Heinz-Günther Scholz
Lebensdaten
| Name: | Scholz |
Heinz Günther Scholz
|
| Vorname: | Heinz Günther | |
| Geburtsdatum: | 12.01.1918 | |
| Geburtsort: | Dresden | |
| Geburtsort Lage - Damals: | Stadtkreis Dresden - Kreishauptmannschaft Dresden - Königreich Sachsen | |
| Geburtsort Lage - Heute: | Kreisfreie Stadt - Landeshauptstadt - Bundesland Sachsen | |
| Todesdatum: | 15.08.1943 (25 Jahre) | |
| Todesort: | Königsberg | |
| Todesort - Lage: | Stadtkreis Königsberg - Regierungsbezirk Königsberg - Hauptstadt der Preußischen Provinz Ostpreußen | |
| Todesort Lage - Heute: | Kaliningrad - Stadtkreis Kaliningrad - Hauptstadt der Oblast Kaliningrad - Russische Föderation | |
| Todesursache: | Freitod |
Dienstgrade
| 21.09.1937 | Seekadett (Ernennung) |
| 01.05.1938 | Fähnrich zur See |
| 01.07.1939 | Oberfähnrich zur See |
| 01.08.1939 | Leutnant zur See |
| 01.04.1942 | Oberleutnant zur See mit Rangdienstalter vom 01.04.1942 (-186-) |
Orden und Ehrenzeichen
| 00.04.1941 | Dienstauszeichnung IV. Klasse |
| 22.07.1942 | Eiserne Kreuz 2. Klasse |
| 22.07.1942 | U-Bootskriegsabzeichen 1939 |
| 28.12.1942 | Eiserne Kreuz 1. Klasse |
Militärischer Werdegang
| 03.04.1937 | Eintritt in die Kriegsmarine als Seeoffiziersanwärter der Crew 37 a. |
| 03.04.1937 - 14.06.1937 | Infanteristische Grundausbildung bei der II. Schiffsstammabteilung der Ostsee, Stralsund. |
| 15.06.1937 - 22.09.1937 | Praktische Bordausbildung auf dem Segelschulschiff Horst Wessel. |
| 23.09.1937 - 29.04.1938 | Praktische Bordausbildung auf dem Leichten Kreuzer Emden. |
| 30.04.1938 - 25.11.1938 | Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik. |
| 26.11.1938 - 01.04.1939 | Fähnrichslehrgänge. |
| 02.04.1939 - 00.04.1940 | Nicht ermittelt. |
| 00.04.1940 - 06.01.1941 | Zur Luftwaffe (See) kommandiert. |
| 07.01.1941 - 02.02.1941 | Sperrlehrgang für U-Wachoffiziere an der Sperrschule, Kiel-Wik. |
| 03.02.1941 - 02.03.1941 | Torpedolehrgang für U-Wachoffiziere an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik. |
| 03.03.1941 - 29.03.1941 | Nachrichtenlehrgang für U-Wachoffiziere an der Nachrichtenschule, Flensburg-Mürwik. |
| 30.03.1941 - 27.04.1941 | Artillerielehrgang für U-Wachoffiziere an der Schiffsartillerieschule, Kiel-Wik. |
| 28.04.1941 - 15.06.1941 | U-Wachoffizierslehrgang bei der 2. U-Lehrdivision, Gotenhafen. |
| 16.06.1941 - 00.09.1941 | Zugführer bei der 2. U-Ausbildungsabteilung, Neustadt. |
| 00.09.1941 - 04.11.1941 | Baubelehrung für U 172 bei der 6. Kriegsschiffbaulehrabteilung, Bremen. |
| 05.11.1941 - 28.12.1942 | I. Wachoffizier auf U 172 (Typ IX C) unter Carl Emmermann. 3 Unternehmungen: |
| ↳ 22.04.1942 - 03.05.1942 - Nordatlantik. Überführung nach Frankreich. | |
| ↳.05.1942 - 21.07.1942 - Nordatlantik, Karibik, Panama, Große Antillen. | |
| ↳ 19.08.1942 - 27.12.1942 - Südatlantik, Südafrika, vor Kapstadt. | |
| 01.01.1943 - 15.01.1943 | U-Lehrgang für Offiziere bei der 2. U-Ausbildungsabteilung, Neustadt. |
| 18.01.1943 - 22.02.1943 | Kommandanten-Lehrgang und Kommandanten-Schießlehrgang bei der 26. U-Flottille, Pillau. |
