mir lhr Sohn als Freund und als Vorgesetzter von Herzen verbunden war. Noch jetzt fragen Bootskammeraden, wenn sie an mich schreiben, oft nach ihrem alten Kommandanten und allen muss ich diesen tragischen Tod mitteilen. lch will versuchen, sehr geehrter Herr Hellmann, noch einige Bilder ihres Sohnes zu besorgen, die ich lhnen dann zuschicken werde. Seien Sie verehrter Herr Hellmann, sowie ihre werte Frau Gemahlin herzlichst gegrüßt von ihrem Ulrich Freyhoff.

Eine andere Version zum Tod von Hans Hellmann:

Zu Hellmann gibt es einen Vermerk von ehemaligen Besatzungsangehörigen. Hans Hellmann lernte während der Werftliegezeit eine Frau kennen, die sich ihm gegenüber als nicht gebunden ausgab. Als eine Woche später der Ehemann, ein Landser, auf Urlaub nach Hause kam, sah er beide in einem Café und forderte Hellmann auf, nach draußen zu kommen. Hier wurde Hellmann von diesen erstochen. Laut ehemaliger Besatzungsmitglieder wurde offiziell daraus die Unfallversion. Eine Bestätigung dieser Version war mir damals nicht möglich. Hinweis des Amtes damals. Heimatadresse der Familie war 1945 Leeheimerstrasse 211 in Gernsheim/Hessen.

Die erste Version ist wohl die wahrscheinlichste Ursache für den Tod von Hans Hellmann. Ulrich Freyhoff war Wachoffizier auf U 733. Die zweite Version ist nicht auszuschließen, daher habe ich beide Varianten hier aufgeführt. Ich könnte mir schon vorstellen das die Besatzungsmitglieder die Ehre des Kommandanten schützen wollten und einen Unfall aus der Sache machten. Leider kann ich nicht beurteilen welche der beiden Varianten die Richtige ist.

Details zu den Beteiligten

Ulrich Freyhoff: Er war als I. Wachoffizier der engste Vertraute des Kommandanten in technischen und personellen Belangen. Dass er den Brief an die Eltern schrieb, war ein üblicher Akt der Kameradschaft, zeigt aber auch seine Loyalität, Hellmanns Andenken durch die "Unfallversion" zu schützen.

Herbert Giesewetter: Der im Brief erwähnte Kamerad war ebenfalls ein U-Boot-Kommandant (zuletzt auf U 1199). Er gehörte derselben Generation an, was die enge Vernetzung der Offiziere in den Hotels der Werftstädte erklärt.

Historische Einordnung der "Zwei Versionen"

In der Endphase des Krieges war die Marinejustiz unter Großadmiral Dönitz extrem drakonisch. Ein gewaltsamer Tod durch ein Eifersuchtsdrama hätte:

Ein langwieriges Verfahren nach sich gezogen.

Die "moralische Sauberkeit" des Offizierskorps in Frage gestellt.

Den Verlust der Hinterbliebenenversorgung für die Eltern bedeutet (da kein Tod im Dienst oder durch Unfall).

Die Schilderung von Freyhoff (der Sturz aus dem Fenster beim Lüften) war die "sauberste" Lösung für alle Beteiligten – sie bewahrte die Ehre und sicherte die Eltern ab. Die "Bordversion" mit dem Messerangriff hingegen war das, was unter den Matrosen hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, da diese oft mehr vom Privatleben ihrer Kommandanten mitbekamen, als den Offizieren lieb war.

Zusammenfassung:

Diese Geschichte ist ein Paradebeispiel für die "Mythenbildung" in der Marinegeschichte. Während die offizielle Akte (BArch PERS 6) den Unfall führt, bewahrt die mündliche Überlieferung der Besatzung den menschlichen Konflikt.

Quellen & Literatur

Rainer Busch/Hans Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Kommandanten"- Mittler Verlag 1996 - S. 96.

Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand: "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - Band 3 - Abschnitt 293 - S. 28.

Bibliographisches Institut: "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935.

Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven

Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB

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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com