Deutsche Werft AG Hamburg

Aus uboot Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

U-Boot-Bau


Die Deutsche Werft AG Hamburg-Finkenwerder gehörte im Zweiten Weltkrieg zu den bedeutendsten deutschen U-Boot-Werften. Im Gegensatz zu vielen anderen Großwerften spezialisierte sie sich fast ausschließlich auf den Bau der großen Langstrecken-U-Boote des Typs IX und wurde erst gegen Kriegsende zusätzlich mit der Fertigung des modernen Typs XXIII beauftragt. Mit insgesamt 113 fertiggestellten U-Booten war sie nach Blohm & Voss Hamburg und der Deschimag AG Weser Bremen einer der größten Produzenten der deutschen U-Boot-Waffe.

Die Deutsche Werft wurde 1918 auf Initiative von Albert Ballin gegründet. Zu den Gründungsaktionären gehörten die HAPAG, die AEG und die Gutehoffnungshütte. Die moderne Großwerft in Hamburg-Finkenwerder war ursprünglich auf den rationellen Bau von Handelsschiffen ausgelegt und verfügte bereits in der Zwischenkriegszeit über leistungsfähige Fertigungsanlagen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten profitierte sie erheblich von der deutschen Aufrüstung und wurde ab 1939 vollständig in das U-Boot-Bauprogramm der Kriegsmarine eingebunden.

Der Schwerpunkt lag zunächst auf dem Bau des Typs IX C und später des verbesserten Typs IX C/40. Die Deutsche Werft fungierte dabei als sogenannte Nachbauwerft der Deschimag AG Weser, von der die Grundkonstruktion übernommen wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen U-Boot-Werften baute sie keine Boote des Typs VII, sondern konzentrierte sich vollständig auf die größeren Hochsee-U-Boote für den Fernkrieg. Diese Boote waren für Einsätze im Mittel- und Südatlantik, in der Karibik sowie im Indischen Ozean bestimmt und bildeten das Rückgrat der sogenannten „Monsun-Gruppe“, die von Stützpunkten in Südostasien aus operierte.

Zu den ersten auf der Deutschen Werft gebauten Einheiten gehörten die Boote U 501 bis U 520 des Typs IX C. Es folgten mehrere große Baulose des Typs IX C/40, darunter die Serien U 525–U 550, U 801–U 806 und weitere Einzelaufträge. Insgesamt stellte die Werft 41 U-Boote des Typs IX C/40 fertig. Mehrere dieser Boote, etwa U 516, U 532 oder U 861, erzielten auf ihren Unternehmungen erhebliche Versenkungserfolge und gehörten zu den bekanntesten Fern-U-Booten der Kriegsmarine.

Im Zuge des von Großadmiral Dönitz geforderten „Elektroboot-Programms“ wurde die Deutsche Werft Ende 1943 zusätzlich in die Produktion des neuen Typs XXIII einbezogen. Dabei handelte es sich um ein kleines, hochmodernes Küsten-U-Boot mit Schnorcheleinrichtung und weitgehend auf Unterwasserfahrt optimierter Konstruktion. Die Werft war für eine monatliche Fertigung von bis zu acht Booten vorgesehen und lieferte bis Kriegsende 48 U-Boote des Typs XXIII an die Kriegsmarine ab. Zusammen mit den 65 fertiggestellten Typ-IX-Booten ergab dies die Gesamtzahl von 113 abgelieferten U-Booten.

Für die zunehmende Serienfertigung entstand zwischen 1941 und 1944 am Rüschkanal der U-Boot-Bunker Fink II. In dieser bombensicheren Anlage konnten U-Boote und Baugruppen geschützt ausgerüstet und instandgesetzt werden. Der Bunker war Teil der deutschen Strategie, den U-Boot-Bau gegen die immer intensiveren alliierten Luftangriffe abzusichern. Er blieb bis in die letzten Kriegswochen in Nutzung.

Trotz schwerer Bombenschäden konnte die Deutsche Werft die Fertigung bis April 1945 fortsetzen. Zahlreiche Typ-XXIII-Boote wurden jedoch nur noch in den letzten Kriegsmonaten fertiggestellt und kamen nicht mehr zum Fronteinsatz. Nach Kriegsende wurde der U-Boot-Bau eingestellt; die Werft nahm zunächst wieder den zivilen Schiffbau auf. 1968 fusionierte sie mit den Howaldtswerken zur Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW), die später zu einem der weltweit führenden Hersteller konventioneller U-Boote wurde.

Aus u-boothistorischer Sicht nimmt die Deutsche Werft AG eine besondere Stellung ein, weil sie die wichtigste deutsche Spezialwerft für den Typ IX war. Keine andere Werft produzierte in vergleichbarer Zahl die großen Hochsee-U-Boote für den Fernkrieg. Gleichzeitig war sie einer der Hauptproduzenten des innovativen Typs XXIII, der zusammen mit dem Typ XXI den technologischen Höhepunkt des deutschen U-Boot-Baus im Zweiten Weltkrieg darstellte.|-

Bauaufträge

Typ IX C

U 501 U 502 U 503 U 504 U 505 U 506 U 507 U 508 U 509 U 510
U 511 U 512 U 513 U 514 U 515 U 516 U 517 U 518 U 519 U 520
U 521 U 522 U 523 U 524

Typ IX C/40

U 525 U 526 U 527 U 528 U 529 U 530 U 531 U 532 U 533 U 534
U 535 U 536 U 537 U 538 U 539 U 540 U 541 U 542 U 543 U 544
U 545 U 546 U 547 U 548 U 549 U 550 U 1221 U 1223 U 1224 U 1225
U 1226 U 1227 U 1228 U 1229 U 1230 U 1231 U 1232 U 1233 U 1234 U 1235
U 1236 U 1237 U 1238 U 1239 U 1240 U 1241 U 1242 U 1243 U 1244 U 1245
U 1246 U 1247 U 1248 U 1249 U 1250 U 1251 U 1252 U 1253 U 1254 U 1255
U 1256 U 1257 U 1258 U 1259 U 1260 U 1261 U 1262

Typ XXIII

U 2321 U 2322 U 2323 U 2324 U 2325 U 2326 U 2327 U 2328 U 2329 U 2330
U 2331 U 2334 U 2335 U 2336 U 2337 U 2338 U 2339 U 2340 U 2341 U 2342
U 2343 U 2344 U 2345 U 2346 U 2347 U 2348 U 2349 U 2350 U 2351 U 2352
U 2353 U 2354 U 2355 U 2356 U 2357 U 2358 U 2359 U 2360 U 2361 U 2362
U 2363 U 2364 U 2365 U 2366 U 2367 U 2368 U 2369 U 2370 U 2371 U 2372
U 2373 U 2374 U 2375 U 2376 U 2377 U 2378 U 2379 U 2380 U 2381 U 2382
U 2383 U 2384 U 2385 U 2386 U 2387 U 2388 U 2389 U 2390 U 2391 U 2392
U 2393 U 2394 U 2395 U 2396 U 2397 U 2398 U 2399 U 2400

Literaturverweise


Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.

→ Die genannten Bücher bei Amazon oder ZVAB