| 23.02.1943 - 30.03.1943 | Baubelehrung für U 283 bei der 6. Kriegsschiffbaulehrabteilung, Bremen. |
| 31.03.1943 - 15.08.1943 | Kommandant von U 283 (Typ VII C) - (Ausbildung und Erprobung). |
| 15.08.1943 | Freitod in Königsberg. |
Der Fall Scholz
1. Der Vorfall in Königsberg (14.08.1943):
Heinz-Günther Scholz war der erste Kommandant des Typs VII C Bootes U 283. Während der Ausbildungsphase in der Ostsee ereignete sich am 14.08.1943 beim Einlaufen in den Vorhafen von Königsberg ein schwerer navigatorischer Unfall. U 283 kollidierte dabei mit dem erfahrenen Schulboot U 28 (Typ Typ VII A). Der Zusammenstoß war so heftig, dass U 28 erheblich beschädigt wurde und für längere Zeit ausfiel.
2. Der Vorwurf des Defätismus:
In der angespannten Lage des Jahres 1943 – nach der Niederlage in Stalingrad und den schweren Verlusten der U-Boot-Waffe im Mai („Schwarzer Mai“) – wurden Unfälle in der Ausbildung durch die Flottillenführung oft extrem scharf bewertet. Scholz wurde unmittelbar nach dem Unglück von seinen Vorgesetzten (vermutlich der Führung der 22. U-Flottille) schwer gemaßregelt. Dabei fiel der Vorwurf des beginnenden Defätismus. Man unterstellte ihm, dass das Fehlmanöver kein bloßes Versehen war, sondern ein Zeichen für mangelnden Siegeswillen und psychische Instabilität.
3. Der Freitod an Bord der „Der Deutsche“:
Dieser Vorwurf bedeutete für einen jungen Seeoffizier das Ende der militärischen Ehre und den sicheren Abbruch seiner Karriere. Scholz wurde von seinem Kommando entbunden und auf dem Wohnschiff „Der Deutsche“ (ein ehemaliges Passagierschiff der KdF-Flotte, das als schwimmende Kaserne diente) untergebracht. Nur einen Tag nach der Kollision, am 15.08.1943, wählte er in seiner Kammer an Bord des Schiffes den Freitod durch Erhängen. Er sah seine berufliche und persönliche Existenz als dauerhaft verpfuscht an.
4. Nachwirkungen und Einordnung:
In den offiziellen Personalunterlagen der Kriegsmarine wurde der Fall oft nur kurz als „Tod durch eigene Hand“ vermerkt. Das Boot U 283 wurde nach seinem Tod von Oberleutnant zur See Günter Ney übernommen, der das Boot schließlich im Februar 1944 auf seiner ersten Feindfahrt verlor. Der Fall Scholz gilt in der Geschichtsschreibung der U-Boot-Waffe (u. a. bei Busch & Röll) als tragisches Beispiel für den enormen psychischen Druck, unter dem junge Kommandanten in der Spätphase des Krieges standen, und für die oft gnadenlose Beurteilungspraxis durch die Ausbildungsorgane.
Quellen & Literatur
Rainer Busch/Hans Joachim Röll: "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Kommandanten" - Mittler Verlag 1996 - S. 213.
Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand: "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - Band 3 - Abschnitt 293 - S. 60.
Bibliographisches Institut: "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935.
Quellenverweise: → Quellenangaben in Online-Archiven
Literaturverweise: → Die genannten Bücher zum Kaufen bei Amazon oder ZVAB
Alle Angaben ohne Gewähr
Andreas Angerer - ubootarchivwiki@gmail.com