Friedrich Krupp Germaniawerft AG Kiel
U-Boot-Bau
Die Friedrich Krupp Germaniawerft AG in Kiel gehörte seit der Kaiserlichen Marine zu den bedeutendsten deutschen U-Boot-Werften und war maßgeblich an der Entwicklung des deutschen Unterseebootbaus beteiligt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Werft als eine der ersten Betriebe in das geheime deutsche Wiederaufrüstungsprogramm einbezogen.
Am 1. Dezember 1934 erhielt die Germaniawerft den ersten offiziellen Bauauftrag über sechs U-Boote des Typs II A. Obwohl die Kiellegungen aus Geheimhaltungsgründen zunächst nur vorbereitet wurden, begann der eigentliche Zusammenbau der Boote erst im März 1935 auf den Hellingen I und II. Bereits am 2. Februar 1935 folgte ein weiterer Auftrag über acht U-Boote desselben Typs. Wenig später erhielt die Werft zusätzlich den Auftrag zum Bau von vier Hochsee-U-Booten des Typs VII A, womit die Germaniawerft zu einer der wichtigsten Bauwerften der neu entstehenden U-Boot-Waffe wurde.
Neben den Bauaufträgen für die Kriegsmarine entstanden auf der Germaniawerft auch Export-U-Boote. Für die türkische Marine wurden zwei Boote fertiggestellt, während der Bau zweier für Jugoslawien bestimmter U-Boote nach Kriegsbeginn eingestellt wurde. Darüber hinaus verfügte die Werft über eine leistungsfähige Motorenfertigung und stellte einen erheblichen Teil der Dieselmotoren für die auf der Werft gebauten U-Boote selbst her.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges verlagerte sich die Produktion nahezu vollständig auf den U-Boot-Bau. Der Bau von Großkampfschiffen trat in den Hintergrund, während die Germaniawerft zum Hauptproduzenten der Typen Typ VII C, VII D, VII F und X B wurde. Darüber hinaus entstanden auf der Werft zahlreiche Versuchs- und Sonderkonstruktionen, wodurch sie innerhalb der deutschen U-Boot-Rüstung eine besondere Stellung einnahm.
Im Rahmen des von Großadmiral Karl Dönitz im Sommer 1943 geforderten erweiterten U-Boot-Bauprogramms sollte die Germaniawerft ihre Jahresproduktion auf 42 U-Boote steigern. Dieses Ziel sollte durch den Ausbau der Fertigungskapazitäten und die Einführung einer zweiten beziehungsweise nächtlichen Arbeitsschicht erreicht werden. Neben den weiterentwickelten Typen VII C/41 und VII C/42 war auch der Bau der Walter-Boote des Typs XVII G vorgesehen. Bereits zuvor waren auf der Germaniawerft mit den Versuchsbooten V 80, Wa 201 und WK 202 die grundlegenden Erfahrungen mit dem Walter-Antrieb gesammelt worden.
Mit der Entscheidung zum Übergang auf die Elektroboote Typ XXI und Typ XXIII wurde das Bauprogramm der Germaniawerft grundlegend umgestellt. Die Serienfertigung der Typen VII C und VII C/41 lief im Jahr 1944 aus. Dagegen wurden die bereits begonnenen Transport-U-Boote des Typs XX sowie verschiedene Walter-Versuchsboote weitergeführt. Gleichzeitig entwickelte die Germaniawerft den Kleinst-U-Boot-Typ XXVII, der als Grundlage für mehrere Varianten diente. Die daraus hervorgegangene Serienausführung Seehund (Typ XXVII B5) wurde anschließend auf mehreren deutschen Werften gefertigt.
Im Sommer 1944 beschloss das Oberkommando der Kriegsmarine schließlich, den Bau konventioneller U-Boote weitgehend einzustellen und die verfügbaren Kapazitäten auf die neuen Elektroboote zu konzentrieren. Neben der Deutschen Werft in Hamburg erhielt deshalb auch die Germaniawerft den Auftrag zur Serienfertigung des Typs XXIII. Die Boote entstanden auf den Hellingen VI, VII und VIII. Gleichzeitig war die Germaniawerft am Serienbau des Seehund beteiligt, dessen Endmontage im U-Boot-Bunker - Konrad der Deutschen Werke erfolgte.
