Deutsche Werft AG Arsenal Toulon
U-Boot-Bau
Das Marinearsenal von Toulon war eine der bedeutendsten französischen Marinewerften und der wichtigste französische Kriegsschiffbauplatz am Mittelmeer. Nach der deutschen Besetzung Toulons im Rahmen des Unternehmens "Anton" am 27.11.1942 wurde das Arsenal für die Kriegsmarine nutzbar gemacht. Die französische Flotte lag zu diesem Zeitpunkt noch im Hafen von Toulon und wurde am gleichen Tag von ihren Besatzungen selbst versenkt, um eine Übernahme durch die deutschen Truppen zu verhindern.
Ab Anfang 1943 wurde Toulon als U-Boot-Stützpunkt der Kriegsmarine ausgebaut. Im März 1943 wurde die 29. U-Flottille von La Spezia nach Toulon verlegt. Das Arsenal diente zunächst vor allem als Stützpunkt für deutsche U-Boote und als Reparatur- und Instandsetzungswerft. Bereits am 09.03.1943 lief mit U 602 das erste deutsche U-Boot zur Überholung in den Stützpunkt ein. In Toulon wurden in der Folge zahlreiche U-Boote der 29. U-Flottille repariert, überholt und für weitere Unternehmungen ausgerüstet.
Neben dieser Funktion als U-Boot-Stützpunkt wurde das Arsenal auch in die deutschen Produktionsplanungen einbezogen. Im Rahmen des dezentralisierten Bauprogramms für das neue Elektroboot Typ XXIII war Toulon als Montage- und Fertigungsstandort für das Mittelmeer vorgesehen. In den deutschen Bauunterlagen erscheint der Standort als Deutsche Werft, Toulon Arsenal. Vorgesehen war die Fertigung einer größeren Zahl von Typ-XXIII-Booten, deren Sektionen und Baugruppen teilweise von anderen Betrieben angeliefert werden sollten.
Für den Standort Toulon waren zunächst die Boote U 2372 bis U 2400 vorgesehen. Tatsächlich konnten jedoch nur die ersten Einheiten noch begonnen werden. Die Boote U 2372 bis U 2377 wurden 1944 in Toulon auf Kiel gelegt, jedoch noch vor ihrer Fertigstellung wieder aufgegeben und später verschrottet. Mit den übrigen vorgesehenen Booten U 2378 bis U 2400 wurde nicht mehr begonnen. Damit wurde auf dem Marinearsenal von Toulon kein U-Boot des Typs XXIII fertiggestellt.
Die Fertigung des Typs XXIII in Toulon wurde durch die militärische Entwicklung zunehmend erschwert. Der deutsche Rückzug aus Südfrankreich sowie die Vorbereitung der alliierten Landung in Südfrankreich verhinderten eine Fortsetzung des Bauprogramms. Im August 1944 wurde Toulon von den alliierten Streitkräften eingenommen. Damit endete auch die deutsche Nutzung des Arsenals als U-Boot-Stützpunkt und Produktionsstandort.
Die Marinewerft Toulon nahm innerhalb der deutschen U-Boot-Rüstung somit eine besondere Stellung ein. Sie war zunächst vor allem ein wichtiger Reparatur- und Stützpunkt der 29. U-Flottille und wurde anschließend zusätzlich als Montagewerft für den Typ XXIII vorgesehen. Während die Werft als U-Boot-Stützpunkt eine erhebliche Bedeutung erlangte, blieb die geplante Fertigung des Typs XXIII erfolglos: Kein einziges der für Toulon vorgesehenen Boote wurde fertiggestellt.
Bauaufträge
Typ XXIII (alle an die Deutsche Werft AG Hamburg abgegeben)
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com