Kriegsmarinewerft Bordeaux

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U-Boot-Ausrüstungs- und Reparaturwerft


Der Hafen von Bordeaux wurde nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen im Jahr 1940 zu einem wichtigen U-Boot-Stützpunkt der Achsenmächte ausgebaut. Bereits im August 1940 richtete die italienische Marine dort unter der Bezeichnung BETASOM (Bordeaux Sommergibile) einen U-Boot-Stützpunkt für ihre im Atlantik eingesetzten U-Boote ein. Die italienischen Boote operierten unter dem Oberbefehl des deutschen Befehlshabers der U-Boote Karl Dönitz, während der Stützpunkt von italienischen Dienststellen betrieben wurde.

Die deutschen Planungen sahen Bordeaux neben seiner Funktion als italienischer U-Boot-Stützpunkt auch als wichtigen Standort für die deutsche U-Boot-Waffe vor. Im Oktober 1942 wurde in Bordeaux die 12. U-Flottille aufgestellt. Sie war insbesondere für die weitreichenden U-Boote der Typen IX D2, X B, XIV und VII F vorgesehen. Damit entwickelte sich Bordeaux zu einem Schwerpunkt für U-Boote mit großer Reichweite, Versorgungs-U-Boote und Torpedotransporter.

Für die U-Boote wurden im Hafen umfangreiche Ausrüstungs-, Versorgungs- und Reparatureinrichtungen geschaffen. Dazu gehörten Trockendocks und geschützte Liegeplätze, in denen die Boote gewartet, repariert, mit Brennstoff und Torpedos versorgt sowie für weitere Unternehmungen ausgerüstet werden konnten. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die großen Versorgungs- und Langstreckenboote, die von Bordeaux aus Einsätze im Südatlantik und im Indischen Ozean durchführten.

Um die U-Boote gegen die zunehmenden alliierten Luftangriffe zu schützen, wurde ab September 1941 ein großer U-Boot-Bunker errichtet. Die Anlage war rund 245 m breit, 162 m lang und 19 m hoch. Sie verfügte über sieben Trockendocks und vier Nassboxen und war damit auf eine umfangreiche Aufnahme und Instandsetzung von U-Booten ausgelegt. Die Bauarbeiten waren im Mai 1943 im Wesentlichen abgeschlossen. Anschließend wurde die Anlage durch zusätzliche Betonverstärkungen weiter gegen Luftangriffe geschützt.

Das erste deutsche U-Boot, das den neuen Bunker nutzte, war U 178, das am 17.01.1943 in die Anlage einlief. Der Bunker ermöglichte es, U-Boote auch unter den Bedingungen des zunehmenden alliierten Luftkrieges geschützt zu warten und instand zu setzen. Die eigentlichen Reparatur- und Ausrüstungsarbeiten wurden durch deutsche Fachkräfte und das Personal der örtlichen Werft- und Hafenbetriebe durchgeführt.

Nach der italienischen Kapitulation im September 1943 übernahm die deutsche Kriegsmarine auch einen Teil der noch in Bordeaux befindlichen italienischen U-Boote. Einige dieser Boote wurden für Transportaufgaben umgebaut und in den deutschen U-Boot-Verband eingegliedert. Unter anderem wurden fünf ehemalige italienische Boote für den Ferntransport strategischer Rohstoffe und anderer kriegswichtiger Güter aus Ostasien eingesetzt.

Bordeaux blieb bis 1944 ein wichtiger Ausgangs- und Reparaturstandort der deutschen U-Boot-Waffe. Von hier aus operierten zahlreiche Langstreckenboote auf besonders langen Feindfahrten. Die Besatzungen konnten nach ihren Unternehmungen im geschützten Bunker Reparaturen durchführen lassen und die Boote anschließend für weitere Einsätze ausrüsten.

Mit dem Zusammenbruch der deutschen Stützpunkte an der französischen Atlantikküste im Sommer 1944 wurde auch die Lage von Bordeaux zunehmend kritisch. Im August 1944 verließen die meisten noch einsatzfähigen deutschen U-Boote den Stützpunkt in Richtung Norwegen und Deutschland. Die 12. U-Flottille wurde anschließend aufgelöst. Die letzten beiden U-Boote, U 534 und U 857, verließen Bordeaux am 25.08.1944. Zwei nicht mehr seetüchtige Boote, U 178 und U 188, konnten den Stützpunkt nicht mehr verlassen und wurden am 20.08.1944 selbstversenkt.

Nach dem Abzug der U-Boote endete die Funktion Bordeauxs als deutscher U-Boot-Stützpunkt. Die Bedeutung des Standortes lag während des Krieges vor allem in seiner Funktion als geschützter Ausrüstungs-, Versorgungs- und Reparaturhafen für die italienische und später vor allem für die deutsche U-Boot-Waffe. Wegen der Verbindung mit BETASOM und der 12. U-Flottille nahm Bordeaux dabei eine besondere Stellung unter den deutschen U-Boot-Stützpunkten an der französischen Atlantikküste ein.

Literaturverweise


Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.

Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.

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