Bei Kriegsende befanden sich auf den verbliebenen Hellingen noch die Rümpfe der Transport-U-Boote U 1701, U 1702 und U 1703 sowie mehrere bereits begonnene Versorgungs-U-Boote der U 494-Klasse in unterschiedlichen Bauzuständen. Darüber hinaus fertigte die Germaniawerft im U-Boot-Bunker - Kilian der Howaldtswerke AG Kiel den Schnorchel in Serienproduktion. Noch im Frühjahr 1945 war vorgesehen, die Fertigung des Typs XXIII in den Kieler U-Boot-Bunkern fortzusetzen. Parallel entstand auf dem Werftgelände eine große Halle zur Anbringung der schallabsorbierenden Alberich-Beschichtung auf U-Booten.
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches endete im Mai 1945 auch die U-Boot-Produktion der Germaniawerft. Während des Zweiten Weltkrieges hatte die Werft mehr U-Boote gebaut als jede andere deutsche Werft und war zugleich eines der wichtigsten Entwicklungszentren für neue U-Boot-Typen, Antriebssysteme und Ausrüstung. Ihre Bedeutung reichte weit über die Serienfertigung hinaus und umfasste zahlreiche Sonderkonstruktionen, Versuchsbauten und technische Entwicklungen, die den deutschen U-Boot-Bau nachhaltig prägten.
Bauaufträge
Typ II B
| U 7 | U 8 | U 9 | U 10 | U 11 | U 12 | U 17 | U 18 | U 19 | U 20 |
| U 21 | U 22 | U 23 | U 24 |
Typ VII A
| U 33 | U 34 | U 35 | U 36 |
Typ VII B
| U 45 | U 46 | U 47 | U 48 | U 49 | U 50 | U 51 | U 52 | U 53 | U 54 |
| U 55 | U 99 | U 100 | U 101 | U 102 |
Typ VII C
Typ VII C/41
| U 1066 | U 1067 | U 1068 |
Typ VII C/42
| U 1069 | U 1070 | U 1071 | U 1072 | U 1073 | U 1074 | U 1075 | U 1076 | U 1077 | U 1078 |
| U 1079 | U 1080 | U 1093 | U 1094 | U 1095 | U 1096 | U 1097 | U 1098 | U 1099 | U 1100 |
| U 2101 | U 2102 | U 2103 | U 2104 |
Typ VII D
| U 213 | U 214 | U 215 | U 216 | U 217 | U 218 |
Typ VII F
| U 1059 | U 1060 | U 1061 | U 1062 |
Typ X B
| U 116 | U 117 | U 118 | U 119 | U 219 | U 220 | U 233 | U 234 |
Typ XVII G
| U 1081 | U 1082 | U 1083 | U 1084 | U 1085 | U 1086 | U 1087 | U 1088 | U 1089 | U 1090 |
| U 1091 | U 1092 |
Typ XVII K
| U 798 |
Typ XVIII
| U 796 | U 797 |
Typ XX
| (ursprünglicher Bauauftrag für die Deutsche Werke AG Kiel) | |||||||||
| U 1615 | |||||||||
| (ursprüngliche Bauaufträge für die Bremer Vulkan Werft in Bremen) | |||||||||
| U 1701 | U 1702 | U 1703 | U 1704 | U 1705 | U 1706 | U 1707 | U 1708 | U 1709 | U 1710 |
| U 1711 | U 1712 | U 1713 | U 1714 | U 1715 | |||||
Typ XXIII
| (ursprünglicher Bauauftrag für die Deutsche Werft AG Hamburg)) | |||||||||
| U 2332 | U 2333 | ||||||||
| (ursprünglicher Bauauftrag für die Deutsche Werft AG Arsenal Toulon) | |||||||||
| U 2378 | U 2379 | U 2380 | U 2381 | U 2382 | U 2383 | U 2384 | U 2385 | U 2386 | U 2387 |
| U 2388 | U 2389 | ||||||||
Typ V 300
| U 791 |
Typ Wk 202
| U 794 | U 795 |
Typ IvS
| U A |
Literaturverweise
Eberhard Rössler: "Die deutschen Uboote und ihre Werften" - Bernard & Graefe Verlag 1990.
Rainer Busch/Hans-Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - U-Boot-Bau auf deutschen Werften" - Mittler Verlag 1997.
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Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com